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Thesen zum Turnierstart

Verteidiger aufgepasst - es wird die WM der Dribbler!

Wer wird der Shootingstar der WM? Warum freuen sich diesmal alle über den Videobeweis? Warum sitzt Jérôme Boateng nur auf der Bank? Und warum sind diesmal Dribbler so wertvoll? Unsere Thesen zur WM.

REUTERS

Neymar beim Dribbling gegen Kroatien

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Donnerstag, 14.06.2018   17:21 Uhr
Getty Images

Neymar

1) Dribblings können die WM entscheiden

Erinnern Sie sich noch an all die wundervollen Spielzüge bei der EM 2016 in Frankreich? Nein? Stimmt, da war fast nichts, keine Offensivfeste, keine Tricks, die es zu YouTube geschafft haben. 2,12 Tore pro Spiel fielen damals, so wenige hatte es zuletzt 1996 gegeben. Der Grund: Selbst Außenseiter wie Albanien oder Nordirland beherrschen mittlerweile die Defensivkunst, sei es durch eine gute Ordnung auf dem Feld, sei es durch Manndeckungen.

Für das angreifende Team war es schwer, zu treffen. Muster einzustudieren braucht Zeit, das gilt auch fürs Spielverständnis der Profis untereinander. Spieler und Trainer sind jedoch rund um ein Turnier nur kurz beisammen. Umso wichtiger wird in Russland daher eine Fähigkeit, die oft als effekthaschend abgetan wird: das Dribbling.

Spieler, die aus dem Stand beschleunigen und Verteidiger stehen lassen können, werden gegen stabile Abwehrreihen zum Schlüssel. Philippe Coutinho und Neymar bei Brasilien, Lionel Messi bei Argentinien, Spaniens Isco, Belgiens Eden Hazard, auf sie wird es ankommen. Die WM könnte zum Turnier der Dribbelstars werden.

Bundestrainer Joachim Löw dürfte das allerdings anders sehen. Sonst hätte er in Leroy Sané seinen besten Dribbler wohl kaum zu Hause gelassen. (Danial Montazeri)

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Video-Raum in Russland

2) Der Videobeweis wird einer der großen Gewinner der WM

Er war einer der wenigen großen Aufreger der jüngsten Bundesligasaison, in Russland feiert er nun seine WM-Premiere: der Videobeweis. Der Weltverband scheint sich allerdings intensiv mit der Testphase beschäftigt und den größten Schwachpunkt der Neuerung erkannt zu haben. Achselzuckende Spieler und Trainer, wild spekulierende Kommentatoren, Zuschauer, die sich um ihren Torjubel betrogen fühlen - das alles soll es bei der WM 2018 seltener geben. Der Videobeweis wird in Russland ein ganzes Stück transparenter.

Menschen wollen eben wissen, was passiert. Sobald ein WM-Referee das 16:9-Rechteck in die Luft zeichnet, wird TV- und Stadionzuschauern mitgeteilt, welcher Vorfall untersucht wird. Sie können dazu in der Arena auf der Videoleinwand die relevante Kameraeinstellung nachverfolgen und sich begleitend ihr eigenes Bild machen. Diskussionen wird es natürlich weiter geben, aber es werden weniger sein - wenn technisch alles funktioniert. Und in sehr naher Zukunft könnte der Videobeweis dann ein ganz selbstverständlicher Teil des Fußballspiels sein. (Christian Helms)

AFP

Niklas Süle und Jérôme Boateng

3) Niklas Süle wird neben Mats Hummels in der Innenverteidigung spielen

Deutschlands Innenverteidiger-Duo Mats Hummels und Jérôme Boateng gehört zu den besten der Welt. Aber in Russland könnte ein anderer ins Rampenlicht rücken: Niklas Süle. Sehr gut möglich, dass er an der Seite von Hummels spielen wird - und nicht Boateng. Süle ist seit dem Confed Cup Joachim Löws neuer Liebling. Zuverlässig, lernfähig, stark im Pass und im Kopfballspiel. Fast zwei Meter groß und 90 Kilo schwer - die Gegner bekommen bei Süle mindestens genauso einen Schrecken wie bei Boateng.

