Wirtschaft

Umfrage zur Kryptowährung

Je jünger, desto Bitcoin

Der Bitcoin-Hype hat auch Deutschland erfasst. Eine Umfrage für SPIEGEL ONLINE zeigt aber einen Generationsunterschied: Jeder Dritte der unter 40-Jährigen sieht in der Digitalwährung eine reelle Geldanlage.

Getty Images

Bitcoin

Freitag, 01.12.2017   19:10 Uhr

Wild, rasant, atemberaubend: Börsenanalysten pflegen eine Vorliebe für starke Adjektive, wenn sie Kursverläufe beschreiben - und übertreiben dabei häufig. Auf das aber, was in den letzten Monaten und insbesondere in dieser Woche mit dem Wert des Bitcoin passiert ist, passen diese Umschreibungen mit Sicherheit. Von rund 8000 Dollar am Montag stieg der Kurs am Mittwoch zwischenzeitlich auf 11.800 Dollar - brach dann aber um mehr als 2000 Dollar ein und steuert an diesem Freitag wieder Richtung 11.000 Dollar.

Kein Zweifel, weltweit gibt es einen Bitcoin-Hype. Doch wie stehen die Deutschen der Kryptowährung gegenüber? Kommt der Bitcoin für sie als Geldanlage in Frage? Haben sie bereits gekauft? Und ist die Digitalwährung ihnen überhaupt ein Begriff?

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE zeigt: Der Bitcoin ist in Deutschland inzwischen fast überall bekannt. Nur vier Prozent der Bürger wussten nicht, worum es sich dabei handelt.

Als Geldanlage jedoch führt der Bitcoin in Deutschland noch ein Nischendasein. Knapp 15 Prozent der Bürger planen "eher" oder "auf jeden Fall", Bitcoin zu kaufen oder haben es bereits getan. Mehr als drei Viertel der Bürger haben das jedoch nicht vor, 64 Prozent antworten sogar mit einem entschiedenen "auf keinen Fall".

Damit spiegelt die Umfrage ziemlich genau die Vorlieben der Deutschen bei der Geldanlage wieder: Nur 14 Prozent der Bürger besitzen Umfragen zufolge überhaupt Aktien oder Aktienfonds - also Geldanlagen, die auch Verluste einbringen können. Der Rest legt sein Geld lieber ohne Risiko an - auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten.

Die Civey-Umfrage offenbart allerdings einen erheblichen Unterschied zwischen den Generationen: Je jünger, desto Bitcoin. Bei den unter 30-Jährigen besitzt fast jeder Zehnte bereits die Kryptowährung, weitere 27,3 Prozent plant den Kauf. Damit gilt der Bitcoin in dieser Altersgruppe bei mehr als jedem dritten Befragten als sinnvolle Geldanlage.

Mehr zum Thema: Was sie zum Thema Bitcoin wissen sollten

Bei den Befragten von 30 bis 39 Jahren zeigt sich ein ähnliches Bild, hier ist es exakt ein Drittel, die Bitcoins entweder bereits besitzen oder den Kauf planen. Allerdings ist in dieser Altersgruppe auch der Anteil derer wesentlich größer als bei den Jüngeren, die "auf keinen Fall" in die Kryptowährung investieren wollen (43,4 zu 33,8 Prozent).

Weit zurückhaltender sind die älteren Befragten - bei den Altersgruppen über 40 Jahren steht jeweils eine deutliche absolute Mehrheit dem Bitcoin-Kauf entschieden ablehnend gegenüber. Doch auch ihnen ist die Digitalwährung ein Begriff, selbst bei den über 65-Jährigen gaben nur rund vier Prozent an, den Bitcoin nicht zu kennen.

Kaum eine Rolle bei der Haltung zum Bitcoin scheint hingegen zu spielen, wie viel Geld man überhaupt zur Verfügung hat. Angesichts des hohen Risikos wäre es durchaus denkbar, dass vor allem Menschen mit hohen Einkommen mit einem Kauf liebäugeln - quasi als Spielgeld mit hohen Gewinnchancen, dessen Verlust aber zu verschmerzen wäre. Unterteilt man die Befragten aber anhand ihrer Kaufkraft, unterschieden sich die Antworten kaum. Auch die Schulbildung oder der Beschäftigungsstatus wirkte sich nicht auffällig auf die Antworten aus.

Tatsächlich scheint es eine Frage des Alters zu sein, wie offen jemand dem Bitcoin-Kauf gegenübersteht.


