Sport

Investoren aus China beim HSV

Das Tor zum Geld

Seit Jahren unterstützt Klaus-Michael Kühne den HSV, verärgert aber viele durch seine Einmischung. Jetzt arbeitet der Klub an einer Alternative: Chinesische Investoren könnten Teile des Vereins übernehmen.

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HSV-Spieler bejubeln den Klassenerhalt.

Von Daniel Jovanov
Freitag, 12.01.2018   16:16 Uhr

Eine Binsenweisheit im Profifußball lautet: Je unbefriedigender die Ergebnisse, desto aktiver werden Vereine in den Transferphasen. Beim Hamburger SV gäbe es nach 15 Punkten aus 17 Spielen viele Gründe, Veränderungen am Kader vorzunehmen. Cheftrainer Markus Gisdol würde zwar gern, die Mittel dafür sind ohne fremde Hilfe jedoch begrenzt.

"Wir haben unser Budget weitestgehend ausgegeben", sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen kürzlich beim Neujahrsempfang der Zeitung "Hamburger Abendblatt". Erst durch den Verkauf eines Spielers, zum Beispiel des abwanderungswilligen Brasilianers Walace, könnte Gisdol noch mal auf dem Transfermarkt zuschlagen.

Die Hilfe ihres Mäzens und wichtigsten Gesellschafters Klaus-Michael Kühne wollen die Entscheidungsträger beim HSV aber momentan nicht in Anspruch nehmen. Zwischen Vorstand und großen Teilen des noch amtierenden Aufsichtsrats herrscht Einigkeit darüber, dass sich der HSV aus der Abhängigkeit des Logistik-Milliardärs lösen muss. Sein Einfluss auf das operative Geschäft, die enge Verbindung zum Spielerberater Volker Struth und seine öffentlichen Statements über Spieler oder Angestellte stoßen innerhalb des Klubs auf immer größeren Widerstand.

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Klaus-Michael Kühne

Schanghai statt Kühne

Vereinspräsident Jens Meier, der sich nach der Zusammenstellung des demnächst neu zu wählenden Aufsichtsrats großen Ärger von Kühne einhandelte, weil die Zusammensetzung des Gremiums nicht den Vorstellungen des Mäzens entsprach, ist gemeinsam mit Finanzvorstand Frank Wettstein auf der Suche nach einer Lösung. Dabei sind sie offenbar in China fündig geworden. Nach Informationen des SPIEGEL stehen die Hamburger in Verhandlungen mit dem chinesischen Unternehmen SIPG (Shanghai International Port Group).

Mit der Hafenbetriebsgesellschaft aus Hamburgs Partnerstadt kooperiert der HSV bereits seit 2016. Das umfasste auch die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Vizemeister Shanghai SIPG, der dem Unternehmen bereits gehört. Für Beratung beim Aufbau von Strukturen im Nachwuchs- und Managementbereich erhalten die Hamburger bis 2018 fünf Millionen Euro.

Im Sommer endet der Vertrag mit SIPG. In den aktuellen Gesprächen geht es aber um mehr als Consulting-Dienstleistungen: Ein umfangreicheres Investment, zum Beispiel in Form einer zehnprozentigen Beteiligung an der ausgegliederten HSV Fußball AG, wird verhandelt. Theoretisch könnte der HSV dadurch etwa 30 Millionen Euro einnehmen.

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Chinesischer Vizemeister Shanghai SIPG

Die Mitglieder haben das letzte Wort - theoretisch

Praktisch steht ohne Zustimmung der Mitglieder allerdings nur noch ein Prozent zum freien Verkauf. Eine sogenannte Kapitalerhöhung (Ausgabe neuer Aktien), die zur Folge hätte, dass der Stimmenanteil des Mutterunternehmens HSV e.V. unter 75 Prozent sinkt, kann laut Vereinssatzung nicht ohne Beschluss der Mitgliederversammlung durchgeführt werden.

Juristisch wird es an dieser Stelle ein wenig komplizierter: Die HSV Fußball AG ist eine Aktiengesellschaft und unterliegt dem deutschen Aktiengesetz, nicht dem Vereinsrecht. Die Komplettausnutzung des in ihrer Satzung festgelegten "genehmigten" Kapitals mittels Kapitalerhöhung würde zur Folge haben, dass 33,3 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG nicht beim HSV e.V. lägen.

Die Genehmigung dazu haben die Vereinsmitglieder im Mai 2014 bei der Abstimmung über das Ausgliederungskonzept "HSVPlus" übrigens selbst erteilt - die meisten unter ihnen wahrscheinlich, ohne es zu wissen. Doch alle Gremien betonen trotz der eindeutigen Rechtslage, diesen strukturellen Webfehler bei der Gestaltung der Satzung nicht ausnutzen zu wollen. Eine mögliche Lösung könnte deshalb beinhalten, dass der HSV Kühnes Anteile (derzeit 20,58 Prozent) teilweise oder vollständig zurück- und später an die Chinesen zu einem (im Idealfall) deutlich höheren Preis weiterverkauft.

Gibt Kühne freiwillig auf?

Vorausgesetzt, Kühne akzeptiert seinen Ausstieg. Details eines möglichen Investments - auch ein Sponsoring käme in Frage - wollen die Verantwortlichen in den nächsten Monaten klären. Mit einem baldigen Abschluss der Gespräche ist daher nicht zu rechnen.

