Sport

DFB-Auswahl der Frauen

Steffi Jones steht unter Beobachtung

Es ist zwar nur ein Testspiel, für DFB-Bundestrainerin Steffi Jones ist die Partie gegen Frankreich dennoch von größter Bedeutung. Verbandsboss Grindel hat den Druck auf sie erhöht, die Stimmung ist angespannt.

DPA

Bundestrainerin Steffi Jones

Freitag, 24.11.2017   10:07 Uhr

Ende oder Wende? Für Bundestrainerin Steffi Jones geht es im Länderspiel gegen Frankreich möglicherweise schon um ihren Job. Nach der schwachen Fußball-EM der Frauen im Sommer mit dem frühen Aus im Viertelfinale gegen Dänemark und den zum Teil schwachen Leistungen der DFB-Elf in der WM-Qualifikation gilt die Testpartie am Freitag gegen Frankreich (18 Uhr ARD) als richtungweisend für die Zukunft der DFB-Cheftrainerin.

Jones ist sicher, dass sich das Team stärker präsentiert als zuletzt: "Man wird eine ganz andere Körpersprache sehen. Die Mannschaft ist motiviert und fokussiert", betonte die 44-Jährige am Donnerstag im DFB-Mannschaftsquartier in Marienfeld.

Trotz des zunehmenden Drucks wirkte Jones locker und entspannt. Gleichwohl vermied sie Aussagen nach ihrer Zukunft: "Es geht um die Sache. Alles andere spielt keine Rolle." Spielführerin Dszenifer Maroszan, die nach ihrem Jochbeinbruch zurückkehrt, betonte, dass man es nur als Team schaffe: "Wir müssen gemeinsam durch die Phase gehen. Wir stehen alle hinter Steffi."

"So kann es nicht weitergehen"

Auch Alexandra Popp sieht im Duell mit dem WM-Gastgeber 2019 die Chance, die Krise zu beenden und der umstrittenen Jones den Rücken zu stärken. "Die Partie kommt uns gerade recht. Frankreich gehört zur Weltspitze - zu der uns einige Kritiker ja trotz zahlreicher Erfolge in den letzten Jahren aktuell nicht mehr zählen. Wir wollen das Gegenteil beweisen", sagte die Stürmerin und nahm die DFB-Elf im Interview von "t-online.de" in die Pflicht: "Wir alle wissen: So kann es nicht weitergehen. Wir wollen gegen Frankreich eine Reaktion auf die Kritik zeigen."

Popp kennt die Mechanismen der Branche: "Bei den Männern wäre Steffi Jones sicher schon geflogen", räumte sie ein, begrüßt es aber, dass die DFB-Führung um Präsident Reinhard Grindel bisher an Jones festhielt. "Da unterscheiden sich Frauen- und Männerfußball schon - zum Glück. Es ist gut, dass eine Trainerin bei uns nicht gleich nach zwei oder drei Niederlagen gehen muss." Die Stimmung im Team sei gut, versicherte Popp, deutete zugleich aber an, dass es zuweilen an Kleinigkeiten in der Kommunikation hapert: "Vielleicht mal eine falsche Wortwahl oder etwas Ähnliches."

Keine Frage ist, dass Jones Fehler gemacht hat. Nach der verpatzten EM, als sie in der Vorrunde personell experimentierte, änderte die 44-Jährige ihr offensiv ausgerichtetes Spielsystem und zog auch verbal die Zügel an - ohne durchschlagenden Erfolg. "Bei Steffi Jones' Amtsantritt nach dem Olympiasieg 2016 herrschte eine große Euphorie, alles war neu - ein neues Spielsystem, eine sehr offensive Ausrichtung, aber dann ist alles etwas verschwommen", bekannte Popp.

Grindel spricht vom "Gradmesser"

Die schwachen Auftritte in der WM-Qualifikation in Tschechien (1:0) und Island (2:3) riefen Grindel auf den Plan, der sich nach der EM noch vom Jones-Konzept überzeugen ließ und ihren Vertrag bis zur WM 2019 (mit Option auf ein weiteres Jahr) verlängert hatte. "Die negative Entwicklung hat sich nach der EM fortgesetzt", stellte Grindel nach dem 11:0 gegen die Färöer Inseln fest und machte die Partie gegen Frankreich zum "Gradmesser". "Wir brauchen ein Gefühl dafür, dass sich die Mannschaft so steigert, dass wir uns für die WM qualifizieren können."

Zuletzt brüskierte Jones die erfahrene Lena Goeßling mit der Nichtberücksichtigung für das Frankreich-Spiel, ausgerechnet in Goeßlings Heimatstadt Bielefeld. Zwar nannte Jones "sportliche Gründe", die waren aber für die 31-Jährige nicht nachvollziehbar: "Das ist respektlos. Das habe ich so nicht verdient."