Und Süle ist fit, Boateng dagegen merkt man deutlich an, dass er seit Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. 29 Jahre ist er mittlerweile, Süle gerade mal 22. Seine Schwäche für Fast Food hat Süle abgelegt, ist zu einem vorbildlichen Profi gereift. Süle hat im vergangenen Jahr von allen Nationalspielern den größten Sprung gemacht, technisch wirkt er auch nicht mehr so hölzern wie früher. Dass Süle inzwischen Jérôme Boateng in vielen Aspekten überholt hat, scheint auch sein Verein so zu sehen. Am Mittwoch sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, sollte ein Klub Interesse an Boateng bekunden, werde man ihm keine Steine in den Weg legen. (Eckhard Klein)

AFP

Kylian Mbappé

4) Kylian Mbappé wird der Spieler des Turniers

Lionel Messi, Neymar, Philippe Coutinho: Sie könnten die großen Stars der WM werden, sie alle leben von ihrer Unberechenbarkeit. Sie lassen ihre Gegenspieler stehen, mit einem Dribbling, einer Finte. Sie sind wie Hasen. Kylian Mbappé ist anders, man kann den 19-jährigen Franzosen leicht ausrechnen - er nimmt immer den direkten Weg zum Tor. Stoppen kann ihn dennoch niemand, Mbappé ist zu schnell, zu ballsicher, zu wuchtig, trotz seiner jungen Jahre. Brachiale Eleganz, ein echtes Naturereignis.

Anders als Cristiano Ronaldo, der auch sehr von seiner Athletik lebt, trickst Mbappé nicht um der Tricks willen. Alles, was er tut, dient dem einen Zweck: dem Torerfolg. Damit erinnert der Stürmer von Paris St. Germain an einen anderen ganz Großen: an das "Phänomen" Ronaldo Luís Nazário de Lima, den brasilianische Ronaldo, der wahrscheinlich nur deshalb nicht der Größte überhaupt wurde, weil er so oft so schwer verletzt war. Mbappé steht noch ganz am Anfang seiner Karriere, wobei das eigentlich schon unvorstellbar ist, denn stehen tut er eigentlich nie. Lieber sprintet er, den Ball am Fuß, am Gegner vorbei, zum Tor. Vielleicht auch zum Titel? Zum Sieg bei der Weltfußballerwahl? Vielleicht schon jetzt, irgendwann ganz bestimmt. (Lukas Rilke)

insgesamt 9 Beiträge
bogibo 14.06.2018
1. WM der Dribbler?
Wie gut, dass wir mit Sané einen der besten Dribbler zu Hause gelassen haben!
Wie gut, dass wir mit Sané einen der besten Dribbler zu Hause gelassen haben!
hansa_vor 14.06.2018
2. Sorry,
Löw hat selbstverständlich den für unsere Spielweise richtigen "Dribbler" mitgenommen, dieser nennt sich Marco Reus. Reus kann auf kleinstem Raum "dribbeln" und ist schnell, Sané benötigt deutlich mehr [...]
Löw hat selbstverständlich den für unsere Spielweise richtigen "Dribbler" mitgenommen, dieser nennt sich Marco Reus. Reus kann auf kleinstem Raum "dribbeln" und ist schnell, Sané benötigt deutlich mehr Raum und "Anlauf" für seine "Dribblings" ist aber auch in der Endgeschwindigkeit schneller als Reus. Gegen den amtierenden Weltmeister wird KEINE Mannschaft vorgezogen spielen und ins offene "Messer" laufen wie Brasilien 7:1. Da dies so ist, ist Sané momentan leider noch nicht der richtige Spieler für unser Spiel.
Peter M. Lublewski 14.06.2018
3. Das wirksamste Mittel
gegen geschickte Dribbler: Sergio Ramos.
gegen geschickte Dribbler: Sergio Ramos.
hansa_vor 14.06.2018
4.
Stimme ihnen zu und hoffe die Schiris haben Ramos am "Schirm". Könnte gut möglich sein, dass Ramos nach zwei Spielen nur noch zuschauen darf.
Zitat von Peter M. Lublewskigegen geschickte Dribbler: Sergio Ramos.
Stimme ihnen zu und hoffe die Schiris haben Ramos am "Schirm". Könnte gut möglich sein, dass Ramos nach zwei Spielen nur noch zuschauen darf.
briancornway 14.06.2018
5. Alle gewinnen
Möge der Videobeweis ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen, dann sind wir alle die Gewinner.
Zitat von Peter M. Lublewskigegen geschickte Dribbler: Sergio Ramos.
Möge der Videobeweis ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen, dann sind wir alle die Gewinner.

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