Finanzvorstand Wettstein, der den Partnern in Fernost kürzlich einen Besuch abstattete, und Vereinspräsident Meier sind dennoch zuversichtlich, schon bald einen neuen strategischen Investor präsentieren zu können. Der Geschäftsführer der Hamburg Port Authority (HPA), so etwas wie das Hamburger Pendant zu SIPG, ist beruflich häufig in Schanghai und pflegt auch aufgrund der Städtepartnerschaft gute Kontakte zu den Chefs des zweitgrößten Hafens der Welt.

In der chinesischen Super League ist es SIPG mithilfe enormer Investitionen gelungen, aus einem Aufsteiger einen Meisterschaftskandidaten zu formen. Ob dieses Modell in die Bundesliga übertragbar ist, lässt sich nur schwer voraussagen. Der HSV jedenfalls würde sich bei ausbleibenden Erfolgen von einer Abhängigkeit in die nächste stürzen. Von der jetzigen Konstellation haben viele Entscheidungsträger aber offenbar genug.

insgesamt 17 Beiträge
Knackeule 12.01.2018
1. 2. Liga
Die China-Investoten werden den HSV auch nicht mehr retten können. Der ist auf dem Weg in die 2. Liga und das ist auch gut so.
Die China-Investoten werden den HSV auch nicht mehr retten können. Der ist auf dem Weg in die 2. Liga und das ist auch gut so.
interessierter10 12.01.2018
2. Worüber sich vermutlich alle
HSV-Interesierte einig sind, ist der negative Einfluss von Kühne auf den HSV, der durch seine inkompetenten Einlassungen das materielle Engagement unterm Strich zu einer Belastung für den Verein werden lässt. On der chinesische [...]
HSV-Interesierte einig sind, ist der negative Einfluss von Kühne auf den HSV, der durch seine inkompetenten Einlassungen das materielle Engagement unterm Strich zu einer Belastung für den Verein werden lässt. On der chinesische Einfluss weniger belastend sein würde, ist natürlich ungewiss, nur: viel schlimmer sollte es kaum werden können.
olli_b 12.01.2018
3.
Außer, am Horizont taucht eine Free-Tibet-Fahne auf oder so. Ob die sich dann auch gleich wieder beleidigt vom Acker machen?
Zitat von interessierter10HSV-Interesierte einig sind, ist der negative Einfluss von Kühne auf den HSV, der durch seine inkompetenten Einlassungen das materielle Engagement unterm Strich zu einer Belastung für den Verein werden lässt. On der chinesische Einfluss weniger belastend sein würde, ist natürlich ungewiss, nur: viel schlimmer sollte es kaum werden können.
Außer, am Horizont taucht eine Free-Tibet-Fahne auf oder so. Ob die sich dann auch gleich wieder beleidigt vom Acker machen?
pefete 12.01.2018
4. Ich denke
wenn Herr Kühne endlich raus ist, könnte es besser werden. Ob die Chinesen allerdings die richtige Alternative sind, mag ich nicht beurteilen. Fakt ist allerdings, auch bei vielen anderen Clubs, es geht ums Geld. Es sind [...]
wenn Herr Kühne endlich raus ist, könnte es besser werden. Ob die Chinesen allerdings die richtige Alternative sind, mag ich nicht beurteilen. Fakt ist allerdings, auch bei vielen anderen Clubs, es geht ums Geld. Es sind inzwischen reine Wirtschaftsunternehmen, bei denen der Sport eine untergeordnete Rolle spielt.
radioactiveman80 12.01.2018
5. Tja, in Hamburg...
...wird ja auf dem Kiez vorgemacht wie man sich für schnelles Geld komplett abgängig macht. Konsequenter wäre es, die Ligauntaugliche Rumpeltruppe endlich mal leistungsgerecht zu entlohnen, anstatt die Spieler und inkompetente [...]
...wird ja auf dem Kiez vorgemacht wie man sich für schnelles Geld komplett abgängig macht. Konsequenter wäre es, die Ligauntaugliche Rumpeltruppe endlich mal leistungsgerecht zu entlohnen, anstatt die Spieler und inkompetente Funktionäre völlig über Maß zu bezahlen (während in der Geschäftsstelle an Blumensträußen gespart wird). Abstieg ist das einzige, was diese Traumtänzer verstehen. Es muss einfach sein, anders begreifen sie es nicht.

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HSV-Cheftrainer seit 1997

Amtszeit Trainer
seit 04/15 Bruno Labbadia
03/15-04/15 Peter Knäbel (interimsmäßig)
09/14-03/15 Josef Zinnbauer
02/14-09/14 Mirko Slomka
09/13-02/14 Bert van Marwijk
09/13-09/13 Rodolfo Cardoso (interimsmäßig)
10/11-09/13 Thorsten Fink
10/11-10/11 Frank Arnesen (interimsmäßig)
09/11-10/11 Rodolfo Cardoso (interimsmäßig)
03/11-09/11 Michael Oenning
07/10-03/11 Armin Veh
04/10-06/10 Ricardo Moniz
07/09-04/10 Bruno Labbadia
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02/07-06/08 Huub Stevens
10/04-02/07 Thomas Doll
10/03-10/04 Klaus Toppmöller
10/01-10/03 Kurt Jara
09/01-10/01 Holger Hieronymus (interimsmäßig)
07/97-09/01 Frank Pagelsdorf

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