Sport

Streit zwischen Sportlern und DOSB

"Athleten sind Nutzobjekte in diesem System"

Erst sollte die Athletenvertretung mit 225.000 Euro vom Bund unterstützt werden, dann ist das Geld aus dem Etatplan gestrichen worden. Die Kritik daran wird immer lauter. Sie trifft vor allen den DOSB.

DPA

Felix Neureuther

Mittwoch, 16.05.2018   14:31 Uhr

Deutsche Spitzensportler haben im Ringen um die Finanzierung einer unabhängigen Athletenvertretung den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angegriffen. "Athleten sind Nutzobjekte in diesem System", sagte Skirennfahrer Felix Neureuther der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Ich habe den Eindruck, dass der DOSB und sein Präsident fürchten, die Macht zu verlieren, über Sportlerinnen und Sportler zu bestimmen."

Anlass für den Unmut ist die Streichung von 225.000 Euro aus dem Etatplan des Bundesinnenministeriums (BMI), die für die Einrichtung einer professionellen Geschäftsstelle der Sportlervertretung "Athleten Deutschland" vorgesehenen waren. Neureuther wirft dem DOSB und dessen Präsidenten Alfons Hörmann vor, die Etablierung einer unabhängigen Sportlerkommission im Bunde mit der Politik bewusst zu torpedieren.

"Nie an Mitteln der Athleten bedient"

"Da stecken die Herrschaften vom DOSB und aus der Politik bei den Winterspielen von Pyeongchang im Deutschen Haus die Köpfe zusammen, und zwei Wochen später heißt es, dass die 200.000 Euro, die dem Verein Athleten Deutschland zugesagt waren, an den DOSB gehen", sagte Neureuther: "Wenn Alfons Hörmann wirklich wollte, dass die Athleten unterstützt werden, dann sollte er etwas dafür tun und dies nicht verhindern."

Stephan Mayer, für den Sport zuständiger Parlamentarischer Staatssekretär im BMI, weist Absprachen zurück. "Ich habe in Pyeongchang mit Alfons Hörmann nicht über den Verein Athleten Deutschland e.V. beziehungsweise dessen Förderung gesprochen", teilte er der FAZ mit.

Auch der DOSB ließ wissen, dass ein solches Gespräch in Pyeongchang definitiv nicht stattgefunden habe und verwies auf Aussagen Hörmanns in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst. Eine "wie auch immer geartete Professionalisierung" der Athletenkommission sei "unabdingbar", hatte Hörmann gesagt. Der DOSB habe sich zudem nie "an Mitteln der Athleten bedient und werde es auch künftig nicht tun".

Athleten beklagen Machtgefälle zu ihren Lasten

Neben Neureuther drängen in der FAZ unter anderem die Olympiasieger Lena Schöneborn, Kristina Vogel, Fabian Hambüchen und Robert Harting darauf, die unabhängige Vertretung deutscher Athleten zu ermöglichen, um auf Augenhöhe mit DOSB, Politik und Wirtschaft über die eigenen Belange sprechen zu können.

Dies sei notwendig, um grundsätzliche Probleme anzugehen. Harting sagte, "das Machtgefälle zulasten der Athleten" sei "nicht mehr hinzunehmen". Im Rahmen der Spitzensportreform müsse nun auch eine Reform des DOSB diskutiert werden, "die Frage über seine Existenzberechtigung sollte ebenso gestellt werden." Der DOSB sei daran interessiert, Abhängigkeiten zu schaffen. Das gelte momentan auch mit Blick auf die Athletenvertretung. "Es muss Schluss sein mit dem Gedanken, dass Vetternwirtschaft ein gutes Instrument für den sportlichen Erfolg dieses Landes bedeutet", sagte Harting.

sak/sid

insgesamt 2 Beiträge
barney9 16.05.2018
1. Hauptamtliche
Sportfunktionäre und Politker sind ein und dieselbe Sauce. Privilegien und Vorteile auf dem Rücken der Sportler und Bürger.
Sportfunktionäre und Politker sind ein und dieselbe Sauce. Privilegien und Vorteile auf dem Rücken der Sportler und Bürger.
dr.joe.66 16.05.2018
2. Kosten...
Wahrscheinlich könnte man die Kosten für die Athletenvertretung problemlos durch die Hotel-Kosten der ganzen Funktionäre bei ihren Tagungen, Treffen, Informationsreisen und natürlich während der Großveranstaltungen [...]
Wahrscheinlich könnte man die Kosten für die Athletenvertretung problemlos durch die Hotel-Kosten der ganzen Funktionäre bei ihren Tagungen, Treffen, Informationsreisen und natürlich während der Großveranstaltungen finanzieren. 100 Funktionäre mal 14 Tage mal 200 Euro bei Olympia macht 280.000 Euro. Aber von denen wird natürlich niemand auf seine Privilegien verzichten...

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