Wirtschaft

Teure Kraftstoffe

Die Flusspegel steigen - aber wann fallen die Spritpreise?

Niedrigwasser auf dem Rhein sei schuld an den hohen Kraftstoffpreisen, behaupten die Mineralölkonzerne seit Wochen. Nun steigen die Flusspegel wieder - doch Sprit könnte noch länger teuer bleiben.

DPA

Ölfrachter im Duisburger Hafen Ruhrort

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Donnerstag, 06.12.2018   11:41 Uhr

Auf "Jadwiga" und "Kerrin" mussten die Rheinschiffer monatelang warten. Nun aber haben die beiden Tiefdruckgebiete den Flusskapitänen das ersehnte Geschenk mitgebracht: jede Menge Regen. Zwischen 80 und 120 Liter pro Quadratmeter sind von Sonntag bis Dienstag in Teilen des Schwarzwaldes, des Odenwaldes oder von Rheinland-Pfalz vom Himmel gekommen. Das ist weit mehr als im gesamten Monat November. Und je höher die Pegel des Rheins und anderer Flüsse steigen, desto mehr Öl, Benzin oder Diesel können die Binnenschiffer wieder durch das Land transportieren.

Eigentlich sollte das auch eine gute Nachricht für Autofahrer sein. Wochenlang haben sie gerade in Süddeutschland so teuer für ihren Kraftstoff bezahlen müssen wie seit Jahren nicht mehr - obgleich die Kurse an den globalen Rohölmärkten zeitweise um 25 Prozent einbrachen. Die Mineralölbranche begründete die Hochpreise an der Zapfsäule mit dem Niedrigwasser der Flüsse. Der Transport von Öl und Kraftstoffen mit Binnenschiffen sei stark eingeschränkt, erklärte ihr Verband. Daher müssten "marktwirtschaftliche Knappheitspreise" verlangt werden.

Video vom Oktober: Historischer Pegel-Tiefstand auf dem Rhein

Foto: DPA

Wird der Sprit nun also endlich wieder billiger?

Tatsache ist, dass die Flüsse rapide anschwellen - allen voran der Rhein. Der Kauber Pegel am Mittelrhein nahe der Loreley etwa stieg zwischen Sonntag und Donnerstagmorgen Mittag von 40 auf 177 Zentimeter und soll sich laut Prognose noch weiter seinem langjährigen Mittelwert von 224 nähern. In Düsseldorf ging der Pegelstand von 39 auf 212 Zentimeter nach oben, in Iffezheim bei Baden-Baden von 65 bis auf 176.

"Die Lage hat sich deutlich entspannt: am Nieder-, Mittel- und Oberrhein", sagt Jens Schwanen, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt. "Wir nähern uns normalen Verhältnissen an und sind jetzt wieder in der Lage, deutlich mehr Fracht mit einer Fahrt mitzunehmen." Denn mehr Ladung heißt mehr Tiefgang.

"Wenn es stimmen würde, dass niedrigere Pegelstände die Verursacher für die hohen Spritpreise waren", sagt Schwanen, "dann müssten sich die Tankstellenpreise jetzt schnell wieder normalisieren."

Bisher ist davon allerdings wenig zu sehen. Laut ADAC kostet der Liter SuperE10 zurzeit im Bundesdurchschnitt 1,470 Euro und Diesel 1,369 Euro. Das sind nur rund sechs Cent weniger als vor zwei Wochen, als die Flusspegel extrem niedrig waren - und der Diesel so teuer war wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dabei kostete damals, Anfang 2013, ein Fass Brent-Rohöl 115 Dollar, heute nur noch 61 Dollar.

"Das Potenzial für Preissenkungen ist vorhanden"

Der ADAC fordert daher massive Preissenkungen. "Die Kraftstoffpreise sind trotz des Rückgangs in den vergangenen Tagen immer noch deutlich zu hoch - und das Potenzial für Preissenkungen ist vorhanden", sagt ein ADAC-Sprecher. "Dies gilt umso mehr, je schneller die Pegel jetzt steigen."

Doch die Ölkonzerne mauern. Es stimme, dass sich die Transportlage am Rhein deutlich verbessert habe, erklärt ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes. Der daraus resultierende Preisvorteil sei aber "bereits weitergegeben worden". Und: "Wir sind weit entfernt von einer Normalisierung. Die Schiffe können noch immer nicht voll beladen werden, die Transportkosten sind höher als normal." So müssten weiterhin Tanklaster anstelle von Binnenschiffen Ölprodukte durch die Republik transportieren.

