Gesundheit

Gefährliche Krankenhauskeime

Wieso niederländische Kliniken sicherer sind als deutsche

Tausende Patienten infizieren sich in deutschen Kliniken mit gefährlichen Keimen. In den Niederlanden gibt es das Problem kaum. Wie schaffen die das?

Marcel Wogram / SPIEGEL WISSEN

Hygienemaßnahmen an der Uniklinik Groningen

Von Susanne Donner
Donnerstag, 21.12.2017   14:25 Uhr

Bhanu Sinha schlüpft in den blauen Einmalkittel und schließt den Klettverschluss im Nacken. Der klinische Mikrobiologe stülpt sich blaue Handschuhe über, ehe er behutsam die Kompresse vom Bauch des Patienten löst. Eine lange Wunde zieht sich vom Nabel abwärts. "Ich schaue mir die noch einmal an", sagt Sinha. Der Mann nickt matt. Seine blauen Augen blicken ins Leere. In seinem Bauch vegetieren verschiedene Keime, gegen die diverse Antibiotika nichts mehr ausrichten. Ein Reserveantibiotikum rinnt in die Venen des Mannes, eine Arznei, die als letztes Mittel gegen die Bakterien greifen soll.

Viele Klinikaufenthalte und Antibiotikabehandlungen haben die Mikrobenflora des 51-Jährigen derart hochgerüstet. Zuletzt hatte er einen Darmwanddurchbruch, ihm bleiben nur wenige Zentimeter seines Dünndarms. Nun liegt er auf einer der vier Intensivstationen des Universitätsklinikums Groningen, die mit ihren verkabelten Betten und knallorangefarbenen Fluren so futuristisch wirken wie Raumstationen.

Literweise fließt braunroter Darminhalt über eine Sonde aus seiner Nase und über eine weitere aus seinem Bauch. "Wenn wir bei einem so instabilen Patienten nicht sehr klug vorgehen, kann es passieren, dass ihm irgendwann kein Antibiotikum mehr hilft", sagt Sinha. Der Kranke ist den Mikroben ausgeliefert. Der Tod hat freien Lauf.

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