Stil

Mobile Behausungen

Architektur in Bewegung

Die meiste Zeit seines Lebens war der Mensch in Bewegung: erst zu Fuß, dann auf dem Pferd und später im Planwagen. Ein neuer Bildband stellt moderne mobile Behausungen vor, vom Hausboot mit Unterwasserblick bis zum Kartonhaus.

The Manta Resort/ Taschen
Dienstag, 05.12.2017   04:31 Uhr

An Land, auf dem Wasser und sogar in der Luft - die von dem Architekturexperten Philip Jodidio für sein neuestes Buch gesammelten Heime haben alle gemein, dass sie mobil sind. Auf Rädern, in Containern, im Rucksack oder - im Fall des Walking House - auf Beinen lassen sich diese Behausungen von einem Ort zum nächsten mitnehmen. Damit kommen sie der ursprünglichsten Wohnform des Menschen am nächsten: ständig in Bewegung.

Jodidio stellt in "Nomadic Homes" viele verschiedene Arten des mobilen Wohnens vor. Unterteilt in fünf Kapitel zeigt er Herbergen mit Rädern, Schwimmhäuser, Zelte und Glamping-Träume, Notunterkünfte für den Katastrophenfall und Wohnräume, die sich auf andere Art und Weise bewegen lassen wie zum Beispiel die Ecocapsule. Das autarke, intelligente Mikrohaus wird mit Sonnen- und Windenergie betrieben und kann in einem Container an nahezu jeden beliebigen Ort gebracht und dort aufgestellt werden.

Fotostrecke

Mobile Wohnformen: Baumzelte und Unterwasserschlafzimmer

Toll ist, dass jede der Behausungen in diesem Band mit Innen- und Außenaufnahmen sowie einem Profil von Konzept, Designer und Besitzer erläutert wird. Im Fall des Floating House von Architekt Carl Turner gibt es sogar die Bezugsquelle für die Baupläne. Der Brite versteht seine Konstruktion als Antwort auf zunehmende Überflutungen und bietet die Pläne dafür deshalb gratis auf einer Open-Source-Plattform an.

Die außergewöhnlichste mobile Behausung aus dem 344 Seiten dicken Buch ist wohl die Internationale Raumstation ISS. Seit dem 31. Oktober 2000 leben immer wieder Menschen in ihr. Am längsten der Astronaut Jeff Williams, der 534 Tage an Bord war. Die verschiedenen Module bilden den größten künstlichen Satelliten, der die Erde jemals umkreist hat.

Die restlichen Wohnstätten - von klassischen Campern über luxuriöse Hausboote bis hin zu den Flüchtlingsunterkünften von Shigeru Ban - sind weniger abgespaced, vom Design vielleicht einmal abgesehen. Denn so etwas wie das transportable Wohnhaus Mima Light oder das aus 24 Schichten Pappkarton um eine Hausform gewickelte Wikkelhouse hat man auf diesem Planeten bisher eher selten gesehen.

löw

insgesamt 3 Beiträge
dedroog 05.12.2017
1. Designerschnickschnack für Bessergestellte...
Eine "mobile Behausung" ist ein Wohnmobil oder Mobilehome im Trailerpark. Auf kurz oder lang werden in Deutschland die restriktiven Gesetze bezüglich der Meldeadresse ausgesetzt werden müssen - dann wird hier das [...]
Eine "mobile Behausung" ist ein Wohnmobil oder Mobilehome im Trailerpark. Auf kurz oder lang werden in Deutschland die restriktiven Gesetze bezüglich der Meldeadresse ausgesetzt werden müssen - dann wird hier das mobile Leben in Trailerparks explodieren. Da zuwenige Wohnungen gewünscht sind und diese daher entsprechend teuer sind würden viele Menschen gerne - oder notgedrungen in einem eigenen Trailer leben - ohne Vermieter und steigende Mietkosten. Die amrikanischen Trailerpark-Betreiber-Konzerne warten schon auf den deutschen Markt
chrismuc2011 05.12.2017
2. #1
Volle Zustimmung! Wir haben im Moment größere Probleme, als schicke und teure Hütten im Dschungel, an einem See oder sonstwo. Solide, gut designte kleine, kompakte, schnell auch von 2 Personen aufbaubare Hütten mit Dusche und [...]
Volle Zustimmung! Wir haben im Moment größere Probleme, als schicke und teure Hütten im Dschungel, an einem See oder sonstwo. Solide, gut designte kleine, kompakte, schnell auch von 2 Personen aufbaubare Hütten mit Dusche und WC, die man idealerweise mit einem kleinen Müllcontainer Lastwagen preiswert von einem an den anderen Ort versetzen kann. Diese Hütten in einem Trailerpark, meinetwegen auf asphaltiertem Boden, ein paar Grünpflanzen im Topf drumherum, ein paar Sitzbänke, eingezäuntes und vielleicht bewachtes Gelände würde vielen Wohnungssuchenden und auch unfreiwillig Obdachlosen eine kurz- oder sogar langfristige menschenwürdige Behausung geben. Es gibt und gab ja schon einige Designervorschläge diesbezüglich. Bitte forcieren, bezahlbar ( mietbar) machen incl. Meldeadresse und Briefkasten vor der Türe. In Berlin gibt es genug Brachflächen, bzw. Grundstücke in städtischer Hand, wo man die aufstellen könnte. z.B: Teile des RAW Geländes. Ein klassischer Trailerpark würde es für den Anfang aber auch tun. Ich wäre der Erste, der seinen Wohnwagen von der Brandenburgischen Pampa nach Berlin schleppt und ihn dort in Berlin abstellt. Dann hätte meine dreijährige Suche nach bezahlbarem Wohnen in Berlin endlich ein Ende.
Papazaca 09.12.2017
3. "kleine Häuser" (Small Houses") brauchen wir...
aus den in den ersten Kommentaren beschriebenen Gründen. Wenn Sie stationär sind, kommen alle bekannten Probleme (Baugenehmigung etc.) auf einen zu. Ist das Haus beweglich, konkurriert es mit Wohnwagen. Und Wohnwagen sind als [...]
aus den in den ersten Kommentaren beschriebenen Gründen. Wenn Sie stationär sind, kommen alle bekannten Probleme (Baugenehmigung etc.) auf einen zu. Ist das Haus beweglich, konkurriert es mit Wohnwagen. Und Wohnwagen sind als Produkt schon nahe der Perfektion. Für mich sind kleine Häuser einfach eine Alternative zu den oft zu großen Häusern, die zudem im Alter für viele viel zu groß sind. Ich bin fest davon überzeugt, das Häuser in der Zukunft tendenziell kleiner gebaut werden. Aber das löst natürlich nicht das Problem von zu wenigem und zu teuerem Wohnraum. Das Thema ist komplex und wird uns in Zukunft beschäftigen.

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