Leben und Lernen

Auf der intellektuellen Überholspur

Wenn Kinder hochbegabt sind

Manche Kinder lernen rasend schnell. Diese Hochbegabten brauchen die richtige Förderung - und ihre Eltern oft gute Nerven.

DPA

Schüler am Landesgymnasium für Hochbegabte (in Schwäbisch Gmünd)

Von Beatrix Gerstberger
Dienstag, 23.01.2018   17:16 Uhr

Als ihr Sohn ein Jahr alt war, sagte der Kinderarzt zu Melanie Fischer: Ich glaube, wir haben da ein Thema. Der Junge schlief kaum, deshalb saß sie in der Sprechstunde. Die Antwort des Arztes: Er nutzt seine Wachphasen optimal für seine Entwicklung. Leo hatte mit zehn Monaten zu laufen begonnen, zwei Monate später bot ihm jemand Wasser und Apfelsaft an, und er formulierte klar: "Bitte eine Apfelsaftschorle." Als er mit zwei Jahren in einem Spielwarengeschäft stand, sagte er zu der Verkäuferin: "Ich brauche ein Buch über Zahlen und Buchstaben."

"Leo besaß sehr früh eine große Sprachfertigkeit, benutzte Begriffe, die erwachsen klangen", sagt Melanie Fischer. "Aber wenn so ein Kind das erste ist, wie soll man da wissen, ob das normal ist oder nicht?"

Im Kindergarten ging es weiter. Leo drehte auf, weil ihm langweilig war, er bekam spezielle Aufgaben, eine Zeit lang ging es gut. Dann bekam Melanie Fischer einen Anruf aus der Kita, eine Psychologin habe sich ihren Sohn angeschaut. "Ich saß dann vor der Psychologin und den Erziehern, und mir wurde mitgeteilt, was man alles beobachtet habe. Dass es mit einer normalen Schule wohl nicht klappen würde. Dass Leo einen Intelligenztest machen solle. Es war furchtbar."

Aus SPIEGEL WISSEN 4/2017

Der Test ergab, dass Leo hochbegabt ist, also in Intelligenztests deutlich besser abschneidet als die meisten Gleichaltrigen. Trotzdem wurde der Junge zum Problemfall. Immer wieder musterten ihn Lehrer, Ärzte, Psychologen. In der Schule gehörte Leo zu den sogenannten Underachievern, den Kindern, die schulisch nicht so viel leisten, wie man aufgrund ihres hohen IQ-Werts eigentlich erwarten könnte.

Aus SPIEGEL WISSEN 4/2017

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