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Drei Thesen zur Champions League

Schalkes Jubel wird nicht von Dauer sein

Gegen Galatasaray hat Schalke wieder zu sich selbst gefunden - was schon am Wochenende böse Folgen haben könnte. Und: Jürgen Klopp hat doch kein Rezept gegen defensive Teams.

REUTERS

Schalker Jubel gegen Galatasaray

Von und
Mittwoch, 07.11.2018   01:26 Uhr

1. Schalke ist wieder Schalke...

Gegen Galatasaray gewann Schalke 04 nur 46 Prozent der Zweikämpfe. Das klingt erst mal nicht ungewöhnlich, ist angesichts der von Trainer Domenico Tedesco etablierten "Malocher"-Mentalität doch überraschend. Warum Schalke Galatasaray 2:0 besiegte, wird erst auf den dritten Blick klar.

Schalke gewann zwar insgesamt weniger Zweikämpfe, war dafür aber in den wichtigen Zonen des Spielfelds erfolgreich. Die vier zentralen defensiven Spieler Benjamin Stambouli, Matija Nastasic, Salif Sané und Sebastian Rudy kamen zusammen auf über 77 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Zum Vergleich: Galatasarays vier zentrale defensive Spieler hatten eine Quote von nur knapp 55 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Tedescos Mannschaft gewann nicht die meisten direkten Duelle, dafür aber die wichtigen.

Dazu ist Schalke vor dem Tor endlich wieder so abgeklärt wie in der vergangenen Saison. Man muss sich nur Guido Burgstallers Tor zum 1:0 anschauen, als er dem herausstürmenden Fernando Muslera den Ball abnahm und aus spitzem Winkel aus der Drehung traf.

Getty Images

Mark Uth (Nummer sieben)

Auch das 2:0 zeugte von Coolness vor dem gegnerischen Tor. Mark Uth blieb alleine vor Muslera ruhig, legte sich den Ball auf den starken Fuß und schoss den Ball überlegt in die rechte Ecke. Schalke ist wieder Schalke.

2. … und verliert deswegen gegen Eintracht Frankfurt

Fünf Pflichtspiele hintereinander ist Schalke 04 wettbewerbsübergreifend ungeschlagen. In der Champions League sind die Gelsenkirchener auf Kurs Richtung Achtelfinale - das sie im DFB-Pokal bereits erreicht haben. Dazu kommt die stabile Defensive: In sechs der vergangenen neun Spiele kassierten sie keine Gegentreffer. Ist also der schlechte Saisonstart nun endgültig vergessen und Schalke für die nächste Zeit unschlagbar?

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Schalker Jubeltraube

Nein. Schon am kommenden Sonntag könnte die Mannschaft von Tedesco wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden - durch eine Niederlage bei Eintracht Frankfurt. In schöner Regelmäßigkeit nämlich beraubt sich Schalke der Früchte der eigenen Arbeit. Schon einmal hatte Schalke in dieser Saison drei Siege in Folge eingefahren - nur um dann in der Liga 0:2 gegen Werder Bremen zu verlieren. Selbst in der Vizemeister-Vorsaison gab es in der Hinrunde nie mehr als drei Siege in Serie.

Schalke winkt bei einem Erfolg bei der Eintracht der Sprung ins mittlere Tabellendrittel, doch das wird die Elf von Trainer Adi Hütter wohl zu verhindern wissen. Mit Frankfurt wartet nämlich die Mannschaft der Stunde: Nach zuletzt sechs Siegen aus sieben Spielen ist das Selbstvertrauen von Frankfurt um ein Vielfaches größer als das der Schalker, die sich durch Gegentreffer nur zu gerne aus der Bahn bringen lassen. Dass Frankfurt in dieser Spielzeit zu den angriffsstärksten Teams in der Bundesliga zählt, kann da als schlechtes Omen gedeutet werden.

3. Klopp hat doch kein Mittel gegen tiefstehende Gegner

Jürgen Klopp ist einer der besten Trainer der Welt. Den FC Liverpool führte er, wie auch Borussia Dortmund, in das Finale der Champions League. Gegen namhafte Gegner gibt es oft große Spektakel der Klopp-Teams. Eine Schwäche in Klopps System ist aber so offensichtlich wie altbekannt: Das Spiel gegen tiefstehende Gegner.

AP

Jürgen Klopp (links)

Klopps Idee vom Fußball ist es, die gegnerische Mannschaft hohem Druck auszusetzen, so den Ball zu gewinnen und blitzschnell umzuschalten. Das Problem dabei: Was ist, wenn Mannschaften gar nicht so weit aus ihrer Hälfte rücken, dass Mohamed Salah, Sadio Mané und Co. sie überlaufen können? Dann müssen Alternativen her.

In Liverpool schien es, als hätte Klopp solche Alternativen gefunden. Schien: Denn gegen Roter Stern Belgrad, die mit zwei defensiven Viererketten agierten, gab es einen Rückfall in alte Zeiten. Nur vier Schüsse auf das gegnerische Tor brachte Liverpool in Belgrad zustande. Das ist eines Champions-League-Finalisten nicht würdig.

insgesamt 2 Beiträge
pjotrmorgen 07.11.2018
1. Mit an Unsicherheit grenzende Unwahrscheinlichkeit
Seltsam wie überzeugt die Autoren von einer Niederlage Schalkes gegen Frankfurt sind. Es wird auf eine Parallele zu Spielen früher in der Saison gesetzt, obwohl doch klar sein müsste, dass Tedesco relativ viele Neuzugänge ins [...]
Seltsam wie überzeugt die Autoren von einer Niederlage Schalkes gegen Frankfurt sind. Es wird auf eine Parallele zu Spielen früher in der Saison gesetzt, obwohl doch klar sein müsste, dass Tedesco relativ viele Neuzugänge ins Team einbauen musste. Dass es da nicht von Anfang an rund läuft, müsste doch auch Sportjournalisten in den Sinn kommen. Gerade die Defensivabteilung profitiert nun davon, dass Sane und Rudy besser eingespielt sind, zudem trifft nun Uth endlich ins Tor! Es gibt keinen Grund weshalb die Mannschaft nun plötzlich wieder einbrechen sollte. Übrigens gibt es im Fussball nicht nur Sieg oder Niederlage, ein Unentschieden ist nicht so unwahrscheinlich, siehe auch die sehr ausgeglichenen Wettquoten.
sh.stefan.heitmann 07.11.2018
2.
Es gibt keinen Grund weshalb die Mannschaft nun plötzlich wieder einbrechen sollte: Der wurde doch genannt, weil es halt Schalke ist!
Zitat von pjotrmorgenSeltsam wie überzeugt die Autoren von einer Niederlage Schalkes gegen Frankfurt sind. Es wird auf eine Parallele zu Spielen früher in der Saison gesetzt, obwohl doch klar sein müsste, dass Tedesco relativ viele Neuzugänge ins Team einbauen musste. Dass es da nicht von Anfang an rund läuft, müsste doch auch Sportjournalisten in den Sinn kommen. Gerade die Defensivabteilung profitiert nun davon, dass Sane und Rudy besser eingespielt sind, zudem trifft nun Uth endlich ins Tor! Es gibt keinen Grund weshalb die Mannschaft nun plötzlich wieder einbrechen sollte. Übrigens gibt es im Fussball nicht nur Sieg oder Niederlage, ein Unentschieden ist nicht so unwahrscheinlich, siehe auch die sehr ausgeglichenen Wettquoten.
Es gibt keinen Grund weshalb die Mannschaft nun plötzlich wieder einbrechen sollte: Der wurde doch genannt, weil es halt Schalke ist!

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