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Günstige Tarife

Warum Sie jetzt Ihren Handyvertrag überprüfen sollten

Handyverträge werden seit Jahren immer günstiger. Trotzdem halten viele Kunden aus Bequemlichkeit an ihrem alten Tarif fest. Dabei lohnt sich ein Wechsel oft wirklich - fragt sich nur, wie lange noch.

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Handyvertrag zu teuer?

Eine Kolumne von
Samstag, 10.06.2017   15:39 Uhr

Vor eineinhalb Jahren habe ich mit meinen Kollegen über den Handyrechnungen von Berliner Verbrauchern gebrütet und war verblüfft. Die Kunden gaben regelmäßig pro Vertrag und Monat 10 bis 20 Euro zu viel aus. Die Mehrausgaben läpperten sich für viele Haushalte auf 500 Euro und mehr pro im Jahr.

Damals entschieden wir, uns intensiver um diese Kosten im Haushalt zu kümmern. Und wir begannen mit der Arbeit an einem eigenen Handy-Tarifrechner. Einfach zu bedienen sollte er sein, nicht nur für "Digital Natives", sondern auch für Oma und Opa. Und vor den Fußangeln im Handytarifdschungel sollte er die Verbraucher bewahren: Wenn der Tarif in den ersten Monaten in der Grundgebühr besonders günstig ist, dann aber zu einer bedeutend höheren Gebühr weiterläuft, ist das auf Dauer eben kein gutes Geschäft. Manchmal steigt die Grundgebühr auch erst nach zwei Jahren, was in manchem Vergleichsrechner untergeht. Auf solche Preissprünge sollte ausreichend hingewiesen werden.

Es gibt eine Reihe kleinerer und größerer Firmen, die die Daten für solche Tarifrechner schon zur Verfügung haben. Also suchten wir eine solche Firma mit guten Daten und begannen, einen eigenen Rechner zu entwickeln.

Unterdessen haben wir 1100 Verbraucher zu ihren Handyverträgen befragt. Dabei stellten wir fest: Einer der wichtigsten Gründe, warum viele Haushalte so viel fürs mobile Telefonieren und Surfen ausgeben, ist, dass sie in alten Verträgen verharren. Alte Verträge sind im Mobilfunk teure Verträge, weil die Kosten für die Handynutzung seit der Smartphone-Revolution vor zehn Jahren drastisch gefallen sind.

Ein Beispiel: Die erste Flatrate in alle Netze (Allnet-Flat) kostete bei Freenet 2007 noch rund 90 Euro im Monat. 2012 war der Preis für eine solche Flatrate inklusive SMS-Flat auf 25 Euro gefallen. Und heute kann man in alle Netze telefonieren und simsen sowie mobil surfen für weniger als zehn Euro, zumindest wenn man Großstädter ist. Denn dann reicht oft ein Tarif vom Mobilfunk-Discounter im O2-Netz. Dorfbewohner in Vorpommern oder am Niederrhein brauchen unter Umständen eines der beiden besseren D-Netze von Vodafone und der Telekom. Aber auch im D-Netz gibt es eine Allnet-Flat mit ordentlichem Datenvolumen heute für etwa 25 Euro im Monat.

Und warum hat dann nicht jeder eine solche preiswerte Flatrate? Unsere repräsentative Befragung bei über 18-Jährigen mit Handyvertrag ergab: Viele Kunden wechseln den Handyvertrag viel zu selten, um von den aktuell günstigsten Angeboten zu profitieren. Wer gar nicht oder nur selten wechselt, bleibt in alten und teuren Verträgen hängen. Die Umfrage zeigte: Fast ein Drittel der Kunden sagt, ihre Verträge seien mindestens drei Jahre alt. Ein Sechstel aller Kunden hat Tarife, die fünf Jahre alt sind oder älter. Und bei sieben Prozent stammt der Vertrag sogar aus der Zeit vor Einführung des iPhone.

