Sport

Lochs fünfter Platz beim Rodeln

Der verflixte vierte Lauf

Felix Loch hatte seine dritte olympische Goldmedaille im Einsitzer schon so gut wie sicher - dann erwischte ihn im letzten Durchgang die Kurve neun. Und das passiert einem, der sonst nie Fehler macht.

Getty Images
Aus Pyeongchang berichten und
Sonntag, 11.02.2018   16:26 Uhr

Nur noch ein Lauf, dann ist das dritte olympische Einsitzer-Gold nacheinander gesichert. Felix Loch, der Perfektionist, der Rodel-Meister aller Klassen, der die Streckenverläufe lesen kann wie kein Zweiter, der sechsfache Weltcupgesamtsieger, der zwölffache Weltmeister. Keiner hat mehr Erfahrung als er. Es ist zwar übertrieben, von einer Formsache zu reden. Aber alle rund ums Sliding Centre von Pyeongchang waren sich einig: Felix Loch kann sich nur noch selbst schlagen.

Genau das ist passiert.

Im letzten Lauf verpatzte Loch eine Kurve vollständig, schlug zweimal gegen die Bande, erwischte auch die Einfahrt in die nächste Kurve nicht mehr. Und statt des sicher geglaubten Golds sprang für den 28-Jährigen nur noch der fünfte Platz heraus.

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
13
14
11
38
2
Deutschland
13
8
7
28
3
Kanada
11
8
9
28

Niemand hätte das erwartet. Loch am wenigsten. Im Ziel schlug er die Hände über dem Helm zusammen, sein Bundestrainer Norbert Loch, der ganz nebenbei auch noch sein Vater ist, redete tröstend auf ihn ein. Kopfschüttelnd verließ der Rodler die Bahn, die ihn bisher so wunderbar getragen hatte. Dort erwartete ihn IOC-Präsident Thomas Bach zur nächsten Trostrunde.

Selbst sagen wollte Loch in diesem Moment noch nichts, die Mixed Zone, dort, wo die Journalisten auf die Sportler warten, ersparte er sich zu Beginn noch. Erst etwas später äußerte sich der Deutsche: "Es ist unglaublich bitter", sagte Loch: "Ich hatte hier drei super Läufe und einen Scheißlauf. So ist das im Sport."

Hackl nimmt die Sache gelassen auf

Jemand anders, der solche Situationen auch erlebt und bewältigt hat, fand schon direkt nach dem Rennen die Sprache wieder. Georg Hackl, auch mehrfacher Olympiasieger und bis heute so etwas wie das Rodel-Original schlechthin, nahm die Sache sogar gelassen auf: "Der Felix wird das überleben, er ist keiner, der den Kopf in den Sand steckt", so ein Missgeschick "ist vielen schon passiert". Aber Loch eben noch nicht.

Im Rodelsport gab es bisher ein Gesetz: Rodeln ist ein Sport, bei dem erwachsene Menschen auf einem Schlitten den Berg herunterfahren, und am Ende siegt Felix Loch. Wie 2010 in Vancouver, wie 2014 in Sotschi, wie bei 65 Weltcuprennen, immer war auf die Nervenstärke, auf die technische Qualität des Deutschen Verlass. Diesmal nicht.

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Olympia-Tag zwei in Bildern: Eingeeist

Dabei waren die drei Durchgänge zuvor noch wahre Loch-Festspiele gewesen, und niemanden hatte das ernsthaft überrascht. So ist er halt, der Felix. Immer der Beste, wenn die großen Aufgaben anstehen. Am Samstag hatte er in den ersten zwei Durchgängen die Konkurrenz nach Belieben beherrscht. Der Vorsprung auf den Österreicher David Gleirscher hatte vor dem letzten Lauf fast 0,2 Sekunden betragen, im Rodeln ist das beträchtlich. Im dritten Durchgang hatte Loch gleich mal einen Bahnrekord hingelegt.

Gleirscher hatte dagegen weiteren Boden verloren - und stand am Ende urplötzlich als der große Sieger da. Nie zuvor hatte der 23-Jährige einen Weltcup gewonnen, im Gesamtweltcup war er noch nie unter den besten Zehn. Jetzt ist er der erste österreichische Olympiasieger seit Manfred Schmid 1968.