Dabei ist Goeßling beim Meister VfL Wolfsburg eine feste Größe, verlängerte am Mittwoch ihren Vertrag bis 2019, denkt aber über einen Rücktritt aus der DFB-Elf nach. Das Tischtuch scheint zerschnitten. Jones versteht Goeßlings Enttäuschung: "Wie sie ihre Reaktion geäußert hat, ist ihre Sache."

aha/dpa

insgesamt 9 Beiträge
kastenmeier 24.11.2017
1.
Immer wenn Vertreter anderer Sportarten als Fußball darüber aufregen, dass "nur" über Fußball berichtet wird, muss man denen zurecht entgegnen, dass die Interessenlage dies nun einmal hergibt und somit verlangt. [...]
Immer wenn Vertreter anderer Sportarten als Fußball darüber aufregen, dass "nur" über Fußball berichtet wird, muss man denen zurecht entgegnen, dass die Interessenlage dies nun einmal hergibt und somit verlangt. Wodurch hingegen ein solch langer Artikel im Vorfeld eines Frauen-Fußball-Testspiels gerechtfertigt sein sollte, versteht tatsächlich niemand mehr. Im Vergleich zum Frauenfußball kommen andere Sportarten (für die sich ebenso wenige interessieren) tatsächlich zu kurz.
mcbarby 24.11.2017
2.
Eigentlich hoffe ich auf einen Sieg unserer Frauen. Aber wenn eine Niederlage dazu führen sollte, dass die unqualifizierte und hoffnungslos überforderte Frau Jones ihren Posten räumt, würde ich das wohl gern in Kauf nehmen. [...]
Eigentlich hoffe ich auf einen Sieg unserer Frauen. Aber wenn eine Niederlage dazu führen sollte, dass die unqualifizierte und hoffnungslos überforderte Frau Jones ihren Posten räumt, würde ich das wohl gern in Kauf nehmen. Als Spielerin war Frau Jones ohne Zweifel top. Leider qualifiziert sie das nicht automatisch zu einer guten Trainerin.
mostly_harmless 24.11.2017
3.
OT, aber: Erklären Sie doch mal, warum es die Interessenlage rechtfertigt, bei 12 Millionen Zuschauern, die ein Handball-Ländespiel während einer Handball-WM hat, samstags nachmittags Fussball aus der 3.Liga zu senden, [...]
Zitat von kastenmeierImmer wenn Vertreter anderer Sportarten als Fußball darüber aufregen, dass "nur" über Fußball berichtet wird, muss man denen zurecht entgegnen, dass die Interessenlage dies nun einmal hergibt und somit verlangt. Wodurch hingegen ein solch langer Artikel im Vorfeld eines Frauen-Fußball-Testspiels gerechtfertigt sein sollte, versteht tatsächlich niemand mehr. Im Vergleich zum Frauenfußball kommen andere Sportarten (für die sich ebenso wenige interessieren) tatsächlich zu kurz.
OT, aber: Erklären Sie doch mal, warum es die Interessenlage rechtfertigt, bei 12 Millionen Zuschauern, die ein Handball-Ländespiel während einer Handball-WM hat, samstags nachmittags Fussball aus der 3.Liga zu senden, während das Final 4 im Handball stattfindet. Da bin ich jetzt mal richtig gespannt.
widower+2 24.11.2017
4. ?
Wie es in der letzten Saison war, weiß ich nicht. Aber wenn Sie das Final 4 im DHB-Pokal meinen, das wird in dieser Saison live von der ARD übertragen. Die Handball-Bundesliga läuft auf Sky und die 3. Liga im Fußball ist [...]
Zitat von mostly_harmlessOT, aber: Erklären Sie doch mal, warum es die Interessenlage rechtfertigt, bei 12 Millionen Zuschauern, die ein Handball-Ländespiel während einer Handball-WM hat, samstags nachmittags Fussball aus der 3.Liga zu senden, während das Final 4 im Handball stattfindet. Da bin ich jetzt mal richtig gespannt.
Wie es in der letzten Saison war, weiß ich nicht. Aber wenn Sie das Final 4 im DHB-Pokal meinen, das wird in dieser Saison live von der ARD übertragen. Die Handball-Bundesliga läuft auf Sky und die 3. Liga im Fußball ist mit ausgewählten Spielen in den dritten Programmen vertreten.
gekreuzigt 24.11.2017
5. "Es geht um die Sache."
Dann sollte sie geschwind zurücktreten.
Dann sollte sie geschwind zurücktreten.

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