Gut 130 Millionen Sim-Karten sind im Umlauf, es geht also um zig Millionen Verträge. Und um sehr viel Geld: Zwischen 25 und 30 Milliarden Euro geben Kunden hierzulande Jahr für Jahr für mobiles Telefonieren und Surfen aus.

Besonders treu und damit unklug verhalten sich ältere Kunden. Sie bleiben länger in ihren alten Verträgen und bezahlen deshalb oft mehr als nötig. 59 Prozent der über 60-Jährigen haben laut unserer Umfrage einen Vertrag, der älter als zwei Jahre ist, bei den Kunden unter 60 sind es lediglich 44 Prozent.

Im Jahr 2017 ist solche Nibelungentreue ein erheblicher wirtschaftlicher Nachteil, weil die Preise in den vergangenen Jahren so deutlich gefallen sind. Das muss allerdings nicht für alle Zeiten so bleiben. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Zeit der absoluten Billigtarife vorbeigehen könnte. Denn der spanische Telefonkonzern Telefónica (O2) hat den preiswerten Anbieter E-Plus aufgekauft, und 1&1 schickt sich gerade an, die Preisbrecher von Drillisch zu schlucken.

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Fallen besonders günstige Anbieter weg, fehlt der Druck auf alle anderen, noch billiger zu werden. Zugleich werden den Mobilfunkanbietern Einnahmen entgehen. Denn ab Mitte Juni sind die Roaming-Gebühren in der EU Geschichte. Ein Telefonat von einem deutschen Handy von Barcelona nach Hamburg kostet dann genauso viel wie eines von Buxtehude nach Hamburg.

Vergleichen Sie die Preise, solange sie noch fallen! Vielleicht nehmen Sie sogar einen Vertrag mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Eigentlich sind ja monatlich kündbare Verträge besser, aber monatlich kündigen darf dann auch der Anbieter. In einem Zweijahresvertrag darf der Anbieter nicht einfach die Preise hochsetzen oder Sie rauswerfen (auch wenn es manche versuchen, wie Winsim im März dieses Jahres).

Die Jugend ist im Fall der Handyverträge klüger. In meinem Seminar angehender Berufsschullehrer an der TU Berlin haben diese Woche gerade noch 3 der 40 Teilnehmer angegeben, dass bei ihnen die monatliche Handyrechnung höher als 30 Euro sei. Machen Sie's den 37 anderen Studierenden nach.