Ludwig profitierte von Lochs Fehler

Für die vom Erfolg so verwöhnten deutschen Rodler blieb am Ende zumindest die Bronzemedaille von Johannes Ludwig übrig. Er profitierte von Lochs verpatztem vierten Lauf und rutschte noch in die Podestränge. Der Routinier mochte sich zunächst noch gar nicht so recht freuen, er schien selbst nicht zu fassen, was dem Eiskanal-Dominator dort unterlaufen war.

So aktivieren Sie den Gold-Alarm

Im Vorfeld hatten die Fachleute vor der Bahn in Südkorea gewarnt, sie halte Überraschungen bereit, besonders die Kurve neun habe es in sich, eine tückische Kurve, die auch renommierte Fahrer noch vor Probleme stellt. Es war genau die Kurve, die Loch zum Verhängnis wurde, wenn man es so melodramatisch formulieren darf. Die Kurve, die er zuvor drei Mal so souverän und ohne jeden Anbandler gemeistert hatte. "Er ist einfach falsch in die Kurve hineingekommen", analysierte Hackl: "Und dann hast du keine Chance, gerade herauszukommen."

Ein bitterer Moment für einen, der bei Olympischen Spielen sonst nur Glücksmomente kennt. Aber für solche Situationen ist ja der Hacklschorsch zur Stelle. Er wusste schon, was hilft: "Wir werden das gemeinsam mit einem Weißbier herunterspülen."

Mit Material vom sid

insgesamt 17 Beiträge
gantenbein3 11.02.2018
1. Zwischen Lipp'
und Kelchesrand schwebt der finstren Mächte Hand. Leider. Aber "Lebbe geht weider" (Stepanovic)
und Kelchesrand schwebt der finstren Mächte Hand. Leider. Aber "Lebbe geht weider" (Stepanovic)
gandhiforever 11.02.2018
2. So gut wie sicher
So gut wie sicher waere Gold erst beim Einbiegen auf die Zielgerade gewesen. Aber wenigstens hat sich der Autor nicht dazu hinreissen lassen, der US-Boy habe Loch Gold gestohlen.
So gut wie sicher waere Gold erst beim Einbiegen auf die Zielgerade gewesen. Aber wenigstens hat sich der Autor nicht dazu hinreissen lassen, der US-Boy habe Loch Gold gestohlen.
TS_Alien 11.02.2018
3.
Und in anderen Sportarten machen die Sportler Fehler über Fehler und gewinnen am Ende doch, weil die anderen noch mehr Fehler machen. Vielleicht sollte man beim Rodeln einen Streichlauf einführen.
Und in anderen Sportarten machen die Sportler Fehler über Fehler und gewinnen am Ende doch, weil die anderen noch mehr Fehler machen. Vielleicht sollte man beim Rodeln einen Streichlauf einführen.
Lankoron 11.02.2018
4. 3 Artikel
und mehr zum Fünftplatzierten. Der Bronzemedaillengewinner aus Deutschland wird mal in nem Absatz nebenher erwähnt. Im Fernsehen merkt man das auch erst nach Minuten....echt übel, dieses Personengehype um einige Sportler. [...]
und mehr zum Fünftplatzierten. Der Bronzemedaillengewinner aus Deutschland wird mal in nem Absatz nebenher erwähnt. Im Fernsehen merkt man das auch erst nach Minuten....echt übel, dieses Personengehype um einige Sportler. Anstatt dem Besseren oder der ganzen Mannschaft seine Aufmerksamkeit zu widmen, verbringen Reporter und Journalisten ihre Zeit und ihren Platz mit Berichten um andere.
maohan 11.02.2018
5. Der verflixte vierte Lauf
Im chinesische ist 4 ein Unglückszahl, weil die Aussprachegleich klingt. In Keim Hotel in China gibt es die Nummerierung 4. Stockwek. Auch im Autozeichen gibt kein 4. Bei Haus-Nr.sowieso ein Tabu
Im chinesische ist 4 ein Unglückszahl, weil die Aussprachegleich klingt. In Keim Hotel in China gibt es die Nummerierung 4. Stockwek. Auch im Autozeichen gibt kein 4. Bei Haus-Nr.sowieso ein Tabu

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