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Traumfinale zwischen Real Madrid und Liverpool

Geschichten geschrieben

Zwei krasse Torwartfehler, ein Traumtor - und eine folgenschwere Verletzung. Die Geschichten, die im Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Liverpool erzählt wurden, hätten für drei Endspiele gereicht.

DPA

Gareth Bale (vorne) und Loris Karius

Aus Kiew berichtet
Sonntag, 27.05.2018   08:58 Uhr

Als die Konfettikanone silberne Streifen in den Himmel pustete und Sergio Ramos den Pokal in denselben stemmte, standen die Spieler des FC Liverpool am Rand des Spielfelds des Olympiastadions von Kiew. Als hätten sie sich an den perfekt choreografierten Tanzeinlagen des Unterhaltungsprogramms vor dem Anpfiff ein Beispiel genommen, zeigten sie fast alle, vom Trainer bis zum Torhüter, dieselbe Körperhaltung: ein Bein leicht vor dem anderen, die Hände hinter dem Rücken zusammengefaltet. Und auch die Richtung ihrer Mundwinkel war gleich - sie zeigten nach unten.

Der FC Liverpool hat das Champions-League-Finale 2018 1:3 (0:0) gegen Real Madrid verloren. Für die Spanier war es der dritte Titel in Folge, eine historische Leistung. Doch die Seltenheit eines solchen Hattricks war nur eine Geschichte dieses Spiels. Die Besonderheit dieses Finales war es, dass gleich mehrere Geschichten erzählt wurden. Jede für sich genommen würde ausreichen, um die Angestellten in den Büros oder die Familien am Frühstückstisch lang und breit diskutieren zu lassen. Es war ein Fußballfest, in vielerlei Hinsicht. Historisch, keine Frage. Episch, ohne Zweifel.

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Cristiano Ronaldo (l.) tröstet Mohamed Salah

Es begann mit einem Drama, dessen Nachwirkungen nun ein ganzes Land zittern lassen. Liverpools Starangreifer Mohamed Salah, der mit Abstand beste Spieler des Teams, musste in der 31. Minute unter Tränen von Freund und Feind (auch die Real-Spieler versuchten, ihn zu trösten) vom Platz begleitet werden. Salah weinte hemmungslos und hielt sich die Schulter, die er später in einer Schlinge trug. Bis zu seiner Auswechslung war Liverpool furios, danach… erstmal nicht mehr. Ob der Ägypter zur WM wieder fit werden wird? Liverpool-Trainer Jürgen Klopp bezweifelt es.

Pfiffe in Ronaldo-Qualität

Wenn man das Drama um Salah beschreibt, dann kommt man um das Schurkenstück nicht herum. Denn der Ausgangspunkt der Verletzung war ein Zweikampf mit Reals Bad Boy. Sergio Ramos, der Kapitän der Madrilenen, ist als harter und erfolgreicher Verteidiger bekannt - seine Sympathiewerte in der Fußballwelt halten sich hingegen in Grenzen. Die Pfiffe der Liverpooler Fans bei seiner Vorstellung hatten fast Ronaldo-Qualität. Nachdem er Salah um- und aus dem Spiel gerissen hatte, verpasste er Loris Karius noch einen Ellenbogenschlag und zeigte eine dreiste Schwalbe. Die Belohnung: eine weitere Trophäe im Schrank.

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Champions League: Eine Verletzung, zwei Patzer, drei Titel in Folge

So kommen wir zur Tragödie des Abends, dessen Protagonist Liverpool-Torhüter Karius war. Dem Keeper unterlief wenige Minuten nach dem Ramos-Schlag ein Fehler, der wohl in jedem Fußball-Slapstick-Zusammenschnitt vorkommen wird. Er hatte den Ball sicher aufgenommen und wollte ihn schnell nach rechts rauswerfen. Doch da stand Karim Benzema. Der Angreifer hielt seinen Fuß in den Wurf und der Ball trudelte ganz langsam ins Tor. Als Karius dann auch noch ein Schuss von Gareth Bale durch die Finger rutschte, war der Alptraum für ihn komplett.

Ronaldo von Fan gestoppt

Wie nah Freud und Leid doch beinander liegen! Ein gängiges Symbol für das Theater sind die lachende und die weinende Gesichtsmaske. Und so war es auch zwischen Real und Liverpool. Während Karius am Boden lag, drehte der überraschende Protagonist des Heldenepos ab. Gareth Bale hatte ja nicht nur das Flattertor zum 3:1 erzielt. Er brachte auch einen Fallrückzieher ins Ziel, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hatte. Perfekt getroffen, in den Winkel. Ein Traumtor - und das von einem Mann, der vor dem Finale in dieser Saison nur ein einziges Mal in der Champions League getroffen hatte.

