Wirtschaft

EU-Vergleich

Deutschland rückt bei Arbeitskosten auf Platz sechs vor

Wie viel müssen Firmen im Schnitt für eine Stunde Arbeitseinsatz berappen? Deutschland liegt bei diesen Kosten im EU-Schnitt nur im Mittelfeld. Doch es gibt eine Ausnahme: Besonders viel Geld kosten deutsche Industriearbeiter.

AP

Arbeiter in einem Siemens-Werk

Mittwoch, 16.05.2018   11:15 Uhr

Der Einsatz des Produktionsfaktors Arbeit ist in der deutschen Wirtschaft teurer als im europäischen Durchschnitt. Im Schnitt kostete eine Arbeitsstunde 2017 34,50 Euro. Das geht aus der jährlichen Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervor.

Im Mittel kostet eine Arbeitsstunde damit in Deutschland 31 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt (26,30 Euro). Deutschland rangiert unter den 28 EU-Mitgliedern insgesamt im oberen Mittelfeld, auf Position sechs. Dänemark hatte mit 43,60 Euro die höchsten Arbeitskosten je Stunde, Bulgarien mit 4,90 Euro die niedrigsten.

Die vollständige Liste finden Sie auf Destatis.de.

Erfasst wurden Arbeitsplätze in der Industrie sowie in wirtschaftlichen Dienstleistungen, also ohne den öffentlichen Dienst. Besonders hoch waren die Arbeitskosten in der deutschen Industrie. Dort kostete eine Arbeitsstunde durchschnittlich 40,20 Euro. Das waren 49 Prozent mehr als im EU-Schnitt und Rang vier im Europa-Vergleich.

Allerdings sind sehr hohe Arbeitskosten nicht gleichbedeutend mit einer schlechteren Wettbewerbsfähigkeit. Sie können beispielsweise dadurch ausgeglichen werden, dass auch die Produktivität höher ausfällt.

Interessant ist auch die Entwicklung der Arbeitskosten in der EU im Zeitablauf. 2012 lag Deutschland im EU-Vergleich noch auf Platz acht. Das Wachstum der Arbeitskosten lag in Deutschland mit knapp 12 Prozent über fünf Jahre allerdings nur leicht über dem Plus im EU-Mittel (11,3 Prozent). Deutlicher fällt der Unterschied wiederum in der Industrie aus: Seit 2012 lag das Plus dort in Deutschland bei etwa 14 Prozent, EU-weit aber bei 9,5 Prozent.

Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen, zu denen unter anderem die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen zählen. Im vergangenen Jahr zahlten die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 28 Euro Lohnnebenkosten. Damit lagen die Lohnnebenkosten den Angaben zufolge unter dem EU-Schnitt von 31 Euro.

beb/dpa

insgesamt 44 Beiträge
tomo1 16.05.2018
1. Leistungsbilanzueberschuss
Soviel zum Thema unser Leistungsbilanzueberschuss sei auf Billigloehne zurueckzufuehren. Bei den relevanten Lohnkosten in der Industrie (und das ist ja, wo der deutsche Ueberschuss herkommt) sind wir in der europaeischen [...]
Soviel zum Thema unser Leistungsbilanzueberschuss sei auf Billigloehne zurueckzufuehren. Bei den relevanten Lohnkosten in der Industrie (und das ist ja, wo der deutsche Ueberschuss herkommt) sind wir in der europaeischen Spitzengruppe.
gerecht89 16.05.2018
2. So ist es auch gerecht
Wie kann man die EU mit Deutschland überhaupt vergleichen Bulgarien.... klar kostet in Deutschland 1Arbeitsstunde mehr so muss es auch sein da erstens hier die Arbeitsmoral viel höher ist und die Leben Erhaltung kosten um das [...]
Wie kann man die EU mit Deutschland überhaupt vergleichen Bulgarien.... klar kostet in Deutschland 1Arbeitsstunde mehr so muss es auch sein da erstens hier die Arbeitsmoral viel höher ist und die Leben Erhaltung kosten um das doppelte bis fünffache So hoch sind wie in anderen EU Ländern und was alle Firmen und Politiker gerne bei ihrem sparwahnsinn vergessen ohne eine gut verdienende Mittelschicht kann es keine Reiche,Rentner,Arbeitslose in Deutschland geben da die Mittelschicht alles am Leben hält!!! Klar ist es schön das ein BMW Werk in Indien nur 20% der Personalkosten hat wie ein Werk in Deutschland aber kann sich ein BMW Mitarbeiter in Indien auch den Neuen BMW kaufen? Aber so machen sich früher oder später alle Firmen selbst kaputt....
ayberger 16.05.2018
3. Wenn wir dann auf Platz 1 stehen,
der Export einbricht, die Zahlungsbilanz endlich ausgeglichen ist und Millionen Arbeitslose auf derStraße stehen, dann haben wir endlich das ersehnte Ziel erreicht, HerrTrump und alle europäischen Staaten werden nur noch [...]
der Export einbricht, die Zahlungsbilanz endlich ausgeglichen ist und Millionen Arbeitslose auf derStraße stehen, dann haben wir endlich das ersehnte Ziel erreicht, HerrTrump und alle europäischen Staaten werden nur noch jubeln, Deutschland am Boden und voll mit Flucht und Asyl und noch mehr Zahlungen an den Moloch EU , das ist die Lösung aller Probleme ...
joG 16.05.2018
4. Interessant und....
...erwartet, weil wir die Zins- Währungspolitik nicht mehr für die deutschen Verhältnisse kalibriert wird und die Wirtschaften in Griechenland oder Slowakien halt andere Zinsen brauchen als Stuttgart. Wir laufen schon zu lange [...]
...erwartet, weil wir die Zins- Währungspolitik nicht mehr für die deutschen Verhältnisse kalibriert wird und die Wirtschaften in Griechenland oder Slowakien halt andere Zinsen brauchen als Stuttgart. Wir laufen schon zu lange heiß. Das wird auch so sein und war es in der letzten Rezession, als sich die schlechte Wirtschaft und Arbeitslosigkeit viel länger hielten krasser waren als mit flexibler Währung notwendig. Sie war auch nur daher nicht viel schlimmer wrgen 2010, was der SPD noch immer nachhängt und den Platz als Volkspartei kostete.
Knippi2006 16.05.2018
5. Alles Super?
Es mag ja zutreffen, dass ein großer Teil der tarifvertraglich abgesicherten Industriearbeiter zu den Spitzenverdienern in diesem Bereich in Europa gehören. Den schlanken Fuß machen sich die Unternehmen aber woanders, bei den [...]
Es mag ja zutreffen, dass ein großer Teil der tarifvertraglich abgesicherten Industriearbeiter zu den Spitzenverdienern in diesem Bereich in Europa gehören. Den schlanken Fuß machen sich die Unternehmen aber woanders, bei den eingekauften Dienstleistungen. Von den Billiglöhnen dort werden Teile der Gewinne unserer Vorzeigeindustrie gespeist.

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