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Wegen Real-Madrid-Job

Spanien feuert Trainer Lopetegui kurz vor WM-Start

Spanien hat unmittelbar vor dem Auftakt der Fußball-WM in Russland seinen Trainer Julen Lopetegui entlassen. Der 51-Jährige hatte einen Tag zuvor bekannt gegeben, zur kommenden Saison Trainer von Real Madrid zu werden.

DPA

Julen Lopetegui

Mittwoch, 13.06.2018   12:11 Uhr

Der spanische Fußballverband hat sich zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel gegen Portugal von seinem Nationaltrainer Julen Lopetegui getrennt. Das teilte Verbandschef Luis Rubiales mit. Tags zuvor war der Wechsel Lopeteguis zu Real Madrid nach der Weltmeisterschaft in Russland bekannt gegeben worden. "Wir stecken in einer komplizierten Situation, die komplizierteste, die man sich vorstellen kann", sagte Rubiales im WM-Quartier des früheren Welt- und Europameisters in Krasnodar.

Wer die Mannschaft jetzt beim Turnier betreut, war zunächst offen. Auf die Frage, wer das Training am Nachmittag leiten sollte, gab Rubiales auf einer um anderthalb Stunden verschobenen Pressekonferenz keine Antwort. "Wir suchen einen Trainer - von jetzt an", sagte der Verbandschef. Als Kandidat für das Amt gilt U21-Trainer Albert Celades. Co-Trainer Pablo Sanz wäre eine weitere Möglichkeit für die Nachfolge.

Der Verbandschef erhob schwere Vorwürfe gegen Real. "Wir hatten überhaupt keine Information über das", sagte Rubiales. "Julen hätte es lieber gehabt, wenn die Dinge anders gehandhabt worden wären."

Einige Spieler sollen sich für Verbleib Lopeteguis ausgesprochen haben

Der Verband RFEF war am Dienstag von der Ankündigung des spanischen Rekordmeisters und Champions-League-Siegers offenbar überrumpelt worden. Erst 50 Minuten nach der Real-Mitteilung hatte der RFEF mit einer dürren Presseerklärung reagiert, in der er die Ausstiegsklausel in Lopeteguis Vertrag bestätigte. Die Spieler hätten die Entscheidung der sofortigen Trennung "akzeptiert", sagte Rubiales. "Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen."

Nach Informationen der spanischen Zeitung "Marca" hätten sich die Spieler mit Kapitän Sergio Ramos von Real Madrid an der Spitze für den Verbleib Lopeteguis ausgesprochen. In der spanischen Presse heißt es, dass Verbandspräsident Rubiales "vor Wut koche" und den Wechselvorgang offenbar als persönlichen Affront wertete.

Lopetegui war seit Juli 2016 für die spanische Nationalmannschaft tätig und blieb in 20 Partien ungeschlagen. Spanien, Weltmeister von 2010, gilt bei der kommenden Endrunde als Titelkandidat und wird in der Gruppenphase neben Portugal auf Marokko und Iran treffen.

luk/jan/sid

insgesamt 56 Beiträge
mullertomas989 13.06.2018
1. Na, die sind aber nervös.....
.... aber auf die Leistung der Spieler wird sich das kaum auswirken. Guten Spielern ist es fast egal, wer ihr Trainer ist.
.... aber auf die Leistung der Spieler wird sich das kaum auswirken. Guten Spielern ist es fast egal, wer ihr Trainer ist.
gnarze 13.06.2018
2.
Ohne mehr Hintergrundwissen natürlich erst mal nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall ganz klar kein Vorteil für die Nationalmannschaft Spaniens.
Ohne mehr Hintergrundwissen natürlich erst mal nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall ganz klar kein Vorteil für die Nationalmannschaft Spaniens.
go2dive 13.06.2018
3.
Lieber kein Trainer bzw. ein neuer, kurzfristig eingestellter, als ein erfolgreicher Trainer der nach der WM geht?! Interessant.
Lieber kein Trainer bzw. ein neuer, kurzfristig eingestellter, als ein erfolgreicher Trainer der nach der WM geht?! Interessant.
weem 13.06.2018
4. Jeder ist ersetzbar
Nachvollziehbarer Schritt. Würde bekannt werden, dass Löw letzte Woche bei Bayern unterschrieben hat, wäre ein Rauswurf doch auch unumgänglich (obwohl die behäbige Bräsigkeit des DFB dies verhindern würde).
Nachvollziehbarer Schritt. Würde bekannt werden, dass Löw letzte Woche bei Bayern unterschrieben hat, wäre ein Rauswurf doch auch unumgänglich (obwohl die behäbige Bräsigkeit des DFB dies verhindern würde).
Mister Stone 13.06.2018
5.
Der Trainer hatte doch gar keine böse Absicht. Er war halt etwas ungeschickt, da muss man doch mal Verständnis für haben. Vielleicht war ihm gar nicht bewusst, was er mit seiner Aussage anrichtet? Vielleicht wollte er gar kein [...]
Der Trainer hatte doch gar keine böse Absicht. Er war halt etwas ungeschickt, da muss man doch mal Verständnis für haben. Vielleicht war ihm gar nicht bewusst, was er mit seiner Aussage anrichtet? Vielleicht wollte er gar kein Statement abgeben? Vielleicht war es nie seine Absicht, die Gefühle der spanischen Fans zu verletzen? Vielleicht wäre er immer noch stolz, Spaniens Elf trainieren zu dürfen? Man sollte ihm sofort ein läuterndes Gespräch mit dem spanischen Präsidenten, dem spanischen König und den Chefs des Fußballverbandes anbieten und dieses öffentlich inszenieren. Auch der Papst sollte da eingreifen...

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