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Handball-EM der Frauen

Wundertüte gegen Weltstars

Die deutsche Handballnationalmannschaft der Frauen hat sich für die Hauptrunde der Europameisterschaft qualifiziert. Was ist bisher gut gelaufen? Was ist ausbaufähig? Eine Zwischenbilanz.

DPA

Deutsche Handballerinnen

Von Anna Paarmann
Donnerstag, 06.12.2018   10:30 Uhr

Die deutschen Handballerinnen stehen zum vierten Mal in Folge unter den besten zwölf Mannschaften Europas. Doch es war bislang ein holpriger Weg. Dem Überraschungssieg gegen den Titelträger aus Norwegen (33:32) folgte eine herbe 24:29-Pleite gegen Rumänien.

Im dritten Spiel gegen Tschechien sah es lange schlecht aus - bis Emily Bölk zunächst auf 9:13 verkürzte und Torhüterin Dinah Eckerle kurz darauf einen Schlagwurf parierte. Das war der Knackpunkt der Partie, Deutschland kämpfte sich zurück - und siegte am Ende 30:28.

Die deutsche Mannschaft steht nun in der Zwischenrunde. Nationaltrainer Henk Groener, ein Niederländer, profitiert davon, dass sich manche Spielerinnen aus der Liga kennen. Bölk spielt mit Meike Schmelzer, Alicia Stolle und Ina Großmann beim Thüringer HC. Die Angriff-Achse aus Maren Weigel, Julia Behnke und Marlene Zapf steht beim TuS Metzingen unter Vertrag.

Talent trifft auf Weltstar

Die Mannschaft hat einen Umbruch hinter sich. Im Gegensatz zum Kader der letzten WM sind sechs Neulinge dabei. Mehrere langjährige Nationalspielerinnen hatten ihre Karriere nach dem verpatzten Heimturnier beendet. Groener hat versucht, die Lücken vor allem mit jungen Talenten zu füllen. Mit dem Ergebnis, dass nur Dänemark einen noch jüngeren Altersdurchschnitt vorweisen kann.

Das deutsche Team ist eine Wundertüte, viele Spielerinnen sind auf internationaler Ebene noch unbekannt. So überragte beim Glanzstart gegen Norwegen mit Amelie Berger ausgerechnet die Jüngste im Kader. Unbekümmert versenkte die 19-Jährige den Ball immer wieder von der Rechtsaußenposition aus im Tor, vorbei am Weltstar, der 1,81 Meter großen und 19 Jahre älteren Katrine Lunde Haraldsen, die bereits 289 Länderspiele bestritten hat.

Doch das deutsche Team hat auch Schwächen, die vor allem im Spiel gegen Rumänien deutlich wurden: Die Absprachen in der Abwehr stimmen noch nicht. Zu oft ergeben sich dort große Lücken für die Angreifer, zu oft tritt eine Spielerin raus, ohne sich nach hinten abzusichern.

Keine Exoten bei der EM

Das europäische Niveau ist bekanntlich hoch, die Mannschaften liegen alle eng beieinander. Das hat vor allem damit zu tun, dass es bei diesem Wettbewerb im Gegensatz zu einer Weltmeisterschaft keine Exoten gibt. Montenegro ist das beste Beispiel dafür: Bei der zweiten Teilnahme im Jahr 2012 wurde die Nationalmannschaft Europameister, obwohl im Finale Norwegen klarer Favorit war.

Einen Sieg gegen Norwegen hat auch die deutsche Mannschaft gefeiert - doch die Vorzeichen waren andere. Die skandinavische Supermacht hatte keinen guten Tag erwischt und leistete sich etliche Ballverluste. Auch ist das Team ohne Leistungsträgerin Nora Mørk, die verletzungsbedingt fehlt, in diesem Turnier geschwächt.

Dennoch hat der Triumph Deutschland einen Vorteil verschafft: Das Team startet mit zwei Punkten als Gruppenzweiter hinter Rumänien in die nächste Turnierphase. Am Freitag muss Deutschland in Nancy gegen Spanien ran (18 Uhr, TV: Sportdeutschland.tv), Sonntag wartet Ungarn. Letzter Hauptrundengegner ist dann am Mittwoch die niederländische Auswahl, die souverän mit drei Siegen in die EM gestartet ist. Die beiden besten Mannschaften qualifizieren sich für das Halbfinale.

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