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Bayern München prüfte Ausstieg aus Bundesliga und Champions League

Der FC Bayern München ließ 2016 prüfen, ob er die Bundesliga verlassen könnte. Geplant war die Gründung einer internationalen "Super League". Jetzt taucht ein Dokument auf, wonach diese Liga schon bald Wirklichkeit werden könnte.

REUTERS/ New Pool/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

FC-Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge

Freitag, 02.11.2018   18:02 Uhr
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Der deutsche Rekordmeister Bayern München beauftragte 2016 die internationale Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb zu prüfen, unter welchen Umständen der Verein die Bundesliga und die Champions League verlassen könnte.

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Heft 45/2018
Der Verrat
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Dabei wurden konkrete Fragen erörtert, wie beispielsweise, ob Bayern München weiterhin Nationalspieler abstellen müsste oder die nationalen und internationalen Verbände den Verein für seinen Ausstieg aus den Wettbewerben haftbar machen könnten. Den Auftrag an die Kanzlei erteilte Michael Gerlinger, Chefjustiziar des FC Bayern München, der 2016 in einer Art Geheimbund mit sechs weiteren Großklubs Pläne für die Gründung einer eigenen Super League erarbeitete.

Dieses Drohszenario der europäischen Topklubs für einen Ausstieg aus den etablierten Wettbewerben konnte der europäische Dachverband Uefa lediglich verhindern, indem er den Spitzenvereinen ab der Champions-League-Saison 2018/19 deutlich mehr Geld und Macht zugestanden hat.

Das geht aus einem Datensatz hervor, den die Enthüllungsplattform Football Leaks dem SPIEGEL zugespielt hat. Das Hamburger Nachrichtenmagazin teilte die über 70 Millionen Dokumente mit dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC). 80 Journalisten aus 15 europäischen Medienhäusern werteten die Dokumente acht Monate lang aus.

Weiteres wahrscheinliches Szenario

Dass das Super-League-Thema weiterhin präsent ist, zeigt der Entwurf einer "bindenden Absichtserklärung", der am 22. Oktober dieses Jahres von der Firma Key Capital Partners an Real Madrids Präsidenten Florentino Pérez geschickt wurde. Wenn alles so kommen sollte, wie es in dem "Binding Term-Sheet" steht, wird es die Champions League von 2021 an nicht mehr geben. Stattdessen würden sich die elf wichtigsten Vereine des Kontinents von der Uefa lossagen und eine neue Eliteklasse gründen, die sich "European Super League" nennt. Die elf "Gründer" könnten nicht absteigen, sie wären 20 Jahre lang dabei. Weitere fünf Klubs würden als "Anfängliche Gäste" mitaufgenommen, so dass die neue Königsklasse aus 16 Mannschaften bestünde.

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In dem Papier wird der FC Bayern München als einer der "Gründer" genannt, Borussia Dortmund ist als einer der "Anfänglichen Gäste" vorgesehen. Auch die möglichen Geschäftsanteile an einer gemeinsamen "European Super League"-Firma sind in dem Papier bereits angegeben. Bayern München wäre demnach mit 8,29 Prozent der viertgrößte Aktionär.

Das Projekt, so steht es in dem Papier, unterliege höchster Geheimhaltung. Als Datum für die Unterschrift der 16 Klubvertreter unter das "Binding Term-Sheet" ist November 2018 vorgesehen, nur der konkrete Tag ist noch offen gehalten.

"Vertrauliche Gespräche"

Auf Anfrage wollten weder Real Madrid, die Firma Key Capital Partners, noch Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das konkrete Papier kommentieren. Dass es aber aktuell Gespräche über eine Super League gäbe, "das ist klar, und ich glaube auch, dass ein paar der großen Klubs Europas da deutlich dran stricken", sagt Watzke. Allerdings seien diese Pläne wohl noch "nicht sehr konkret". Dies hänge auch mit einer entscheidenden Frage zusammen: Soll die Super League zusätzlich zur oder anstelle der Bundesliga stattfinden. "Das ist die Brandmauer", sagt Watzke, "so lange ich hier Verantwortung trage, wird der BVB die Bundesliga nicht verlassen". Darüber hinaus müsse sich die Borussia aber "alle Optionen aufhalten". Denn wenn es einmal zu einer Super League kommen sollte, "dann würde das nicht ohne den BVB gehen".

Michael Gerlinger und Karl-Heinz Rummenigge ließen eine schriftliche Anfrage zu den neuen Super-League-Plänen und zu den Absprachen des Geheimbundes vom Mediendirektor des FC Bayern München beantworten: "Weder die Existenz, noch der Inhalt" des Entwurfs des "Binding Term-Sheet" sei dem Rekordmeister bekannt, man nehme zudem "zu vertraulichen Gesprächen grundsätzlich keine Stellung".