"Wir müssen damit rechnen, dass die Engpasssituation sich bis ins kommende Frühjahr hineinzieht", prophezeit der Verbandssprecher. "Der Rhein hat noch nicht seinen normalen Pegel erreicht."

Das allerdings könnte sich schon in den kommenden Tagen ändern. Denn "Kerrin" und "Jadwiga" haben zwei starke Nachfolgerinnen. Am Mittwoch erreichte Tief "Luana" die Bundesrepublik. Und am Wochenende soll Tief "Marielou" massenweise Regen bringen, gerade nach Südwestdeutschland. Bis zu 100 Liter pro Quadratmeter sagen die Meteorologen voraus.

Behalten die Forscher recht, braucht die Mineralöl-Lobby bald eine andere Erklärung für exorbitante Preise.

insgesamt 106 Beiträge
nadennmallos 06.12.2018
1. Wen wundert das wirklich?
Es ist doch allgemein so: Die Unternehmen und Kommunen wollen immer mehr. Z.B.: Heute kam mir die Gebührerhöhung unserer Straßenreinigung ins Haus geflattert. Nun ja, wir sind halt vom Sprit abhängig und selbst wenn wir alle [...]
Es ist doch allgemein so: Die Unternehmen und Kommunen wollen immer mehr. Z.B.: Heute kam mir die Gebührerhöhung unserer Straßenreinigung ins Haus geflattert. Nun ja, wir sind halt vom Sprit abhängig und selbst wenn wir alle ein E-Mobil fahren, dann wird der Strom an den Ladestationen teuer.
heinihuckeduster 06.12.2018
2. Die deutsche Mineralölindustrie fällt doch schon seit Jahrzehnten
mit derart kreativen Ausreden zur Preisgestaltung auf. Da sollte schon überlegt werden, ob dafür nicht ein literarischer "Münchhausen-Preis" angemessen und öffentlich verliehen werden sollte!
mit derart kreativen Ausreden zur Preisgestaltung auf. Da sollte schon überlegt werden, ob dafür nicht ein literarischer "Münchhausen-Preis" angemessen und öffentlich verliehen werden sollte!
Jorg vom Winkel 06.12.2018
3. Schweizer Benzinpreise
Auch die Schweiz bekommt bekommt ihr Benzin über den Rhein. Die Preise sind dort seit langem stabil - und einiges günstiger als bei uns. Das wissen wir als grenznahe Anwohner sehr zu schätzen - und den Rest kann man sich [...]
Auch die Schweiz bekommt bekommt ihr Benzin über den Rhein. Die Preise sind dort seit langem stabil - und einiges günstiger als bei uns. Das wissen wir als grenznahe Anwohner sehr zu schätzen - und den Rest kann man sich denken ...
max-mustermann 06.12.2018
4. Its Capitalism stupid !
Meine Güte können wir uns das Getue bitte sparen. Wirklich jeder weiß doch das Preiserhöhungen auf dem Weltmarkt immer sofort an die Kunden weitergegeben werden während es die Multis bei Preissenkungen nicht so eilig haben. [...]
Meine Güte können wir uns das Getue bitte sparen. Wirklich jeder weiß doch das Preiserhöhungen auf dem Weltmarkt immer sofort an die Kunden weitergegeben werden während es die Multis bei Preissenkungen nicht so eilig haben. Bei Strom und Gas ist es ja auch schon lange üblich den Verbraucher so auszunehmen. Alles nichts neues und niemand ist gewillt etwas dagegen zu unternehmen.
olli118 06.12.2018
5. Typisches Oligopol halt
Und selbstverständlich gibt es hier Preisabsprachen. Alle Konzerne profitieren von den hohen Preisen, warum wollen die sich das kaputt machen. Inwieweit der Staat hier ohne konrete Beweise zu Kartellabsprachen überhaupt [...]
Und selbstverständlich gibt es hier Preisabsprachen. Alle Konzerne profitieren von den hohen Preisen, warum wollen die sich das kaputt machen. Inwieweit der Staat hier ohne konrete Beweise zu Kartellabsprachen überhaupt eingreifen kann, kann ich leider nicht beurteilen. Aber dass der eher auf Seite der Industrie steht - s. Dieseldebakel - ist eh bekannt. Der Autofahrer ist und bleibt die Melkkuh Deutschlands.

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