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Münchens Sechserpack gegen Hamburg

Immer weiter

Die Meisterschaft ist längst entschieden, der FC Bayern nimmt trotzdem kein Tempo raus. Bloß die Spannung halten - wenn schon nicht in der Liga, dann zumindest im Verein. Da kam der HSV gerade recht.

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Franck Ribéry

Aus München berichtet Christoph Leischwitz
Samstag, 10.03.2018   22:07 Uhr

"Nur noch zehn", hallte es gleich zu Beginn durch die Münchner Arena. Da muss man erst einmal konzentriert bleiben - als Spieler des FC Bayern. Von dem zweistelligen Ergebnis gegen den Hamburger SV war das Team ein gutes Stück entfernt, 6:0 hieß es am Schluss. Kurz habe man auch mal "Larifari" gespielt, fand Mats Hummels. "Wir sind ja keine Roboter", sagte Arjen Robben wie zur Verteidigung über die kurze Schwächephase vor der Halbzeit.

Der akut abstiegsbedrohte HSV hatte es dem designierten Deutschen Meister wirklich schwer gemacht, das Niveau über 90 Minuten zu halten. Die Konzentration setzte sich nach der Pause wieder durch bei den Bayern - mit einer Ausnahme: Dreifachtorschütze Robert Lewandowski schoss etwas lässig einen von zwei Elfmetern über das Tor (86. Minute).

Niemand hätte sich gewundert, wenn der FC Bayern eine Wellnesswoche eingelegt hätte. Wann hat eine Mannschaft, die regelmäßig auf drei Titel-Hochzeiten tanzt, Anfang März schon mal die Gelegenheit dazu? Wenn am Mittwoch der Anpfiff zum Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales bei Besiktas ertönt, dann hat die Mannschaft fünf Tore Vorsprung. Bei einem "verunsicherten Gegner", wie Jupp Heynckes den HSV nannte, wäre der Schongang denkbar gewesen.

Schipplocks Mitspieler hatten "keine Lust"

Doch ausgerechnet gegen Hamburg stand eine Startelf auf dem Platz, die in einem Champions-League-Finale kaum anders aussähe. Schnell stand es 3:0. Hamburgs Sven Schipplock meinte nach dem Spiel, dass man nach "18 Minuten mehr als vernichtet gewesen" sei. Dass er zudem noch andeutete, einige Mitspieler hätten heute "keine Lust" gehabt, zeigte nur, wie sehr die Bayern es ernst gemeint hatten damit, Gas zu geben. An sich war das Ergebnis eigentlich kein Grund für schlechte Laune. Für die vergangenen neun Bundesligaspiele der Hamburger in München steht die Statistik nun bei 3:51 Toren.

"Wir haben gut angefangen, das ist immer der Schlüssel, egal ob du 20, zehn, fünf Punkte Vorsprung hast, wir müssen immer weiter", sagte Arjen Robben mit ernster Miene: "Wir können nicht einfach die Bundesligaspiele machen und uns nur noch auf die Champions League konzentrieren." Der Niederländer spielte dabei auf ein altes Bayern-Problem an. In der Bundesliga ist es oft schon gar nicht mehr der Gegner, der die Bayern zu Bestleistungen treibt. Der größte dauerhafte Gegner ist der eigene Leistungsabfall. "Wir müssen schauen, dass wir im Rhythmus bleiben. Und da gehören solche Spiele dazu", sagte David Alaba.

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Bundesliga: Die nächste Klatsche

Am Samstag war es auf den Tag genau 20 Jahre her, dass Giovanni Trapattoni seine legendäre "Flasche leer"-Brandrede gehalten hatte. Darin hatte er die generelle Einstellung vieler Spieler kritisiert ("Was erlaube Strunz?"). In der Folge wurde die bayerische Frühjahrsmüdigkeit vor allem dann ein Thema, wenn die Mannschaft in der Meisterschaft schon früh uneinholbar war.

Einer der wenigen Kritikpunkte der Bayern-Fans an Ex-Trainer Pep Guardiola bleibt, dass er in diesen Phasen eine B-Elf spielen ließ, die A-Elf dadurch ihren Rhythmus verlor - und in der Champions League regelmäßig im Halbfinale Schluss war.

Sieg gegen den HSV ist wichtig für die Champions League

"Das Ergebnis ist wichtig für Mittwoch", sagte Trainer Jupp Heynckes nach dem 6:0. Denn man dürfe im Fußball einfach nie zurückstecken. Sportdirektor Hasan Salihamidzic verwies darauf, dass Heynckes immer wieder neue Wege finde, die Spieler zu motivieren. "Der Trainer macht uns Beine", so sagt es Thomas Müller.

Ob die Aussage des Trainers vom Freitag ebenfalls einfach nur die Spannung hochhalten sollte? Da hatte der 72-Jährige überraschend geäußert, er habe doch noch nie gesagt, dass am 30. Juni seine Tätigkeit beim FC Bayern beendet sei. Und das zwei Tage nach einem Interview in der "Sport Bild", in dem er von Thomas Tuchel schwärmte, seinem möglichen Nachfolger. Bleibt er nun doch? Wohl kaum. Aber Hauptsache keine Langeweile!