Für einen hielt das Finale übrigens keine rechte Geschichte parat: Cristiano Ronaldo, der in dieser Saison oft mit seinen Toren Reals Erfolg sicherte, gelang im Finale - nichts. Einmal hielt Karius einen Kopfball, einmal wurde er abgegrätscht. Dann versuchte es Bale lieber selber, als auf ihn zu passen. Und dann lief auch noch ein Fan auf den Platz und verhinderte einen möglichen Treffer. Ronaldo wusste aber, wie er die Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte: Nebulös kündigte er einen möglichen Abschied von Real an. Was daraus wird? Fortsetzung folgt.

Das Leben schreibt die besten Geschichten, hieß es bislang.

Der Fußball schreibt bessere, muss es ab heute heißen.

insgesamt 111 Beiträge
roninger2000 27.05.2018
1. ¡Hala Madrid!
Glückwunsch, die beste Mannschaft der Welt hat verdient gewonnen. Eine Augenweide, jeder Spieler ist auf seiner Position überragend. Und zum Schluss noch ein kleiner Trost an alle Neider: Auch diese Serie wird einmal zu [...]
Glückwunsch, die beste Mannschaft der Welt hat verdient gewonnen. Eine Augenweide, jeder Spieler ist auf seiner Position überragend. Und zum Schluss noch ein kleiner Trost an alle Neider: Auch diese Serie wird einmal zu Ende gehen.
Teigkonaut 27.05.2018
2. unglaublich
Das Foul von Ramos wurde vom sogenannten Fernsehexperten Kahn als normaler Zweikampf herunter gespielt. Das fand ich eine empörende Verharmlosung eines brutalen Fouls in Rugby-Manier. In der Zeitlupe war eindeutig zu sehen wie [...]
Das Foul von Ramos wurde vom sogenannten Fernsehexperten Kahn als normaler Zweikampf herunter gespielt. Das fand ich eine empörende Verharmlosung eines brutalen Fouls in Rugby-Manier. In der Zeitlupe war eindeutig zu sehen wie Ramos sich einhakt und den Arm von Sarah auch nicht los ließ als beide zu Boden gingen. Hier habe ich mir den VB für zukünftige Spiele der UEFA gewünscht. Entschieden hat das Spiel neben der Auswechslung von Sarah auch die größere Qualität der Madrilenen auf der Bank. Wer einen G. Bale einwechseln kann ist privilegiert.
hachherje 27.05.2018
3. Und ich will nie mehr was von Bayern-Dusel hören...
2014 im Finale in 93.min ausgeglichen und in der Verlängerung gewonnen... 2016 im Finale im 11er-Schießen gewonnen 2017 im VF gegen Bayern 2x gg. 10 Mann und im Rückspiel mit vielen fragwürdigen Entscheidungen (u.a. [...]
2014 im Finale in 93.min ausgeglichen und in der Verlängerung gewonnen... 2016 im Finale im 11er-Schießen gewonnen 2017 im VF gegen Bayern 2x gg. 10 Mann und im Rückspiel mit vielen fragwürdigen Entscheidungen (u.a. Abseitstor Ronaldo) 2018 VF gg. Juve und der tolle 11m in der 93.min im Rückspiel, HF mit Blackout Ullrich und krassen Abwehrfehlern FCB, tja und das Finale gestern... Und bitte, nicht Argumente anführen (wenn der Gegner Fehler...), die man beim heimischen FCB nicht gelten lässt Andererseits ist es nunmal so, dass man in der subj. Wahrnehmung mehr Glück hat, desto erfolgreicher man ist... weil man halt öfter im Fokus und in den entspr. Situationen, wo es um Titel geht, steht! Aber der (intern.) Dusel Reals ist echt schon unheimlich... Und wenn Fussball wirklich gerecht ist, wars das jetzt erstmal für Real internatiinal für die nächsten Jahre... Wer's glaubt
labuday 27.05.2018
4. das Foul an Salah war brutaler Vorsatz - Ramos hatte den
Arm von Salah fest eingeklemmt. Das war schon fast kriminell. Da lohnt sich sicher die Video-Nachschau. Sperre bis zum Lebensende bringt aber nichts - dr ist eh am Ende.
Arm von Salah fest eingeklemmt. Das war schon fast kriminell. Da lohnt sich sicher die Video-Nachschau. Sperre bis zum Lebensende bringt aber nichts - dr ist eh am Ende.
Sepp1966 27.05.2018
5. Schon eigenartig.
Immer wenn Real Madrid auf einen harten Gegner trifft, werden Schlüsselspieler des Gegners durch brutale Fouls aus dem Spiel genommen oder so verletzt, dass sie nur mehr bedingt einsatzfähig sind. Robben beim FCB. Salah gestern. [...]
Immer wenn Real Madrid auf einen harten Gegner trifft, werden Schlüsselspieler des Gegners durch brutale Fouls aus dem Spiel genommen oder so verletzt, dass sie nur mehr bedingt einsatzfähig sind. Robben beim FCB. Salah gestern. Und immer mit dabei Ramos. Das Foul von Ramos an Salah war offensichtlich taktischer Natur und spielentscheidend.
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Jahr Verein
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2017 Real Madrid
2016 Real Madrid
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

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