Wirtschaft

AKW Hinkley Point

EuGH hält Subventionen für rechtmäßig

Europas Atomindustrie darf weiter auf Milliardensubventionen bauen. Der Europäische Gerichtshof hat eine Klage gegen staatliche Finanzhilfen für das britische AKW Hinkley Point C abgewiesen.

AFP

Entwurf für Hinkley Point

Donnerstag, 12.07.2018   14:57 Uhr

Eine Förderung der Kernenergie auch mittels Anreizen deckt sich mit dem Ziel der Euratom-Gemeinschaft, Investitionen im Bereich der Kernenergie zu erleichtern. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden. Eine Klage des Landes Österreich gegen Beihilfen für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point wurde damit abgewiesen.

Jedes Land in der EU habe zudem das Recht, zwischen verschiedenen Energiequellen zu wählen, so das Gericht weiter. Das Urteil sorgte für Empörung bei Grünen und Umweltschutzverbänden.

Hinkley Point C ist der erste AKW-Neubau in Großbritannien seit Jahrzehnten. Das Atomkraftwerk soll 2023 ans Netz gehen. Aus Sicht Österreichs, das keine Atomkraftwerke hat, sind alternative Energieformen förderungswürdig, nicht aber die Kernkraft. Außerdem sei die Förderung wettbewerbsverzerrend, hieß es 2015 zur Begründung der Klage.

Die EU-Kommission hatte die britischen Beihilfen 2014 genehmigt. Österreich hat eine ähnliche Klage gegen den Ausbau des ungarischen Atomkraftwerks Paks eingebracht.

Der EuGH stützte sein Urteil auf den Euratom-Vertrag von 1957, der die Förderung der Atomkraft erlaubt. Großbritannien hatte den AKW-Betreibern einen hohen garantierten Einspeisetarif für 35 Jahre zugesagt. Nach Berechnungen von Greenpeace lässt sich die britische Regierung den Reaktor in dieser Zeit rund 108 Milliarden Euro an Subventionen kosten.

"Ein schwarzer Tag für die Energiewende in Europa", sagte die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, zu der EuGH-Entscheiung. Atomwillige Länder könnten sich nun auf wohlwollende Entscheidungen für horrende und völlig absurde AKW-Beihilfen verlassen. "Die heute schon tatsächlich viel günstigeren Erneuerbaren Energien geraten durch dieses Urteil ins Hintertreffen", sagte die Grünen-Politikerin.

ssu/AFP/dpa-AFX

insgesamt 21 Beiträge
ambulans 12.07.2018
1. unter
den maßgeblichen finanziers von hinkley point soll sich doch auch die peoples republic of china befinden, nicht?
den maßgeblichen finanziers von hinkley point soll sich doch auch die peoples republic of china befinden, nicht?
archi47 12.07.2018
2. als nationale politische Entscheidung zulässig
Trotzdem mal die schriftliche Begründung abwarten. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Subventionen aus Steuergeldern, die nachweisbar unwirtschaftlich sind und niemals rentierlich werden, sondern unkalkulierbare [...]
Trotzdem mal die schriftliche Begründung abwarten. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Subventionen aus Steuergeldern, die nachweisbar unwirtschaftlich sind und niemals rentierlich werden, sondern unkalkulierbare Folgekosten auslösen, nicht eine Verschwendung von Steuergeldern darstellt und aus diesen anderen Gründen justiziabel sind. Dann bräuchten wir ja keine Rechnungshöfe mehr und keine Vergabeordnung mit Vergabeverfahren ...
hreisslein 12.07.2018
3. unglaublich
das riecht nach Korruption. Warum soll die EU für den Mist zahlen, die Briten wollen doch eh raus aus der Gemeinschaft. Die sollen das finanzielle Fiasko doch selber zahlen. Vom Olki 3 wohl nichts gehört und nichts gelernt.
das riecht nach Korruption. Warum soll die EU für den Mist zahlen, die Briten wollen doch eh raus aus der Gemeinschaft. Die sollen das finanzielle Fiasko doch selber zahlen. Vom Olki 3 wohl nichts gehört und nichts gelernt.
noalk 12.07.2018
4. Lasst die Briten doch ...
... ihr Geld zum Fenster rauswerfen. Wenn es die Rechtslage nun mal hergibt, hat die Umwelt halt wieder verloren. Die Erde wird's verkraften, der Mensch vielleicht nicht. Aber letztendlich sind wir dem Universum egal.
... ihr Geld zum Fenster rauswerfen. Wenn es die Rechtslage nun mal hergibt, hat die Umwelt halt wieder verloren. Die Erde wird's verkraften, der Mensch vielleicht nicht. Aber letztendlich sind wir dem Universum egal.
Sixpack, Joe 12.07.2018
5. oder doch Braunkohle?
Es wäre auch viel besser wenn die Briten genauso wie die Deutschen die (Braun)Kohle subventionieren würden. Thatcher hat ja ohnehin alles falsch gemacht aus Sicht der Deutschen. Bei der Braunkohleverbrennung wird zumindest noch [...]
Es wäre auch viel besser wenn die Briten genauso wie die Deutschen die (Braun)Kohle subventionieren würden. Thatcher hat ja ohnehin alles falsch gemacht aus Sicht der Deutschen. Bei der Braunkohleverbrennung wird zumindest noch eine ganze Menge CO2 freigesetzt. Mehr kann man sich ja nicht wünschen.

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Kernreaktoren

Thermischer Reaktor
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In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
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Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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