Wirtschaft

Sorge vor Handelskrieg und Euro-Krise

Forscher rechnen mit geringerem Wirtschaftswachstum

Der Handelsstreit mit den USA und die Sorge vor einer Rückkehr der Euro-Krise belasten deutsche Unternehmen. Wirtschaftsforscher haben ihre Wachstumsprognose deutlich gesenkt - sehen aber keinen Grund zur Panik.

DPA

Hamburger Hafen

Mittwoch, 13.06.2018   12:27 Uhr

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird im laufenden Jahr nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) um 1,9 Prozent wachsen. Damit senkte das DIW seine vorherige Prognose um 0,5 Prozentpunkte. Für kommendes Jahr wurde die Prognose um 0,2 Punkte auf 1,7 Prozent gesenkt.

"Der Handelskonflikt mit den USA und die Sorgen um bestimmte Länder des Euro-Raums, in erster Linie Italien, verunsichern die Unternehmen und führen zu Investitionszurückhaltung", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Das beeinträchtige die Konjunktur in zweierlei Hinsicht. "Zum einen sinken die Investitionen der deutschen Unternehmen. Zum anderen leiden darunter die deutschen Exporte." Auch wegen des unerwartet schwachen ersten Quartals, das unter Streiks und Arbeitsausfällen durch die schwere Grippewelle litt, müsse die Prognose gesenkt werden. Dadurch halbierte sich das Wachstum von Januar bis März auf 0,3 Prozent zum Vorquartal.

Trotzdem sieht das DIW keinen Grund zur Schwarzmalerei: "Die Hochkonjunktur hat Bestand", sagte Fichtner. Garant dafür sei der private Konsum, der von der guten Lohnentwicklung und steigender Beschäftigung profitiere. So soll die Zahl der Erwerbstätigen im kommenden Jahr mit 45,1 Millionen um gut 800.000 über dem Niveau von 2017 liegen, die Arbeitslosigkeit gleichzeitig um 300.000 auf rund 2,2 Millionen sinken. Hinzu komme, dass Staatsausgaben wie etwa höheres Kindergeld und steigende Renten das Wachstum zusätzlich um etwa 16 Milliarden Euro oder 0,3 Prozentpunkte ankurbeln würden.

Ungeachtet der schwächeren Konjunktur erwartet das DIW Rekordüberschüsse im Staatshaushalt. In diesem Jahr dürften die Einnahmen die Ausgaben um 49,4 Milliarden Euro übersteigen, 2019 um 46,3 Milliarden. "Das ist eher das Resultat von Glück als von guter Politik", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Ohne die extrem niedrigen Zinsen bliebe von diesen Überschüssen kaum etwas übrig. Sie sollten dazu genutzt werden, um mehr in Qualifikation, Bildung, Infrastruktur und Innovation zu stecken.

mmq/Reuters/dpa

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