Wirtschaft

Drohneneinsätze

"Den Knopf drücken die anderen"

Laut einer neuen Studie verdienen europäische Firmen an US-Drohneneinsätzen. Der Journalist Pratap Chatterjee erklärt die Hintergründe des Geschäfts.

DPA

US-Drohne RQ-1 Predator

Ein Interview von
Freitag, 19.05.2017   09:48 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Hunderte Studien und Regierungsdokumente zum Drohneneinsatz der Amerikaner studiert, was zeigen die?

Chatterjee: Sie zeigen vor allem, wie sehr sich Unternehmen in diese fragwürdige, milliardenschwere Kriegsführung haben einbinden lassen. Der Drohnenkrieg in Ländern wie Afghanistan wird wohl zu 50 Prozent von privaten Unternehmen bestritten. Allein für das computergestützte Bodensystem, quasi das Hirn der Operation, sind 160 Firmen angeheuert worden. Ihre Namen stehen in der Datenbank der Regierungsaufträge.

SPIEGEL ONLINE: Welche Firmen waren das?

Chatterjee: Normale IT-Firmen. Verträge über Drohnentechnologie werden mit den üblichen Verdächtigen wie General Atomics oder Northrop Grumman abgeschlossen. Aber selbst die Steuerung mancher Drohnen wird ausgelagert.

SPIEGEL ONLINE: Das macht nicht das Militär?

Chatterjee: Die meisten Drohnen werden von Soldaten geflogen, aber viele von denen quittieren ihre Jobs wegen des psychischen Drucks. Deshalb bezahlt die Armee auch private Firmen wie etwa Aviation Unmanned in Texas. Die Firma wird von Militärveteranen geführt und hat Drohnenpiloten im Angebot. Nur wenn es ans Töten geht, müssen diese Auftragnehmer abgelöst werden. Den Knopf drücken die anderen - das muss ein Soldat machen.

SPIEGEL ONLINE: Sind europäische Firmen beteiligt?

Chatterjee: Ja, die britische Firma BAE Systems als einer der größten europäischen Rüstungsproduzenten ist etwa mit Drohnensoftware ebenso beteiligt wie Satellitenfirmen - etwa Intelsat oder SES, die in Luxemburg sitzen.

SPIEGEL ONLINE: Warum die?

Chatterjee: Die Daten der Drohnen werden über Satelliten in die USA geschickt. Die amerikanischen Militärsatelliten sind allerdings überlastet. Deswegen nutzt die US-Armee die europäischen Stationen.

SPIEGEL ONLINE: Könnten die Firmen das verhindern?

Chatterjee: Natürlich, aber sie wollen das offenbar gar nicht, weil dies lukrative Verträge sind. Allerdings gab es bereits Klagen gegen einige Firmen wegen Verstößen gegen OECD-Grundsätze.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt Deutschland?

Chatterjee: Nach bisherigem Wissen die einer so enannten Relaisstation zur Datenübertragung. Die Drohnendaten werden über US-Stützpunkte in Südkorea, Hawaii, Kalifornien, aber auch über Ramstein in die USA übermittelt, wo dann die Raketen per Knopfdruck ausgelöst werden. Und eben oft Unschuldige treffen.

insgesamt 10 Beiträge
michelinmännchen 19.05.2017
1. Ich wäre dafür
den Einsatz von Drohnen mit dem von biologischen und chemischen Kampfstoffen gleichzusetzen und zu ächten. Interessant hierzu auch das Interview mit Sonia Kennebeck bei Jung und Naiv, ab heute Abend auch im Kino: "National [...]
den Einsatz von Drohnen mit dem von biologischen und chemischen Kampfstoffen gleichzusetzen und zu ächten. Interessant hierzu auch das Interview mit Sonia Kennebeck bei Jung und Naiv, ab heute Abend auch im Kino: "National Bird".
johnnys-84 19.05.2017
2. Welche Rolle spielt Deutschland?
Solange Drohnen-angriffe vom Deutschen Boden ausgehen oder direkt / indirekt mit strategischen Daten beliefert werden (s. Ramstein) ist die Rolle von Deutschland klar. Es macht mit beim "Morden". Ein Begriff der immer [...]
Solange Drohnen-angriffe vom Deutschen Boden ausgehen oder direkt / indirekt mit strategischen Daten beliefert werden (s. Ramstein) ist die Rolle von Deutschland klar. Es macht mit beim "Morden". Ein Begriff der immer wieder gern vermieden wird um etwas zu legitimieren was eindeutig nicht legitimiert werden kann. Zumindest "heimtückisch, grausam und habgier" sollten ja zutreffend sein (https://dejure.org/gesetze/StGB/211.html). Ich bin immer wieder fassungslos wie solche Themen z.b. im aktuellen Wahlkampf komplett unterm Tisch fallen und die Mehrheit der Wähler (von CDU, SPD, Grüne etc.) gern mal vergessen was die da für eine Partei unterstützen.
karljosef 19.05.2017
3. Zum Nachdenken:
Im zweiten Weltkrieg wurden unmenschliche Verbrechen begangen, teilweise "nur auf Befehl"! Noch heute werden die entsprechenden Personen vor Gericht gestellt. Drohnenangriffe sind heute noch nicht strafbar! Mal [...]
Im zweiten Weltkrieg wurden unmenschliche Verbrechen begangen, teilweise "nur auf Befehl"! Noch heute werden die entsprechenden Personen vor Gericht gestellt. Drohnenangriffe sind heute noch nicht strafbar! Mal sehen, wie es in 10,20,30 Jahren aussieht! Nachdenkliche Grüße
susuki 19.05.2017
4.
Hilft nichts, Krieg ist schmutzig. Die Mörder und Sklavenhalter sind nicht anders aufzuhalten.
Hilft nichts, Krieg ist schmutzig. Die Mörder und Sklavenhalter sind nicht anders aufzuhalten.
karljosef 19.05.2017
5. Nein, ich möchte nicht an den einzigen Staat erinnern, der Atombomben bisher eingesetzt hat,
die erste um das Kriegsende zu beschleunigen, oder wie erzählte man, die zweite, öööhhhm, ach ja, um es noch schneller herbeizuführen, oder? Wie dieser Staat gestern über das Gleichgewicht des Schreckens sprach, naja, [...]
die erste um das Kriegsende zu beschleunigen, oder wie erzählte man, die zweite, öööhhhm, ach ja, um es noch schneller herbeizuführen, oder? Wie dieser Staat gestern über das Gleichgewicht des Schreckens sprach, naja, heute ist er etwas anderer Meinung... Nein, zurück zum Thema, man stelle sich einmal vor, Drohnen würden über *God's Own Country* eingesetzt werden können, wie groß wäre wohl das *Geschrei*, diese zu verbieten.
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