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Liverpool-Stürmer Firmino

"Er ist hier. Er ist da"

Er trifft seltener als Mohamed Salah und gilt nicht als Identifikationsfigur. Trotzdem ist Roberto Firmino beim FC Liverpool unersetzlich. Kein Stürmer der Premier League ist so komplett wie der Ex-Hoffenheimer.

DPA

Roberto Firmino

Von , Manchester
Sonntag, 16.12.2018   14:08 Uhr

Man mag Roberto Firmino für das Sinnbild des extravaganten und etwas zu lässigen Fußballprofis halten mit seinen Tätowierungen, seinem glitzernden Ohrschmuck und der seltsamen Angewohnheit, demonstrativ in die andere Richtung zu schauen, wenn er den Ball über die Torlinie drückt.

Doch diese Äußerlichkeiten geben nur unzureichend Aufschluss über den Angreifer, der an diesem Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit seinem FC Liverpool auf Manchester United trifft und mit einem Sieg die Tabellenführung in der Premier League von Manchester City zurückerobern möchte.

Zu einem vollständigen Bild gehören auch Episoden wie jene aus den Anfangstagen seiner Karriere, die sein früherer Trainer Hemerson Maria bei Figueirense in Brasilien im Frühjahr dem "Guardian" erzählt hat.

Seinen Worten zufolge nannte er Firmino zu Beginn der Zusammenarbeit beim falschen Namen. Statt Roberto rief er ihn Alberto. Nach zwei Wochen wies ihn sein Co-Trainer auf den Fehler hin. Hemerson Maria wandte sich darauf hin an Firmino und fragte, warum er ihn nie korrigiert habe. "Er ist sehr schüchtern und sagte nur: Alles in Ordnung, Trainer. Kein Problem", berichtete der Übungsleiter.

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Roberto Firmino gegen Napoli

Diese Zurückhaltung passt zu Firminos Status in Liverpool. Er erzielt nicht so viele Tore wie sein Sturmpartner Mohamed Salah. Er ist keine Identifikationsfigur wie Kapitän Jordan Henderson oder der fleißige James Milner. Auch als Hauptgrund dafür, dass der Verein von der Anfield Road in dieser Saison in der Liga noch ungeschlagen ist, werden andere Spieler angeführt, vor allem Innenverteidiger Virgil Van Dijk und Torhüter Alisson. Der Schlussmann sicherte seinem Klub unter der Woche gegen den SSC Neapel auch das Weiterkommen in der Champions League.

Firmino steht immer im Schatten anderer.

Doch seine Rolle ist wichtig. Er ist der wohl kompletteste Angreifer der Premier League. Trainer Jürgen Klopp preist ihn als "Maschine des Teams" und meint damit: Ohne den 27 Jahre alten Ex-Hoffenheimer geht nichts. Die "Times" schreibt über Firmino: "Er ist überlebenswichtig für Liverpools zerstörerische Offensive und setzt den Ton für das Spiel auf dem ganzen Feld." Der "Guardian" findet: "Er definiert und verkörpert die besten Eigenschaften von Jürgen Klopps System. Firmino ist das System."

Der Brasilianer hat für einen Mittelstürmer relativ wenige Ballkontakte im Strafraum im Vergleich zu Angreiferkollegen wie Sergio Agüero von Manchester City, Harry Kane von Tottenham Hotspur oder Salah. Auch die Rate seiner erfolgreichen Abschlüsse ist nur mäßig. Dafür läuft er deutlich mehr als eine handelsübliche Sturmspitze, erobert viele Bälle, lässt sich zurückfallen und schafft im Dickicht aus gegnerischen Abwehrbeinen Platz für seine Mitspieler.

Er ist ein fleißiger Teamspieler, der es Teamkollegen wie Salah erst ermöglicht, zu glänzen. "Es sind die kleinen Dinge, die ihn ausmachen. Er arbeitet hart. Er ist hier. Er ist da", sagt Trainer Klopp.

27 Treffer im Vorjahr, sechs in der laufenden Saison

Es ist schwer, Firmino eindeutig zu kategorisieren. Für eine klassische Nummer neun ist er zu vielseitig, doch auch als so genannte falsche Neun geht er nicht durch. Dafür ist er dann doch zu torgefährlich. In der abgelaufenen Saison kam er in allen Wettbewerben auf 27 Treffer. In der laufenden Spielzeit steht er bei sechs Toren.

Das wichtigste davon gelang ihm zum Auftakt der Champions League gegen Paris St. Germain. Mit seinem Siegtreffer zum 3:2 in der Nachspielzeit schuf er einen dieser besonderen Momente im Stadion an der Anfield Road, die den Verein immer wieder daran glauben lassen, dass auch in schweren Situationen alles möglich ist. Firmino feierte das Tor mit einer speziellen Pose. Er legte die Hand auf sein linkes Auge, als Anspielung darauf, dass er die Partie beinahe wegen einer Augenverletzung verpasst hätte.

Die Funktion des einäugigen Schattenmanns hat sich gewandelt im Vergleich zur vergangenen Saison. Trainer Klopp weicht oft von der 4-3-3-Formation ab, die sich nach dem Weggang von Philippe Coutinho zum FC Barcelona im vergangenen Winter etabliert hatte. Er lässt seine Mannschaft vermehrt in einem System mit Salah als einziger Spitze spielen. Firmino kommt dahinter zum Einsatz, wie er es schon aus seiner Zeit in Hoffenheim kennt.

Nach Klopps Worten hat er die Umstellung klaglos akzeptiert: "Er würde nie zu mir kommen und sagen: Boss, kann ich wieder auf meiner alten Position spielen?" Das wäre auch überraschend für jemanden, der nicht einmal protestiert, wenn man ihn beim falschen Namen nennt.

insgesamt 1 Beitrag
Nonvaio01 16.12.2018
1. sorry
aber Firmino wird bei den Fans sehr wohl als extrem wichtig angesehen. Mein Sohn wollte sein Jersey zu Weihnachten...keine chance alles ausverkauft. Sogar in Irland wo PL merchandise eigentlich kein problem ist.
aber Firmino wird bei den Fans sehr wohl als extrem wichtig angesehen. Mein Sohn wollte sein Jersey zu Weihnachten...keine chance alles ausverkauft. Sogar in Irland wo PL merchandise eigentlich kein problem ist.

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