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Bayern und der Fall Kovac

Hoeneß ist doch noch der Alte

Vor und nach dem klaren Sieg gegen Borussia Mönchengladbach ging es beim FC Bayern vor allem um die Causa Niko Kovac. Präsident Uli Hoeneß lief dabei zu alter Form auf.

DPA

Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge

Aus München berichtet Christoph Leischwitz
Sonntag, 15.04.2018   07:48 Uhr

Spannungsabfall. Das ist die einzige Sorge, die der FC Bayern aktuell hat. Unter Trainer Josep Guardiola war der Verein gleich mehrmals heimgesucht worden von diesem Problem: Wenn die Mannschaft mal wieder sehr früh Deutscher Meister wurde, dann schied sie regelmäßig im Halbfinale der Champions League aus.

Auch am Samstag, im Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach, wirkte es in den ersten 15 Minuten, als würde den Bayern die nötige Spannung fehlen. Vor einer Woche hatte der FCB in Augsburg die Meisterschaft perfekt gemacht. Und nun ließ Niklas Süle sich vor dem 0:1 von Josip Drmic (9. Minute) düpieren, der Feintechniker Thiago spielte unerklärliche Fehlpässe und Joshua Kimmich rutschte bei der Ballannahme aus.

Trotzdem stand am Ende ein souveräner 5:1-Sieg. Nach der schwachen Anfangsphase machten die Bayern ihr Ding und drängten die hoffnungslos unterlegene Borussia in die Defensive. Alle sportlichen Sorgen waren vergessen und so war die Bühne frei für das wirklich große Thema an der Säbener Straße. Hier konnte von einem Spannungsabfall im Verein keine Rede mehr sein.

Salihamidzic lässt viele Fragen zu Kovac offen

Es lief ähnlich ab wie auf dem Rasen: Zu Beginn hatte der FC Bayern ein rätselhaft schwaches Bild abgegeben. Sportdirektor Hasan Salihamidzic hatte sich beim TV-Sender Sky einem Interview gestellt, weil das Bekanntwerden der Verpflichtung von Niko Kovac als Nachfolger von Jupp Heynckes so viel Begleitmusik erfahren hatte. Dessen aktueller Arbeitgeber Eintracht Frankfurt, in Person von Sportvorstand Fredi Bobic, hatte den Bayern schlechten Stil und unprofessionelles Verhalten vorgeworfen. Sie machten eben "ihr Ding".

Salihamidzic versuchte, seine Antworten zu strukturieren: erstens, zweitens, drittens. Doch am Ende blieben mehr offene als beantwortete Fragen. Vielleicht auch deshalb fühlten sich die Vereinsbosse nach dem Spiel bemüßigt, selbst etwas zum Thema zu sagen. Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nutzen alle erdenklichen Kanäle, und plötzlich standen sie dann auch noch zu zweit in der Interviewzone - was sonst so gut wie nie passiert. Ganz offensichtlich wollten sie Geschlossenheit und Souveränität demonstrieren.

"Dass aus dieser eigentlich großzügigen Geste ein Bumerang gemacht wird, das verstehen wir überhaupt nicht", sagte Hoeneß. Eigentlich habe man Eintracht Frankfurt einen Gefallen tun wollen, indem man so schnell wie möglich Bescheid gibt, dass man Kovac wegkauft - so habe der Verein mehr Zeit, einen Nachfolger zu suchen. Man habe sich auch lange darüber unterhalten, wann man in Frankfurt Bescheid gibt. Und Niko Kovac habe dann darum gebeten, es als Erster seinem Freund Bobic sagen zu können.

Hoeneß: "Wir haben uns sehr professionell verhalten"

Abgesehen davon, dass beim FC Bayern ein großes Bedürfnis nach Rechtfertigung in dieser Angelegenheit bestand, ging vor allem Hoeneß so sehr in die Offensive wie schon lange nicht mehr. Auch der 66-Jährige wählte "erstens, zweitens, drittens". Er nannte, als sei es abgesprochen, dieselben Gründe wie wenige Stunden zuvor Salihamidzic. Aber sehr, sehr viel deutlicher.

"Erstens: Wir haben uns sehr professionell verhalten. Wir haben eine Lücke im Vertrag mit Niko Kovac, den er (Bobic, d. Red.) gemacht hat, ausgenutzt. Und das ist sehr professionell." Bobic hingegen habe sich "ziemlich unverschämt" verhalten. "Zweitens" betraf den Zeitpunkt der Mitteilung an Frankfurt, "drittens" lautete bei Hoeneß schlicht: "Wir haben die Presse nicht informiert."

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Bundesliga: Der doppelte Wagner

Bei Sky kolportierte Hoeneß zu einem Treffen mit Kovac vor zwei Wochen: "Wir haben uns mit Niko Kovac rein zufällig bei einem Abendessen beim 60. Geburtstag meines Fahrers, einem Kroaten, getroffen. Das war bei einem Italiener im Umkreis der Stadt München. Dass wir da Vertragsverhandlungen führen, ist abwegig." Er habe erst am Morgen durch seine Frau zufällig erfahren, dass auch Kovac Gast auf der Feier sei.

