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DHB-Kapitän Gensheimer

"Dummes Geschwätz"

Das deutsche Handballnationalteam wecke keine Leidenschaft, ihm fehlten die Persönlichkeiten - aus Sicht von Kapitän Uwe Gensheimer ist das alles Unfug. Für Talkshowauftritte fehle ihnen als Handballern auch schlicht die Zeit.

DPA

DHB-Kapitän Uwe Gensheimer

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Samstag, 12.01.2019   13:40 Uhr

Nach dem deutlich gewonnenen Auftaktspiel am Donnerstag sind die Erwartungen nicht kleiner geworden: Heute Abend (ZDF, 18.15 Uhr) führt Kapitän Uwe Gensheimer - "Gense", wie sie ihn nennen - sein Team gegen Brasilien erneut aufs Feld. Sie alle wissen, mit jedem Sieg spielen sie sich ein Stück tiefer in die Herzen der Deutschen.

Dynamisch, schnell, aggressiv - all das ist Handball. Dennoch gibt es bislang keine nationale Leidenschaft für diesen Sport. Kritiker sagen, es fehle ihr an Typen. Das seien alles nette, aber am Ende langweilige Jungs.

Gensheimer ist genervt von der Debatte. "Das ist für mich dummes Geschwätz. Soll ich mir jetzt Tattoos stechen lassen und die Haare rot färben, damit die Leute sagen, dass ich ein Typ bin?", entgegnet der Linksaußen im aktuellen SPIEGEL.

"Mit dem Sport nicht ausgesorgt"

Die Medien würden sich nicht intensiv genug mit den Leuten beschäftigen, sagt Gensheimer, in der Nationalmannschaft gebe es genug "superinteressante Typen", die aber keine schnellen Schlagzeilen produzierten, weil sie "nicht immer nur eine große Klappe haben und den nächsten Spruch drücken". Für ihn sei jemand ein Typ, "der einen starken Charakter hat, der den Mund aufmacht, wenn es etwas zu sagen gibt".

In Talkshows würde man sie nur deshalb nicht so oft sehen, weil dafür schlicht keine Zeit sei. Einige Bundesligaspieler haben pro Saison bis zu 80 Einsätze. Hinzu kommen die An- und Abreisen zu Auswärtsspielen, dazwischen viele Stunden Training, Theorie, Videoanlayse. Bei vielen käme dazu noch ein Studium. "Als Handballer weißt du, dass du mit dem Sport nicht ausgesorgt hast."

"Eher bodenständige Typen"

Vor der WM hatte eine Debatte über die Frage begonnen, ob es dem deutschen Handball an Stars und Glamour fehle. Der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand etwa hatte gesagt, der Nationalmannschaft mangele es an Führungsspielern: " Die Spieler haben viele Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt, zum Teil in verantwortungsvollen Positionen. Aber eine richtige Führungsfigur hat sich noch nicht herausgebildet. Dazu kann man niemanden zwingen."

Torhüter Silvio Heinevetter hatte dies zum Teil bestätigt. Handballer seien "eher bodenständige Typen. Das liegt schon daran, dass wir weitaus weniger verdienen".

Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, hatte gesagt, für eine erfolgreiche WM brauche es richtige Typen, die es im deutschen Handball jedoch auch gebe: "Wir müssen glaubhaften, extrovertierten Handball spielen. Ich bin davon überzeugt, dass wir viele Typen in der Mannschaft haben. Extrovertierte Typen wie Andreas Wolff oder Silvio Heinevetter. Es gibt aber auch introvertierte Vertreter wie Steffen Weinhold, Hendrik Pekeler oder Finn Lemke, die aber intern eine hohe Akzeptanz genießen."

