SPIEGEL Geschichte

Wissenschaftsgeschichte

So weise war das Morgenland

Vor 1000 Jahren galt die islamische Welt als besonders fortschrittlich. Avicenna und Alhazen, zwei orientalische Gelehrte, setzten eine wissenschaftliche Revolution in Gang, die auch den Westen prägte.

DPA

Moschee in Kairo

Von
Donnerstag, 01.02.2018   05:34 Uhr

Heute würde man ihn einen Streber nennen. Einen Angeber. Ein Wunderkind. Schon mit zehn Jahren habe er den Koran auswendig gelernt, behauptete Abu Ali al-Hussain Ibn Sina, im Westen unter dem Namen Avicenna bekannt. Er bildete sich angeblich selbst zum Mediziner aus, heilte mit 16 seine ersten Patienten, las nebenbei Aristoteles' "Metaphysik", ganze 40-mal. So erklärte er zumindest vollmundig. Bald drehte sich sein Leben nur noch um Logik und Philosophie, notierte er in seiner Autobiografie: "Ich schlief weder eine Nacht durch, noch widmete ich mich irgendetwas anderem am Tag." Wurde er müde, hielt er sich mit Wein wach.

Es lohnte sich: Beeindruckt von dessen Wissen, holte Emir Nuh II. um 996 n. Chr. Avicenna an seinen Hof in Buchara. Der Emir, Herrscher über ein Riesenreich, das sich über das heutige Usbekistan, Iran und Afghanistan erstreckte, verfügte über eine Bibliothek, die dem jungen Mann wie ein Paradies vorkam: "Das Gebäude bestand aus vielen Räumen, in jedem stapelten sich die Büchertruhen übereinander", schrieb er begeistert. Er habe Schriften gesehen, die "nur wenige Menschen kannten" und die er nirgendwo anders finden sollte. Er las und las und las. Und wurde einer der berühmtesten Mediziner, Astronomen und Philosophen des Orients.

Aus SPIEGEL Geschichte 4/2017

Etwa zur selben Zeit zog ein anderer wissensdurstiger Mann zum Hof eines mächtigen Herrschers, auch er vor Selbstbewusstsein strotzend: Abu Ali al-Hassan Bin al-Haitham aus Basra im heutigen Irak, latinisiert Alhazen genannt und später als "arabischer Archimedes" gefeiert. Sein Vater hatte für ihn eine sichere Beamtenlaufbahn vorgesehen, der er sich aber, so behaupteten es Chronisten, durch einen Trick entzog: Alhazen täuschte vor, geisteskrank zu sein, um seiner wahren Leidenschaft nachgehen zu können: forschen und experimentieren. Schon bald war er ein renommierter Mathematiker und Physiker. Nun, um die Jahrtausendwende, reiste Alhazen ins ferne Kairo, um dort dem Kalifen al-Hakim zu dienen. Mutig hatte er dem Herrscher versprochen, er werde mal eben die Schwemmen des Nils bändigen.

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insgesamt 2 Beiträge
Fabian K. 01.02.2018
1. Das ist doch Unsinn
Die grösste Moschee des Islams war jahrhundertelang die ehemalige katholische Kuppelbasilika Hagia Sophia in Byzanz, gebaut vom oströmischen Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert n. Chr.. Selbst hat der Islam nur eher bescheidene [...]
Die grösste Moschee des Islams war jahrhundertelang die ehemalige katholische Kuppelbasilika Hagia Sophia in Byzanz, gebaut vom oströmischen Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert n. Chr.. Selbst hat der Islam nur eher bescheidene Bauwerke zustande gebracht. Der Islam war nie die Basis für eine Hochkultur wie es hier versucht wird darzustellen. Offenbar in bezahlter propagandistischer Absicht. Die drittgrösste Moschee der Welt, die gerade in Algier entsteht, baut der deutsche Architekt Jürgen Engel, die grösste Moschee, die Masjid al-Haram in Mekka (820.000 Gebetsplätze) wird von dem Bauunternehmen Saudi Binladin gebaut, das dafür europäische Architekten beauftragte, die allerdings selbst nicht vor Ort sein durften.
Vorzeichen 01.02.2018
2. Oho, Propaganda!
Im Artikel ging es um einen Arzt und einen Physiker, aber Sie reden von der Größe von Moscheen. Warum machen Sie das? Weil Sie genau drei Beispiele kennen, von denen zwei gar nichts mit Kultur, sondern mit globalen [...]
Zitat von Fabian K.Die grösste Moschee des Islams war jahrhundertelang die ehemalige katholische Kuppelbasilika Hagia Sophia in Byzanz, gebaut vom oströmischen Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert n. Chr.. Selbst hat der Islam nur eher bescheidene Bauwerke zustande gebracht. Der Islam war nie die Basis für eine Hochkultur wie es hier versucht wird darzustellen. Offenbar in bezahlter propagandistischer Absicht. Die drittgrösste Moschee der Welt, die gerade in Algier entsteht, baut der deutsche Architekt Jürgen Engel, die grösste Moschee, die Masjid al-Haram in Mekka (820.000 Gebetsplätze) wird von dem Bauunternehmen Saudi Binladin gebaut, das dafür europäische Architekten beauftragte, die allerdings selbst nicht vor Ort sein durften.
Im Artikel ging es um einen Arzt und einen Physiker, aber Sie reden von der Größe von Moscheen. Warum machen Sie das? Weil Sie genau drei Beispiele kennen, von denen zwei gar nichts mit Kultur, sondern mit globalen Bauvorhaben zu tun haben - und alle drei nichts mit dem Thema. Das erleichtert es Ihnen aber, "Propaganda" zu wittern. Das ist so einfältig, dass Sie sich eigentlich schämen müssten, aber Blödsinn zu schreiben gehört heutzutage zum guten Ton, wenn man die Machtergreifung herbeiträumt.

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