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Fifa-Chef Blatter

Suspendiert - und trotzdem gewonnen

Blatter, Platini - beide Verbandsbosse sind gesperrt: Das war überfällig, abgeschlossen ist die Aufklärung damit aber noch lange nicht. Wie geht es weiter mit der Fifa? Der Überblick.

Foto: DPA
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Donnerstag, 08.10.2015   18:32 Uhr

So merkwürdig das klingt, aber ein Sieger des Tages ist der suspendierte Joseph Blatter.

Denn durch den Beschluss der hausinternen Ethikkommission sind zwei Kandidaten für die Fifa-Präsidentschaft verhindert worden, so wie es der Schweizer wollte: Michel Platini und Chung Mong-Joon.

Das Verdikt der rechtsprechenden Ethikkammer, die vom deutschen Richter Hans-Joachim Eckert geleitet wird, ist einmal mehr merkwürdig. Das gesamte Verfahren bleibt dubios, denn gleiches Recht gilt in der Fifa unter Richter Eckert nicht für alle Funktionäre.

Warum Blatter nicht für die gesamte Zeit des Strafverfahrens suspendiert wurde, das in einen Strafprozess münden könnte, ist schwer nachzuvollziehen. So könnte der Fifa-Chef im Januar in sein Amt zurückkehren. Ausgeschlossen ist das keineswegs. Allerdings könnten weitere Enthüllungen Blatters schleichenden Abschied aus dem Home of Fifa finalisieren.

Diejenigen Fifa-Bosse und Manager, die Ende Mai in Zürich verhaftet und von der US-Justiz angeklagt worden sind, hatte die Ethikkammer übrigens noch am selben Tag suspendiert. Es dauerte nur wenige Stunden, bis Eckerts vorläufiger Richterspruch schriftlich verbreitet wurde.

Bei Valcke und Blatter dauerte es Wochen, die Entscheide liegen noch nicht vor, verbreitet wurde lediglich eine dürre Meldung, die auf "Vertraulichkeit" verweist. Wichtige Fragen dazu blieben von der Ethikkommission bislang unbeantwortet. Unabhängigkeit und Transparenz dieser Ethikkommission müssen einmal mehr in Zweifel gezogen werden.

Was ist am Donnerstag passiert im Königreich Fifa? Was ändert sich durch einen Beschluss der sogenannten Ethikkommission?

Doch selbst, wenn Chung kneifen sollte: der Zerfall jener korrupten Fifa-Strukturen, die unter Blatters maßgeblichem Einfluss 40 Jahre reifen konnten, ist nicht mehr aufzuhalten.

Der Fifa-Skandal

insgesamt 31 Beiträge
jungletiger9 08.10.2015
1. Implosionsreste
"der Zerfall jener korrupten Fifa-Strukturen, die unter Blatters maßgeblichem Einfluss 40 Jahre reifen konnten, ist nicht mehr aufzuhalten" - jein. Die Fifa ist aus sich heraus nicht reformierbar. Da gibt es die ganz [...]
"der Zerfall jener korrupten Fifa-Strukturen, die unter Blatters maßgeblichem Einfluss 40 Jahre reifen konnten, ist nicht mehr aufzuhalten" - jein. Die Fifa ist aus sich heraus nicht reformierbar. Da gibt es die ganz korrupten und jene, die ihr Faehnlein nach dem Wind haengen. Wirkliches Vertrauen kann man nur in wenige haben, zuvorderst zu den Briten. Und diese sind weit davon entfernt, fuer Ihre Anliegen einen signifikanten Anteil der Funktionaere zu gewinnen. Die Uefa hat seit der Abwahl Johanssons keine weisse Weste mehr. Niersbach ist wohl eher zur Gruppe der Opportunisten und Getreuen. Eine Art Papst Franziskus der Fifa, der ihr neues Leben einhauchen koennte, ist weit und breit nicht in Sicht.
stanzer 08.10.2015
2. Zu viel Geld, zu viel Macht, Fußball?
Es geht nicht um Fußball. Es geht nur um Geld, Bereicherung und Korruption. Ob national oder international mit Sport hat das wenig zu tun
Es geht nicht um Fußball. Es geht nur um Geld, Bereicherung und Korruption. Ob national oder international mit Sport hat das wenig zu tun
Preppy 08.10.2015
3. Warum
Warum Blatter erst jetzt suspendiert wurde? Ganz einfach: Er wurde jetzt für 90 Tage suspendiert. Nach diesen 90 Tagen kann die Suspendierung aber nochmal für maximal 45 Tage verlängert werden, und genau so wird es auch [...]
Warum Blatter erst jetzt suspendiert wurde? Ganz einfach: Er wurde jetzt für 90 Tage suspendiert. Nach diesen 90 Tagen kann die Suspendierung aber nochmal für maximal 45 Tage verlängert werden, und genau so wird es auch kommen. Damit endet die Suspendierung am 20.02.2016, also direkt vor Blatters Abgang. Die wieder einmal höchst zwielichtig handelnde Ethikkommission hat Blatter also einfach bis zu seinem Abgang kaltgestellt - was andererseits nahelegt, dass es keine echten Beweise für Blatters Schuld gibt und es somit auch keinen rechtsstaatlichen Prozess gegen ihn geben wird.
stefan.martens.75 08.10.2015
4. Das peinlichste an der Sache bleibt
das ausgerechnet die US-Justiz diesen Sumpf ausgetrocknet hat. Obwohl es seit Jahrzehnten deutliche Hinweise und ganze Buecher ueber das System Blätter gibt. Eine Schande fuer unsere Justiz in Europa.....
das ausgerechnet die US-Justiz diesen Sumpf ausgetrocknet hat. Obwohl es seit Jahrzehnten deutliche Hinweise und ganze Buecher ueber das System Blätter gibt. Eine Schande fuer unsere Justiz in Europa.....
xaka 08.10.2015
5. Keine Strafe ohne Gesetz ...
Es müssen nationale Gestze in Kraft sein, damit ein solcher Korruptionssumpf trocken gelegt werden kann. Gesetze wirken nach dem Territorialprinzip und die Schweiz sah bislang davon ab, Sportverbände justiziabel wie [...]
Zitat von stefan.martens.75das ausgerechnet die US-Justiz diesen Sumpf ausgetrocknet hat. Obwohl es seit Jahrzehnten deutliche Hinweise und ganze Buecher ueber das System Blätter gibt. Eine Schande fuer unsere Justiz in Europa.....
Es müssen nationale Gestze in Kraft sein, damit ein solcher Korruptionssumpf trocken gelegt werden kann. Gesetze wirken nach dem Territorialprinzip und die Schweiz sah bislang davon ab, Sportverbände justiziabel wie Wirtschaftsunternehmen zu behandeln. Auch aus nicht ganz uneingennützigen Gründen, spülen die vielen Weltverbände, die in der Schweiz ihren Sitz haben, nicht gerade wenig Geld in die Kassen der Eidgenossen. Die Schweiz hat da bisher eine sehr pragmatische Auffassungen von Finanz- Steuer- und Korruptionsverfolgung, oder besser gesagt, die Vermeidung der Verfolgung, an den Tag gelegt.

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