insgesamt 13 Beiträge
Mephisto der x-te 12.01.2019
1. Realität
Handball ist halt keine Zuschauer-Sportart. So einfach ist das und das sollte man auch so akzeptieren. Trotzdem ist es ein schöner, athletischer interessanter Sport, für den der sich dafür interessiert, der selbst mal gespielt [...]
Handball ist halt keine Zuschauer-Sportart. So einfach ist das und das sollte man auch so akzeptieren. Trotzdem ist es ein schöner, athletischer interessanter Sport, für den der sich dafür interessiert, der selbst mal gespielt hat oder aus dem Umfeld dazu kommt. Vor allem im Jugend-Bereich ist es eine optimale Sportart für ein ganzheitliches Körper.-Training mit Erziehung zur mannschaftlichem Verhalten, auch immer mehr beliebt bei Mädchen. Mit zuviel Schau und Kommerz und Gedöns wird man eher die Fans verkraulen als neue finden. Wer Geld verdienen will, muss sich eine andere Sportart suchen, da er bis in höhere Klassen eine Leidenschaft selbst finanzieren muß.
gable 12.01.2019
2. Kein Toralarm auf SPON
SPON macht es dem Fan auch nicht einfach. Während man einen Tor-Alarm bei der britischen, italienischen und spanischen Fußball-Liga einstellen kann, gibt es diesen Service nicht für die Handball-WM im eigenen Land. Schade...
SPON macht es dem Fan auch nicht einfach. Während man einen Tor-Alarm bei der britischen, italienischen und spanischen Fußball-Liga einstellen kann, gibt es diesen Service nicht für die Handball-WM im eigenen Land. Schade...
hooge789 12.01.2019
3. Mann muss nicht meinen, dass man als Fernsehsportler immer alles mitkriegt
In der Mannschaft wird es schon eine Hackordnung geben. Ein Wolff wird schon sagen wenn etwas nicht läuft. Und es gibt sicherlich noch andere. Bei Sieben Spielern braucht es keine Sieben Typen.
In der Mannschaft wird es schon eine Hackordnung geben. Ein Wolff wird schon sagen wenn etwas nicht läuft. Und es gibt sicherlich noch andere. Bei Sieben Spielern braucht es keine Sieben Typen.
keyjay 12.01.2019
4. ?
Also wenn Handball keine Zuschauer-Sportart sein soll, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Hochspannung, Athletik, viele Tore sind in fast keiner anderen Sportart so stark vertreten wie im Handball. Eine entscheidende Rolle [...]
Zitat von Mephisto der x-teHandball ist halt keine Zuschauer-Sportart. So einfach ist das und das sollte man auch so akzeptieren. Trotzdem ist es ein schöner, athletischer interessanter Sport, für den der sich dafür interessiert, der selbst mal gespielt hat oder aus dem Umfeld dazu kommt. Vor allem im Jugend-Bereich ist es eine optimale Sportart für ein ganzheitliches Körper.-Training mit Erziehung zur mannschaftlichem Verhalten, auch immer mehr beliebt bei Mädchen. Mit zuviel Schau und Kommerz und Gedöns wird man eher die Fans verkraulen als neue finden. Wer Geld verdienen will, muss sich eine andere Sportart suchen, da er bis in höhere Klassen eine Leidenschaft selbst finanzieren muß.
Also wenn Handball keine Zuschauer-Sportart sein soll, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Hochspannung, Athletik, viele Tore sind in fast keiner anderen Sportart so stark vertreten wie im Handball. Eine entscheidende Rolle spielen in diesem Fall hauptsächlich die Medien, die bei der ersten Niederlage der Deutschen Mannschaft wieder den Abgesang anstimmen. Das Problem ist, dass beim Handball eine Vielzahl der Mannschaften, Welt- oder Europameister werden kann, da die Dichte an der Spitze sehr hoch ist. Und da wird seitens der Medien nicht akzeptiert, wenn einmal nur ein siebter oder achter Platz herausspringt. Dann kommt es wie zuletzt, dass Spiele der Deutschen Nationalmannschaft nicht mehr im Fernsehen übertragen werden, aber jedes noch so langweilige Ski-Langlaufrennen übertragen wird. Ich bin mal gespannt, falls einmal beim Biathlon die Erfolge der Deutschen ausbleiben, und wir über Monate das ganze Wochenende über mir irgendwelchen Verfolgungsrennen überzogen werden, was natürlich nicht heißt, dass diese Sportler nichts leisten würden.
buffbuff 12.01.2019
5. handball wird ...
... halt zu wenig an exponierter stelle präsentiert. immer nur fussball. früher kam wenigstens in der sportschau am sonntag ein bericht. gleiches gilt für basketball, wasserball, hockey oder eishockey. ballsportarten wie [...]
... halt zu wenig an exponierter stelle präsentiert. immer nur fussball. früher kam wenigstens in der sportschau am sonntag ein bericht. gleiches gilt für basketball, wasserball, hockey oder eishockey. ballsportarten wie floorball oder rugby schon erst recht. immer nur fussball, wo dann auch der rubel rollt und die überbezahlten TYPEN selbst in der dritten liga und regionalliga häufiger im öffentlich rechtlichen gezeigt werden als die superballsportler auf weltniveau in den obigen disziplinen. allein das debakel um die übertragung der handballer zuletzt...

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