insgesamt 40 Beiträge
observerlbg 10.06.2017
1. Ha, ha, gleich folgen hier wieder die Geschichten über die Kündigung alter Verträge....
Wer einmal einen Handyvertrag gekündigt hat, kann Horrorgeschichten erzählen über ständige Anrufe und Emails mit neuen exklusiven Angeboten. Über Hinhaltepraktiken, über Dauernervereien, die fast den Straftatbestand der [...]
Wer einmal einen Handyvertrag gekündigt hat, kann Horrorgeschichten erzählen über ständige Anrufe und Emails mit neuen exklusiven Angeboten. Über Hinhaltepraktiken, über Dauernervereien, die fast den Straftatbestand der Nötigung entsprechen. Ja, ich bin auch ein gebranntes Kind. Meine Kommunikationsverträge sind derzeit preiswert, aber nicht ideal. Eine echte Flatrate für mobile Geräte gibt es nicht wirklich. Selbst im professionellen Bereich musste mein Arbeitgeber kämpfen, dass LTE oder wenigstens UMTS immer zur Verfügung steht. Das kann dann schon sehr teuer werden. Und SMS nutzt doch wohl mittlerweile Niemand mehr ernsthaft, außer in Not.
aussenminister 10.06.2017
2. Handytarife
Beim Discounter, an der Tankstelle überall die schnäppchenjäger, aber Strom, Gas, Handy,Krankenversicherung oh nein. Dabei ist es so einfach, aber viele meinen dann steh ich ohne Strom, Gas da, und ohne Telefon geht gar nicht. [...]
Beim Discounter, an der Tankstelle überall die schnäppchenjäger, aber Strom, Gas, Handy,Krankenversicherung oh nein. Dabei ist es so einfach, aber viele meinen dann steh ich ohne Strom, Gas da, und ohne Telefon geht gar nicht. So spekulieren diese Anbieter, blockieren gerne den Wechsel , Vodafone ist da Meister. Aber traut euch, macht es, ihr könnt nur gewinnen.
samsonnight 10.06.2017
3. Es geht auch günstiger
Hallo Herr Teilhaben! Eine Allnet-Flat inkl. SMS Flat im Vodafone Netz mit 2GB (oder auch 4GB) gibt es bei Freenetmobile sogar schon für 12€ (15€). Also noch viel günstiger als im Artikel beschrieben. Das aber nur so nebenbei.
Hallo Herr Teilhaben! Eine Allnet-Flat inkl. SMS Flat im Vodafone Netz mit 2GB (oder auch 4GB) gibt es bei Freenetmobile sogar schon für 12€ (15€). Also noch viel günstiger als im Artikel beschrieben. Das aber nur so nebenbei.
Silver.Surfer 10.06.2017
4. Wie immer zu oberflächlich
Wie meistens bedient Herr Tenhagen hier ein vielschichtiges Thema mit vermeintlich einfachen Antworten. Vielleicht sollte er mal in Betracht ziehen, dass es nicht für jeden Verbraucher darauf ankommt, auf Gedeih und Verderb das [...]
Wie meistens bedient Herr Tenhagen hier ein vielschichtiges Thema mit vermeintlich einfachen Antworten. Vielleicht sollte er mal in Betracht ziehen, dass es nicht für jeden Verbraucher darauf ankommt, auf Gedeih und Verderb das billigste am Markt zu kaufen. Es gibt nach wie vor Kunden, denen ist ein umfassender Vor-Ort-Service z.B. in einem gut geführten Shop der großen Netzbetreiber lieber, als das super billige Schnäppchenangebot von Discounter xy. Auch Features, die es nur beim Netzbetreiber gibt, können interessant sein, z.B. O2´s Free-Verträge oder Telekoms Stream On. Und ein Vertrag jenseits der 30,-€ kann sich mit subventioniertem Endgerät auch heute noch rechnen, wenn man den Vertrag entsprechend nach Ablauf der 2 Jahre wieder aktualisiert. Und noch etwas: Die Bezeichnungen "D-Netz" und "E-Netz" sollten von einem gut informierten Journalisten in 2017 wirklich nicht mehr benutzt werden, da mittlerweile alle Betreiber sowohl sogenannte D- als auch E-Frequenzen nutzen.
lindenbast 10.06.2017
5.
Natürlich bezahle ich zu viel. Glücklicherweise kann ich es mir leisten, folgende Rechnung aufzumachen: Wenn ich meinen Vertrag wechsle, spare ich einen Betrag X. Dieser Wechsel verursacht aber, wie ich aus Erfahrung weiß, [...]
Natürlich bezahle ich zu viel. Glücklicherweise kann ich es mir leisten, folgende Rechnung aufzumachen: Wenn ich meinen Vertrag wechsle, spare ich einen Betrag X. Dieser Wechsel verursacht aber, wie ich aus Erfahrung weiß, Ärger und Verdruss, Fahrten in die nahegelegene Stadt, um mich in der Filiale zu beschweren (weil man an der Hotline niemanden an die Strippe kriegt - der Computer erkennt nämlich die Nummer nicht, was lustigerweise genau das Problem darstellt, weshalb ich anrufe), also Zeitverlust plus Benzin- und Parkhauskosten, vorübergehende Unerreichbarkeit, weil die Nummernportierung hakt, etc. pp. Die paar Euro sind mir diese Einbuße an Lebensqualität schlicht nicht wert.

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