Sie wollen die Frage zum Thema Bitcoin auch beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi

insgesamt 27 Beiträge
Mehrleser 01.12.2017
1.
Naja, Geldanlagen waren immer Altersabhängig, und man sollte die Fingern von Dingen lassen, die man nicht versteht - auch wenn gefühlt sogar die Apothekenumschau über Blockchain, Bitcoin und Mining berichtet. Ich empfehle als [...]
Naja, Geldanlagen waren immer Altersabhängig, und man sollte die Fingern von Dingen lassen, die man nicht versteht - auch wenn gefühlt sogar die Apothekenumschau über Blockchain, Bitcoin und Mining berichtet. Ich empfehle als seriöse Alternative Hunde- und Pferderennen.
thecali 01.12.2017
2. hätte hätte fahrradkette
manchmal könnte ich mich ja fast ärgern das ich damals zu einem kurs von 10 euro nicht gekauft habe :D aber bis jetzt hätte ich die coins dann wohl auch nicht gehalten.
manchmal könnte ich mich ja fast ärgern das ich damals zu einem kurs von 10 euro nicht gekauft habe :D aber bis jetzt hätte ich die coins dann wohl auch nicht gehalten.
tailspin 01.12.2017
3. Je juneger, desto Bitcoin
Kann ich bestaetigen. Meine technische begabte 16 jaehrige Toechter hat sich vor Monaten mit Hilfe von einem Hacker-Freund aus dem Computerkurs der Schule einen leistungsfaehigen Computer aus Komponenten kostenguenstig [...]
Kann ich bestaetigen. Meine technische begabte 16 jaehrige Toechter hat sich vor Monaten mit Hilfe von einem Hacker-Freund aus dem Computerkurs der Schule einen leistungsfaehigen Computer aus Komponenten kostenguenstig zusammengeschraubt. Jetzt laueft der im Dauerbetrieb um Bitcoin, Litecoin, Dagecoin und wie sie alle heissen zu 'minen'. Fun!
gman87 01.12.2017
4. In meinem Bekanntenkreis..
..haben tatsächlich über 50% meiner Freunde Bitcoins! Die Altersgruppe ist in der Tat unter 40 :) Davon haben sich auch viele mal in die Materie eingelesen, also die Papers dazu studiert und Nachforschung betrieben - sind auch [...]
..haben tatsächlich über 50% meiner Freunde Bitcoins! Die Altersgruppe ist in der Tat unter 40 :) Davon haben sich auch viele mal in die Materie eingelesen, also die Papers dazu studiert und Nachforschung betrieben - sind auch alle (so wie ich) aus dem Mathe/Informatik-Bereich. Ich denke, die richtige Begeisterung kann auch erst aufkommen, wenn man das entsprechende Hintergrundwissen hat, dass man die technischen Papers überhaupt kapiert, denn erst dann merkt man, was für eine absolut geniale, und vor allem bis vor 10 Jahren noch mathematisch gar nicht umsetzbare (Generäleproblem war noch nicht gelöst!) Technik hinter Bitcoin steht, und dass es eben nicht nur "ein anderer Kaufhof Bonus-Dollar" ist oder sowas. Kann schon verstehen, dass Leute, die eh gar nicht die technischen Details kennen oder verstehen, auch gar keinen Anreiz in dem ganzen sehen und nur sagen "Casino". Aber leider schützt Dummheit nicht vor Strafe, was eigentlich etwas unfair ist, imo.
starko 01.12.2017
5. eine neue "Tulpenmanie"
Hallo, ich empfehle mal einen erhellenden Beitrag zum Thema, den ich auf den Nachdenkseiten gefunden habe. http://www.nachdenkseiten.de/?p=41366 Was ich z.B. auch noch nicht gewusst habe ist, wie energieintensiv diese sog. [...]
Hallo, ich empfehle mal einen erhellenden Beitrag zum Thema, den ich auf den Nachdenkseiten gefunden habe. http://www.nachdenkseiten.de/?p=41366 Was ich z.B. auch noch nicht gewusst habe ist, wie energieintensiv diese sog. Währung ist, eine Transaktion benötigt z.B. rd. 300 kwh Strom, ist also eher nichts ökologisch Denkende. Wer als letzter auf den Zug aufspringt zahlt den höchsten Preis. Mal sehen, wie lange der Hype noch läuft.

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP