Stil

Chalet La Muna in Aspen

Schlicht schick

Dieses Chalet ist der Traum jedes Wintersportlers mit Vorliebe für Pulverschnee und Marihuana: Mitten im nobelsten Skiort im Kifferparadies Colorado gelegen - und philosophisch fundiert eingerichtet.

Oppenheim Architecture
Donnerstag, 04.01.2018   22:31 Uhr

Der Red Mountain ist so etwas wie der Milliardärshügel in Aspen. Hier sind die Grundstückspreise am höchsten, hier wohnen die 0,1 Prozent. Diejenigen, die noch mehr Geld haben als die restlichen Bewohner der ohnehin schon extrem wohlhabenden Gemeinde in Colorado. Die Eltern von Amazon-Gründer Jeff Bezos haben hier ein Haus, ebenso die Erbin von Wal-Mart oder ein Enkel des Kaugummi-Krösus' Wrigley.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Architekten von Oppenheim Architecture bei der Renovierung dieses Chalets nicht all die kleinen Macken beseitigt haben, die im Laufe mehrerer Umbaumaßnahmen in den vergangenen 30 Jahren verschlimmbessert wurden. Stattdessen besannen sich die vier Architekten um Chad Oppenheim auf das japanische Prinzip des Wabi-Sabi, wonach im Unvollkommenen das Schöne liegt. Die Ästhetik des Unperfekten.

Was zunächst nach einer philosophisch fundierten Ausrede für bauliche Mängel klingt, meint eigentlich eine vom Zen-Buddhismus inspirierte Art, auf die Dinge zu schauen. Beim Wabi-Sabi geht es um das Werden und Vergehen, Patina und Gebrauchsspuren sind gewünscht - zum Beispiel in Form verrosteter Profile für die Dachbalken, aufbereiteter Holzböden und Wandverkleidungen oder verwitterter Steine.

Oppenheim Architecture

Oppenheim Architecture: La Muna

Dazu passen grobe Naturmaterialien wie Leder und Holz. Oppenheim und sein Team entschieden sich für 250 Jahre alte Esche, Eiche und Graue Walnuss. Ein paar Felle, Sofas mit Leinenstoff, Beistelltische aus versteinertem Holz und ein wenig Vintagemobiliar - fertig ist der archaische Luxus-Look für drei Stockwerke mit insgesamt 325 Quadratmetern, die durch zwei kleine Anbauten erweitert wurden.

Im Erdgeschoss liegen ein großer Gesellschaftsraum mit angrenzendem Billardzimmer sowie drei Schlafzimmer. Das darüber liegende Stockwerk ist zurückversetzt gebaut und bietet Platz für die geräumige Küche, eine Kaminecke und einen großen Esstisch. Unter dem Dach schlafen die Eigentümer mit Panoramafenster auf die umliegenden Berge.

"Das Haus ist für einen minimalen Ressourcenverbrauch konzipiert und soll sich perfekt in die idyllische Landschaft aus Wäldern, Bergen und Bächen einfügen", schreibt der Architekt über sein Konzept. Den ersten Teil erledigen Solarkollektoren auf dem Dach, den zweiten Teil das gelungene Designkonzept von Chad Oppenheim.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief : La Muna.

Lage: Aspen, Colorado, USA.

Zimmerzahl: Vier Schlafzimmer, vier Bäder, Wohn- und Esszimmer, Lounge, Billardzimmer, Spabereich.

Garten: Das Haus steht auf einem großen Hanggrundstück. Im Garten gibt es eine Feuerstelle und ein Jacuzzi.

Extras: Zwei Kamine, Sauna und eine Natursteinbadewanne mit Blick auf die Berge.

Stilfaktor: Wabi-Sabi ist zwar die Ästhetik des Unvollkommenen, doch man muss schon mit der Lupe suchen, um hier etwas zu finden, das nicht rundum gelungen ist.

Wer fühlt sich hier wohl? Paris Hilton,

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La Muna: Luxus-Chalet mit japanischem Einschlag

Zen-Buddhisten mit Hang zum Luxus, Old money und kiffende Skifahrer.

Unbedingt mitbringen! Ihre Gucci-Sweater können Sie getrost zu Hause lassen. In Aspen geht es tatsächlich mehr ums Skifahren, denn ums Gesehenwerden. Pelzmäntel wie in St. Moritz sind hier vollkommen fehl am Platz, außerdem ist es zu warm dafür. Unverzichtbar sind aber wieder verwendbare Einkaufstüten, da in der Stadt ein Plastiktütenverbot herrscht. Tüten voll Gras hingegen sind nicht verboten. In Colorado ist Cannabis legal und akzeptiert.

Nachbarn: Hedgefondsmanager und Firmenerben.

Unterhalt: Hier ist alles teuer. Selbst das kleine Frühstück auf dem Weg zur Piste kostet ein kleines Vermögen. Vielleicht hat ja einer der Nachbarn einen Anlagetipp für Sie.

Altersgerechtes Wohnen: Die frische Luft, regelmäßige Bergwanderungen und Skigymnastik werden dafür sorgen, dass Sie sich darum keine Sorgen machen müssen - fit bis ins Grab.

Weitere Infos: Mehr erfahren Sie hier in unserer Bildergalerie, oder bei Oppenheim Architecture.

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