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Federer-Aus in Wimbledon

Das Drama von Court 1

Roger Federer ist raus beim berühmtesten Tennisturnier der Welt. Der 36-Jährige verlor nach bereits zwei gewonnen Sätzen die Nerven. Kommt er 2019 noch einmal nach Wimbledon zurück?

Foto: DPA
Von Philipp Joubert
Donnerstag, 12.07.2018   09:40 Uhr

Kevin Anderson hatte gerade erst sein Siegerinterview beendet. Der Südafrikaner, ein Mann mit klaren Gedanken und direkter Art, hatte dann doch nicht so genau gewusst, was er sagen sollte. Anderson, US-Open-Finalist des vergangenen Jahres, der trotzdem immer etwas unscheinbar geblieben war, hatte gerade Unvorstellbares vollbracht: Trotz 0:2-Satzrückstand, trotz eines Matchballs gegen sich, hatte Anderson nach mehr als vier Stunden den Platz in Wimbledon als Sieger gegen Roger Federer verlassen.

Klar, bei diesem Turnier sind bereits viele Mitfavoriten ausgeschieden - aber Federer? Bis zum Viertelfinale hatte er noch nicht einmal seinen Aufschlag verloren.

Es dauerte rund zehn Minuten, bis ein Journalist die Frage der Fragen stellte: Würde Roger Federer, der Mann, der das berühmteste Tennisturnier der Welt in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten so sehr prägte, auch im nächsten Jahr zurückkommen? "Das ist das Ziel", sagte der Schweizer.

Federer fehlten die passenden Antworten

"Es war einer dieser Tage": Mehrfach wiederholte Federer diesen Satz. Er hatte gegen Anderson irgendwann kein Mittel mehr gefunden: Wie umgehen mit den im Durchschnitt 200 Stundenkilometer harten Aufschlägen des Gegners? Wie die wenigen Chancen nutzen? Er selbst warf Fragen in die Runde. Federer, der sein Tennisjahr mittlerweile mehr denn je am Höhepunkt Wimbledon ausrichtet, hatte keine passenden Antworten.

Der 36-Jährige hatte gegen jemanden verloren, der im fünften Satz auf Frontalangriff setzte - ohne sich dabei an Federers Tempovariierung und geschickter Positionsverlagerung zu orientieren. Damit kam der Schweizer nicht zurecht.

Federer hatte schnell 2:0 nach Sätzen geführt, die Zuschauer fühlten sich gut unterhalten. So weit, so normal. Allerdings war das Match auf dem kleinen Bruder des Centre Court angesetzt worden. Seit zwei Jahren hatte Federer nicht mehr auf dem zweitgrößten Platz der Wimbledonanlage gespielt.

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Federer-Aus in Wimbledon: Zu früh gefreut

Wenn Anderson einen Gewinnschlag unterbrachte, war es nahezu komplett still im weiten Rund der Arena. Konnte Federer einen Punkt für sich entscheiden, gab es Applaus. Doch mit zunehmender Dauer des Matches spürten die Zuschauer, dass es sich um eine besondere Partie handelte. Eine Partie, in der Federer Anfeuerung statt Applaus benötigte.

Nur vier Mal in seiner Karriere hatte Federer bei 2:0-Satzrückstand noch verloren und 34 Sätze am Stück in Wimbledon gewonnen, bevor er heute gleich drei abgab. Am Ende war eine ganz andere Zahl die entscheidende: eins. Genau so häufig hatte Federer in diesem denkwürdigen Match einen Doppelfehler serviert, und zwar genau, als er seinen Aufschlag zum 11:12 im fünften Satz verlor. Der so Nervenstarke hatte die Nerven verloren.

Vielleicht kann sich Federer damit trösten: Das einzige Mal, als er in Wimbledon einen solchen Vorsprung wie gegen Anderson hergab, war 2011 im Viertelfinale gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga.

Im Jahr darauf kam Federer zurück nach London - und gewann.

insgesamt 3 Beiträge
Ge-spiegelt 12.07.2018
1. Schade
Mehr als schade ist dass Tennis mal wieder im Deutschen TV nicht stattfindet trotz Deutschen Damen im Halbfinale
Mehr als schade ist dass Tennis mal wieder im Deutschen TV nicht stattfindet trotz Deutschen Damen im Halbfinale
schwampf 12.07.2018
2. Es ist Zeit
zu gehen. Jetzt aber wirklich. Federer ist nicht mehr so gut wie letztes Jahr. Die gesamte Rasensaison schon, obwohl er nichts anders gemacht hat als 2017. Die Australien Open waren ein letztes Ausrufezeichen. Mehr wird da nicht [...]
zu gehen. Jetzt aber wirklich. Federer ist nicht mehr so gut wie letztes Jahr. Die gesamte Rasensaison schon, obwohl er nichts anders gemacht hat als 2017. Die Australien Open waren ein letztes Ausrufezeichen. Mehr wird da nicht mehr kommen. Er sollte meinetwegen noch die US Open spielen und die Saison fertig und dann gehen. Er hat schon viel länger durchgehalten als irgendjemand vor 10 Jahren gedacht hätte. Irgendwann ist auch bei den Größten Schluss.
kopi4 12.07.2018
3.
Vor allem wäre es gut für das Tennis wenn die Außenseiter die Geschichte auch mal zu Ende erzählen würden. Aber so wird es Same procedure as every year: Federer oder Nadal verlieren überraschend und der andere kommt so zu [...]
Vor allem wäre es gut für das Tennis wenn die Außenseiter die Geschichte auch mal zu Ende erzählen würden. Aber so wird es Same procedure as every year: Federer oder Nadal verlieren überraschend und der andere kommt so zu einem weiteren Grand Slam Titel. So war es 2017 in Wimbledon und New York, 2018 in Melbourne. Und so wird es auch diesmal.

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