Was er denn zu Niko Kovacs Trainerqualitäten sage? "Wir brauchen jetzt keine Arbeitsplatzbeschreibung zu machen, wir haben uns dafür entschieden, basta." Im Übrigen wolle er da noch etwas klarstellen: Man habe sich in den vergangenen Monaten nie auf einer verzweifelten Suche befunden, sagte Hoeneß. Er und Rummenigge hätten auch bei Thomas Tuchel nur um ein Gespräch gebeten, sie hätten zu diesem Zeitpunkt kein Vertragsangebot gemacht. Danach habe man sich einstimmig, auf der Basis eines Konzepts von Sportdirektor Salihamidzic, für Kovac entschieden.

Vertragsangebote für Robben und Ribéry

Es hätte um so viele sportliche Themen gehen können an diesem Abend. Man hätte über den Doppeltorschützen Sandro Wagner sprechen können, der nun acht Tore in zwölf Spielen erzielt hat und sich sicher ist, dass er mit zur WM fahre. Über Jupp Heynckes, der endgültig zum letzten Mal gegen seinen früheren Klub antrat. Über das Champions-League-Hammerlos Real Madrid. Oder über das anstehende Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen.

Ganz nebenbei wurde auch noch bekannt, dass der Verein Arjen Robben und Franck Ribéry Vertragsangebote für ein weiteres Jahr gemacht habe, auf diese müssten die beiden Altstars nun reagieren. Doch die Bayern-Verantwortlichen selbst suchten die Aufmerksamkeit in der Causa Kovac.

Eine Frage beantwortete übrigens niemand: Wann wurde Kovac das erste Mal kontaktiert? "Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft", sagte Hoeneß bei Sky. Spätestens in diesem Moment war Uli Hoeneß wieder ganz der Alte.

insgesamt 113 Beiträge
kopi4 15.04.2018
1. erstens zweitens drittens
1.Sie haben Frankfurt einen Gefallen getan? Auf diese Begründung muß man erstmal kommen.Hoeneß erwartet Dankbarkeit wenn er sich bei den anderen Bundesligisten bedient.Die hat er sicher auch beim Hoffenheim [...]
1.Sie haben Frankfurt einen Gefallen getan? Auf diese Begründung muß man erstmal kommen.Hoeneß erwartet Dankbarkeit wenn er sich bei den anderen Bundesligisten bedient.Die hat er sicher auch beim Hoffenheim (Rudy,Süle,Wagner),Dortmund (Lewandowski,Götze,Hummels) und Schalke (Neuer,Goretzka) schmerzlich vermißt. 2.bestünde Hoffnung wenn Hönigge tatsächlich ein Konzept des Frühstücksdirektors Hasan Salihamidzic ernsthaft umsetzen würden. 3.ist Uli tatsächlich mit einem eigenen Fahrer aus Kroatien unterwegs? Wenn ja:warum? Ist der Führerscheinentzug schon Teil der Bewährungsauflagen für rechtskräftig verurteilte Steuerhinterzieher? Oder nur für solche deren Unrechtsbewußtsein nicht vorhanden ist?
damp2012 15.04.2018
2. Noch einmal und für alle...
... zum Mitschreiben: Menschen ändern sich nicht!
... zum Mitschreiben: Menschen ändern sich nicht!
wokri 15.04.2018
3. Jaja zufällig....
So rein zufällig auf dem Geburtstags seines Fahrers. Herr Hoeneß hat schon bei seiner Verurteilung gelogen, warum sollte man ihm nun glauben, er ist ganz der Alte. Naja wie auch immer ich hoffe Madrid versohlt den Bayern so [...]
So rein zufällig auf dem Geburtstags seines Fahrers. Herr Hoeneß hat schon bei seiner Verurteilung gelogen, warum sollte man ihm nun glauben, er ist ganz der Alte. Naja wie auch immer ich hoffe Madrid versohlt den Bayern so richtig den A.... im übrigen wird Kovac doch sehr sehr überschätzt.
hnf0506 15.04.2018
4. Interessant zu wissen........
.... wäre doch, woher der FCB wusste, dass Kovac eine Ausstiegsklausel hat. Das können doch nur Kovac oder sein Berater ausgeplaudert haben. Warum fragt das eigentlich niemand die Beteiligten, weder hier im Artikel noch [...]
.... wäre doch, woher der FCB wusste, dass Kovac eine Ausstiegsklausel hat. Das können doch nur Kovac oder sein Berater ausgeplaudert haben. Warum fragt das eigentlich niemand die Beteiligten, weder hier im Artikel noch gestern Buchler (ZDF) im Interview mit Rummenigge?
Heinrichxxx 15.04.2018
5.
„Wir machen ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann“, Pate Hoeneß hat gelernt in der Haft...
„Wir machen ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann“, Pate Hoeneß hat gelernt in der Haft...

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