Sport

Missbrauchsskandal

Insolvenzantrag von US-Turnverband erzürnt Opfer-Anwalt

Der US-Turnverband hat infolge des Missbrauchsskandals um den ehemaligen Verbandsteamarzt Larry Nassar einen Insolvenzantrag gestellt. Ein Schritt zur Vertuschung?

REUTERS

US-Turnerin (Symbolfoto)

Donnerstag, 06.12.2018   09:55 Uhr

Der US-Turnverband hat nach dem Missbrauchsskandal um den ehemaligen Verbandsteamarzt Larry Nassar einen Insolvenzantrag gestellt. Dies teilte USA Gymnastics mit. Der Verband erklärte, dass der Insolvenzantrag die beste Option sei, um die Ansprüche der Missbrauchsopfer, die zivilrechtliche Schritte gegen den US-Turnverband eingeleitet hatten, schnellstmöglich zu bedienen.

"Wir schulden es den Opfern, ihre Ansprüche aufgrund der schrecklichen Taten der Vergangenheit vollständig und endgültig zum Abschluss zu bringen", sagte USA Gymnastics-Vorstandsmitglied Kathryn Carson. "Unser Sport ist dank des Mutes dieser Frauen sicherer und stärker. Der Insolvenzantrag und die beschleunigte Abwicklung dieser Ansprüche sind die ersten wichtigen Schritte, um das Vertrauen der Gemeinschaft zurückzugewinnen."

Die Gegenseite ist über diesen Schritt erbost. Der Anwalt John Manly - seine Kanzlei vertritt mehr als 150 Opfer des verurteilten Mannschaftsarztes Nassar - wird im "Deutschlandfunk" zitiert und sagt, der Antrag auf Insolvenz unterbreche alle Versuche herauszufinden, wer beim Turnverband und in der Nationalmannschaft von Nassars Verbrechen wusste und nichts dagegen unternahm.

Nassar wurde in drei Urteilen zu 175 Jahren Haft verurteilt

Erst im vergangenen Monat hatte das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten (USOC) die nötigen Schritte eingeleitet, um dem US-Turnverband seinen Status als nationale Dachorganisation abzuerkennen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Auch dieses Verfahren könne durch die Insolvenz unterbrochen werden, schreibt der "Deutschlandfunk".

Nassar wurde in insgesamt drei Urteilen für den Missbrauch teils minderjähriger Opfer zu bis zu 175 Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich in den Verfahren schuldig bekannt, mehrere Mädchen sexuell misshandelt zu haben. Insgesamt waren Anzeigen Hunderter Turnerinnen und ihrer Eltern gegen ihn eingegangen, darunter von den Olympiasiegerinnen Alexandra Raisman, McKayla Maroney und Simone Biles.

jan/dpa

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