Sport

Özil-Debatte

Özdemir wirft DFB Feigheit vor

Cem Özdemir hat sich in die Debatte um Mesut Özil und die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan eingeschaltet. Der Grünen-Politiker wirft dem DFB "verbandsinterne Feigheit" vor.

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Cem Özdemir

Mittwoch, 11.07.2018   13:49 Uhr

Grünen-Politiker Cem Özdemir hat das Vorgehen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Debatte um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan kritisiert. Der Grünen-Politiker warf dem DFB "verbandsinterne Feigheit" vor.

"Statt sich jetzt entschlossen gegen die leider auch eindeutig rassistisch grundierte Kritik zu stemmen, hauen die Protagonisten Grindel und Bierhoff noch tiefer in die Kerbe der Özil-Kritik", sagte Özdemir der "Zeit": "Das Foto mit Erdogan war ein schwerwiegender Missgriff." Aber Özils "unmögliches Agieren" entschuldige in keiner Weise das Verhalten des DFB. Seit Wochen werde Özil zu einem Sündenbock gemacht.

Nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft hatte Bierhoff in der vergangenen Woche angedeutet, dass man vor dem Turnier in Russland die Nominierung Özils hätte überdenken müssen. Das sorgte für erneute Diskussionen.

Mertesacker nimmt Özil in Schutz

Noch-Weltmeister Per Mertesacker kritisierte den Umgang mit Özil nach dem WM-Desaster. "Alles an seiner Person festzumachen, ist falsch", sagte der Ex-Hannoveraner und Bremer zu NDR 2.

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

Mertesacker weiter: "Ich glaube, es ist ganz gut, dass er jetzt im Urlaub ist, dass er mal zurückblicken kann. Ich denke, da ist er auch schon sehr selbstkritisch mit sich und kann das gut einschätzen."

Der ehemalige England-Legionär war beim SV Werder und dem FC Arsenal Teamkollege von Özil. Er hat sich als Gesprächspartner angeboten: "Er weiß, dass er mich jederzeit anrufen und auf mich zählen kann. Wir haben so lange zusammengespielt und so viele tolle Sachen erlebt."

Cacau: "Das Ganze war ein Eigentor von Mesut"

Der ehemalige Nationalspieler Cacau hofft, dass die Integrationsarbeit des Fußballs im Zuge der Diskussion um die Erdogan-Fotos keinen Schaden nimmt. "Es gibt im Amateurbereich so viele Menschen, die sich engagieren, die sich zu Deutschland bekennen und einfach anpacken", sagte der Integrationsbeauftragte des DFB der "Welt".

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Ex-Nationalspieler Cacau

"Es ist eine Situation entstanden, die die Menschen sehr bewegt, und man muss die Meinungen an der Basis, gerade wenn sie kontrovers sind und vielleicht nicht das sind, was man sich wünscht, trotzdem ernst nehmen", wird Cacau zitiert.

Über Özil und die Fotos sagte er: "Das Ganze war ein Eigentor von Mesut. Das darf man als Nationalspieler vor einer WM nicht machen. Leider hält die Diskussion darüber immer noch an, und es ist schade, dass dabei teilweise die Sachlichkeit verloren gegangen ist."

Der 37 Jahre alte gebürtige Brasilianer hat seit 2009 die deutsche Staatsbürgerschaft und spielte 23 Mal für die Nationalmannschaft.

als/sid

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