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Handball-Nationalmannschaft

Prokop will Neustart - diesmal mit Lemke

Jetzt soll der Abwehrriese zum Tempo-Handball passen: Christian Prokop hat den Kader für die kommenden Länderspiele bekanntgegeben. Mit dabei ist Finn Lemke, die angedrohten Rücktritte von Top-Profis blieben aus.

REUTERS

Christian Prokop

Dienstag, 13.03.2018   13:11 Uhr

Bundestrainer Christian Prokop kann nach der schwachen Europameisterschaft in Kroatien und der Kritik an seiner Person weiter auf seinen Spielerstamm setzen.

"Es hat viele positive Treffen mit Nationalspielern gegeben, auch mit Bundesliga-Trainern und - Managern. Das war offen und positiv mit dem Ziel, die Kräfte für die WM zu bündeln", sagte der 39-Jährige bei einer Pressekonferenz in Dortmund. Auf die Frage, ob jemand zurückgetreten sei, antwortete Prokop mit einem deutlichen "Nein!".

Zuletzt hatte es Spekulationen über Rücktritte von Nationalspielern gegeben, falls Prokop im Amt bleiben sollte. Der frühere Handball-Star Daniel Stephan hatte im Februar gesagt: "Ich weiß von Spielern, die sich negativ geäußert haben - nicht offiziell, aber das zeigt: Es stimmt einfach hinten und vorne nicht zwischen Prokop und dem Team." Diese Differenzen sollen nun ausgeräumt sein.

Prokop hatte seinen Posten erst nach längerer Debatte behalten dürfen. Zum Aufgebot für die Länderspiele gegen Serbien am 4. April in Leipzig und am 7. April in Dortmund gehört auch Finn Lemke von MT Melsungen. Dessen Nicht- beziehungsweise dann Nachnominierung für die EM in Kroatien hatte für Kritik gesorgt. Ohne den Abwehrspezialisten hatte der deutschen Abwehr die Stabilität bei der EM gefehlt, zudem gilt der Verteidiger als wichtiger Ansprechpartner innerhalb des Teams. Prokop hatte auf den 25-Jährigen verzichtet, da dieser nicht in dessen flexible Spielidee mit einem schnellen Umschaltspiel gepasst hat.

"Es gab eine ehrliche Selbstreflexion. Damit habe ich begonnen, aber die gab es auch von Spielerseite", sagte Prokop während einer Pressekonferenz und gab sich selbstkritisch: "Wir haben zu wenig über verschiedene taktische Dinge und Vorstellungen der Mannschaft gesprochen. Das habe ich ein wenig unterschätzt."

Der DHB steht vor einer wichtigen Saison. Im kommenden Jahr findet die Handball-WM in Deutschland statt. Prokop soll die Mannschaft bei diesem Turnier betreuen. Dort wolle man "begeistern" sagte Prokop, "mit Tempo-Handball und mit einer verstärkten Rückraum-Mittelposition". Das war auch das Ziel bei der EM 2017, doch das System ging nicht auf. Prokops Vertrag beim DHB läuft bis 2022.

Das deutsche Aufgebot für die Länderspiele gegen Serbien:
Tor: Silvio Heinevetter (Berlin), Andreas Wolff (Kiel)
Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris), Matthias Musche (Magdeburg)
Rückraum links: Steffen Fäth (Berlin), Julius Kühn (Melsungen), Finn Lemke (Melsungen)
Rückraum Mitte: Simon Ernst (Gummersbach), Niclas Pieczkowski (Leipzig), Philipp Weber (Leipzig)
Rückraum rechts: Kai Häfner (Hannover), Steffen Weinhold (Kiel), Fabian Wiede (Berlin)
Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tim Hornke (TBV Lemgo)
Kreis: Jannik Kohlbacher (Wetzlar), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (Kiel)

jan/dpa

insgesamt 1 Beitrag
radbodserbe 13.03.2018
1. Schon erstaunlich, wie schnell grundlegende Differenzen beigelegt sind
Sicher ist ein konstruktiver Dialog immer anzustreben, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell Kritik und Rücktrittsdrohungen sich verflüchtigen können. Es handelt sich immerhin um eine Nationalmannschaft und keine [...]
Sicher ist ein konstruktiver Dialog immer anzustreben, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell Kritik und Rücktrittsdrohungen sich verflüchtigen können. Es handelt sich immerhin um eine Nationalmannschaft und keine Krabbelgruppe (ist nicht abwertend gegen letztere gemeint). Niemand muss unnötig "nur" um glaubhaft zu bleiben, schön gegen die Wand laufen, aber irgendwie sieht Zivilcourage und Authentizität anders aus.

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