Heynckes verfügt gleichzeitig über Spieler, die wenig Motivation von außen benötigen. Arjen Robben ist ein Typ, der immer ein bisschen sauer wirkt, wenn die Mannschaft nicht zweistellig gewinnt. Diesmal erlebte auch Franck Ribéry wieder einen Nachmittag nach seinem Geschmack. Ihm gelang erst ein Tor nach einem Hamburger Fehlpass und anschließendem Slalomlauf (8.) - und neun Minuten vor Schluss nach einem unermüdlichen Solo, bei dem er gleich vier Hamburger stehen ließ.

Wie man einem bald 35-Jährigen Beine macht? Ribéry kämpft um seine Vertragsverlängerung. Als er 2007 zu den Bayern kam, spielte beim HSV zum Beispiel noch Vincent Kompany, auch Jérôme Boateng war noch ein Hamburger. Im Vergleich zum HSV ist der Franzose aber ein Dino, der weiterhin Gas gibt.

insgesamt 18 Beiträge
letitbe 10.03.2018
1. Fcb
Leider war der HSV heute kein Maßstab, trotzdem habe ich mich über die 6 Tore gefreut. Jetzt hoffe ich darauf, im Heimspiel gegen den BVB die deutsche Meisterschaft feiern zu können. Was gibts fußballerisch denn schöneres als [...]
Leider war der HSV heute kein Maßstab, trotzdem habe ich mich über die 6 Tore gefreut. Jetzt hoffe ich darauf, im Heimspiel gegen den BVB die deutsche Meisterschaft feiern zu können. Was gibts fußballerisch denn schöneres als gegen den BVB, deutscher Meister zu werden? Und täglich grüßt das Murmeltier, es ist für mich immer wieder eine Freude, wenn der Präsident der Dortmunder meinem FC Bayern die Meisterschale überreichen darf!
kydianta 11.03.2018
2. Club der Legionären
Der Club der Millionären und Legionären wird es schon bald schaffen, die Bundesliga abzuschaffen! Neid? Nein! Es geht nur darum, dass Sport zu einem reinen Kommerz-Zirkus verkommen ist. Im Zirkus gibt es was zu lachen, in [...]
Der Club der Millionären und Legionären wird es schon bald schaffen, die Bundesliga abzuschaffen! Neid? Nein! Es geht nur darum, dass Sport zu einem reinen Kommerz-Zirkus verkommen ist. Im Zirkus gibt es was zu lachen, in der Bundesliga dagegen ist das Interesse erlahmt - ausgenommen der Bayern-Fans! Warum soll ich mir ein Bayernspiel anschauen, wenn ich weiß, wie es ausgeht? Ein schlechter Krimi kostet 7 Euro und verspricht mehr Spannung! Ab ins Kino!
hamburger.jung 11.03.2018
3.
Man kann ja sagen was man will, aber Bayern gibt so gut wie immer Vollgas, auch in unwichtigen Spielen wie heute. Das ist wohl der Unterschied zum Rest.
Man kann ja sagen was man will, aber Bayern gibt so gut wie immer Vollgas, auch in unwichtigen Spielen wie heute. Das ist wohl der Unterschied zum Rest.
inshoresailing 11.03.2018
4.
Wir Nordlichter können keinen Fussball. Wir können nur Hallensport denn unser Klima besteht hauptsächlich aus kaltem Wasser. Bei uns ein Brasilianer nach einem halben Jahr kann fließend Platt schnacken aber durch [...]
Wir Nordlichter können keinen Fussball. Wir können nur Hallensport denn unser Klima besteht hauptsächlich aus kaltem Wasser. Bei uns ein Brasilianer nach einem halben Jahr kann fließend Platt schnacken aber durch Gruppenverhalten verlärnt er das Toreschiessen komplett. Der Pizzaro war eine Ausnahme denn sein Pizzakonsum half ihm seine Italienischen Gene frisch zu halten. Wenn aber unsere Rasen irgendwann selbstentwässernd gebaut und mit der Erdwärme beheitzt werden, dann machen wir Bayern München platt wie das schöne Watt!
Brandolino 11.03.2018
5. Richtig
Wenn es in der Meisterschaft für die Bayern zu einfach lief, schwächelten sie (meistens) in der CL, weil sie den Schalter nicht richtig umlegen konnten. Die Spannung hochzuhalten ist bei einer derart großen Überlegenheit zwar [...]
Wenn es in der Meisterschaft für die Bayern zu einfach lief, schwächelten sie (meistens) in der CL, weil sie den Schalter nicht richtig umlegen konnten. Die Spannung hochzuhalten ist bei einer derart großen Überlegenheit zwar schwer, aber möglich. Selten war die Zweiklassengesellschaft in der Buli so augenfällig, weil es dieses Jahr keine Mannschaft gibt, die den Bayern Paroli bieten kann. Gähn.

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