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insgesamt 22 Beiträge
Bueckstueck 02.11.2018
1. Klingt doch erstmal nett
Ein Wettbewerb bei dem quasi die Gruppenphase mit dem "Beigemüse" übersprungen wird. Blöd halt nur für das Beigemüse und sicher auch für den Interessierten Zuschauer der sich auch dafür kein PayTV leisten möchte, [...]
Ein Wettbewerb bei dem quasi die Gruppenphase mit dem "Beigemüse" übersprungen wird. Blöd halt nur für das Beigemüse und sicher auch für den Interessierten Zuschauer der sich auch dafür kein PayTV leisten möchte, obwohl öffentlich Rechtliche und Private sicher mehr interesse an einem hochklassigen Wettbewerb hätten, bei dem sie nicht auch Gurkenpaarungen mitbezahlen müssten. Mal sehen was daraus wird.
phboerker 02.11.2018
2. Sollen sie doch...
Sollen die Geldsäcke doch ihre eigene Super-Duper-Liga machen. Meinetwegen auch eigene Regeln (z.B Viertel statt Halbzeiten für zusätzliche Werbeblöcke). Und keine Nationalspieler abstellen müssen. Das erledigt sich dann [...]
Sollen die Geldsäcke doch ihre eigene Super-Duper-Liga machen. Meinetwegen auch eigene Regeln (z.B Viertel statt Halbzeiten für zusätzliche Werbeblöcke). Und keine Nationalspieler abstellen müssen. Das erledigt sich dann alles von ganz alleine...
Rapporteur 02.11.2018
3. Noch schneller ginge es, wenn...
...sie keine Nationalspieler mehr abstellen dürften, was ja nur folgerichtig wäre, wenn sie aus den Verbandsstrukturen aussteigen. Da wäre ich gespannt, wieviele Profis die Bayern noch einsammeln können, wenn diese auf [...]
Zitat von phboerkerSollen die Geldsäcke doch ihre eigene Super-Duper-Liga machen. Meinetwegen auch eigene Regeln (z.B Viertel statt Halbzeiten für zusätzliche Werbeblöcke). Und keine Nationalspieler abstellen müssen. Das erledigt sich dann alles von ganz alleine...
...sie keine Nationalspieler mehr abstellen dürften, was ja nur folgerichtig wäre, wenn sie aus den Verbandsstrukturen aussteigen. Da wäre ich gespannt, wieviele Profis die Bayern noch einsammeln können, wenn diese auf einen potenziellen Weltmeistertitel verzichten müssen.
mwroer 03.11.2018
4.
Bevor jetzt hier wieder einige anfangen zu meckern: Ich möchte darauf hinweisen, auch SPON (!), das negative Berichterstattung über Bayern seit der letzten Pressekonferenz verboten ist. Menschenrechte und so! Also Burschen [...]
Bevor jetzt hier wieder einige anfangen zu meckern: Ich möchte darauf hinweisen, auch SPON (!), das negative Berichterstattung über Bayern seit der letzten Pressekonferenz verboten ist. Menschenrechte und so! Also Burschen - haltet Euch zurück!
Sal.Paradies 03.11.2018
5. Mia san mia
Netter Versuch von Hr.Rummenigge, womit er dankenswerterweise ein sehr deutliches Bild des FCB nach aussen malt, mit wem und was wir es hier zu tun haben. Von wegen Solidarität. Schmarrn. Rummenigge+Hoeneß wollten schon immer [...]
Netter Versuch von Hr.Rummenigge, womit er dankenswerterweise ein sehr deutliches Bild des FCB nach aussen malt, mit wem und was wir es hier zu tun haben. Von wegen Solidarität. Schmarrn. Rummenigge+Hoeneß wollten schon immer hoch hinaus, eben immer ein Stück höher und besser als ihre Mitbewerber. Da möchte jemand halt immer was "besonderes" sein. Und warum machen die das? Weil Seelenverkäufer wie K.H.Rummenigge die eigenen Leute hinter sich wissen. Die wissen, dass ein großer Teil der Münchner-Anhängerschaft ein Event-Publikum ist. Menschen die halt "Show" bevorzugen. So eine Art moderner Zirkus Sarrasani. Ansonsten würden die das nie riskieren, weil die eigenen Fans eine Welle machen und die Großkopfeten aus dem Amt spülen würden. Ein Aki Watzke würde so etwas niemals wirklich in Erwägung ziehen, was er übrigens auch schon explizit öffentlich äusserte, solange er im Amt ist. Nur mal vorab, weil es hier Stimmen gibt, die den BVB denselben Verrat vorwerfen wollen. Vergesst es, liebe Leute. Der BVB und Anhang ticken da völlig anders. Wir wollen ein Derby gegen Schalke und keine wöchentlichen Fernreisen nach Madrid/Barcelona/Turin/Paris, etc...! Diesen Ausverkauf "unseres" Sports würden wir niemals ohne Revolte hinnehmen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche und ein Joachim Watzke würde so ein Ansinnen sein Amt kosten ! Seht ihr nicht "wen" ihr da als Führungspersonen habt? Ein U.Hoeneß, der, obwohl längst Millionär, sich nochmals XX-Millionen leiht, damit er an der Börse zocken und noch mehr Millionen bekommt?! Ist es da ein Wunder, dass solche Menschen den deutschen Fussball, also die Bundesliga, verraten wollen? Keine Nationalspieler mehr abstellen müssen? Gerade der Verein, da ja faktisch jeden Nationalspieler kauft der in Deutschland spielt? Und geplant von Menschen die selbst viele Jahre für die N11 spielten und von ihr prächtig partizipierten? Pfui Deubel kann ich da nur sagen. Dann nehmt halt euren "besseren" Verein samt Event-Publikum und spielt in eurer eigenen künstlichen/europäischen Liga. Eure "Fans"lieben das. Dann können die jedes Jahr die bessseren Shopping-Mal`s in Paris/Mailand/London besuchen und alle freut`s euch. Heute wird auch (mal) wieder klar, warum ich BVB und kein FCB-Fan bin oder sein kann. Mit einem Verein, der sich permanent überhöht und was besseres sein möchte, kann ich nix anfangen. Den könnt ihr sehr gerne behalten, euren "europäischen" Top-Club......

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