Wirtschaft

Sorge vor ungeordnetem Brexit

Fitch droht Großbritannien mit Herabstufung

Die US-Ratingagentur Fitch sorgt sich zunehmend um Großbritanniens Kreditwürdigkeit - und setzt das Rating auf "Watch Negativ". Auch der britische Innenminister sagt, das Risiko eines No-Deal-Brexits sei gestiegen.

DPA

Skyline von London

Donnerstag, 21.02.2019   02:54 Uhr

Wegen des ungewissen Ausgangs der Brexit-Verhandlungen prüft Fitch eine Herabstufung des britischen "AA"-Ratings. Gut fünf Wochen vor dem geplanten EU-Austritt sei das Risiko gestiegen, dass das Land die Europäische Union ohne Austrittsabkommen verlässt, hieß es in einer am Mittwochabend veröffentlichten Mitteilung der US-Ratingagentur.

Fitch setzte deshalb das Rating für Großbritannien auf "Watch Negativ" und deutete damit an, dass die bisherige Note "AA" herabgestuft werden könnte.

Die Auswirkungen eines ungeordneten Brexits auf das britische Wirtschaftswachstum seien nur schwer vorherzusehen, hieß es von Fitch. Es könne aber ein Vergleich gezogen werden zur Rezession Anfang der Neunzigerjahre, als das britische Bruttoinlandsprodukt über sechs Quartale um zwei Prozent geschrumpft war.

Der britische Innenminister Sajid Javid sagte am Mittwoch, das Risiko eines No-Deal-Brexits sei gestiegen. Es sei "nicht möglich", diese Option auszuschließen, sagte er im Gespräch mit dem Sender ITV.

Tatsächlich sind die Verhandlungen zwischen London und Brüssel festgefahren. Großbritannien will am 29. März aus der EU austreten. Das von Premierministerin Theresa May mit den übrigen 27 EU-Staaten vereinbarte Austrittsabkommen fand Mitte Januar im britischen Parlament aber keine Mehrheit. May will deshalb nachverhandeln. Die EU lehnt dies ab. Hauptstreitpunkt ist die Frage, wie die Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland offen gehalten werden kann.

Corbyn kündigt parteiübergreifende Zusammenarbeit an

Auch beim jüngsten Treffen von May und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gab es keinen Durchbruch. Beide Seiten kündigten aber an, sich vor Ende Februar wieder treffen zu wollen. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, der Zeitplan sei eng, und es sei von historischer Bedeutung, "die EU und Großbritannien auf einen Weg hin zu einer tiefen und einzigartigen künftigen Partnerschaft zu führen".

May deutete den Stand der Dinge in einem Fernsehstatement positiv und sagte: "Wir haben Fortschritte gemacht." Brexit-Minister Stephen Barclay und Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox kämen bereits am Donnerstag zu weiteren Gesprächen nach Brüssel.

Mehr zum Thema

Unabhängig davon plant auch der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn für Donnerstag einen Besuch bei EU-Unterhändler Michel Barnier. Vorab kündigte er eine parteiübergreifende Zusammenarbeit an, um einen No-Deal-Brexit abzuwenden. "Wir sagen laut und deutlich, dass es keine Mehrheit für einen 'No Deal' gibt", erklärte Corbyn. "Und Labour wird mit Politikern im ganzen Haus zusammenarbeiten, um einen 'No Deal' zu verhindern, der so schädlich für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft wäre."

aar/dpa/AFP

insgesamt 39 Beiträge
heissSPOrN 21.02.2019
1. Wieso Risiko?
"Der britische Innenminister Sajid Javid sagte am Mittwoch, das Risiko eines No-Deal-Brexits sei gestiegen." Es gibt ein Abkommen - das britische Parlament will es aber nicht ratifizieren. Also scheint für das [...]
"Der britische Innenminister Sajid Javid sagte am Mittwoch, das Risiko eines No-Deal-Brexits sei gestiegen." Es gibt ein Abkommen - das britische Parlament will es aber nicht ratifizieren. Also scheint für das britische Parlament das "Risiko" offenbar das auf dem Tisch liegende Abkommen zu sein, nicht der "No-Deal-Brexit".
saaman 21.02.2019
2. Dabei gäbe es eine dem Volk gerecht werdende Lösung
Und die hat 3 Stufen. 1. Den Austrittstermin verschieben. 2. Referendum. 3. Dem Ergebnis folgen. Wenn die Bürger heute mehrheitlich den Austritt wollen, dann ist es ziemlich egal ob hart oder weich. Ich bin allerdings davon [...]
Und die hat 3 Stufen. 1. Den Austrittstermin verschieben. 2. Referendum. 3. Dem Ergebnis folgen. Wenn die Bürger heute mehrheitlich den Austritt wollen, dann ist es ziemlich egal ob hart oder weich. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass eine Mehrheit des Volkes in der EU bleiben will. Was da zur Zeit in GB passiert, kann man mit klarem Verstand schwer nachvollziehen. Da wird nicht Politik gemacht. Da wollen sich ein paar verbissene Starrköpfe einfach nur mit dem Kopf durch die Wand.
beobachter1000 21.02.2019
3. Was es nicht gibt
sagen die Briten schon länger. Es ist deshalb nur ermüdend. Was nütz es zu sagen, es gibt keine Mehrheit für einen No Deal Brexit. Die wird nicht benötigt, da er automatisch eintritt. Es gibt leider auch keine Mehrheit für [...]
sagen die Briten schon länger. Es ist deshalb nur ermüdend. Was nütz es zu sagen, es gibt keine Mehrheit für einen No Deal Brexit. Die wird nicht benötigt, da er automatisch eintritt. Es gibt leider auch keine Mehrheit für eine sinnvolle und auch von der EU annehmbaren Lösung. Sie können sich ihre Besuche sparen und dafür besser die Energie für Lösungen der Herausforderungen nach dem No Deal Brexit einsetzen oder endlich dem ausgehandeltem Vertrag zustimmen bzw. dafür die Mehrheit organisieren.
thor.z1367 21.02.2019
4. Die Wahrheit über das starke England
Nur in der Gemeinschaft ist man stärker, das ist eine Binsenweisheit.Aber die UK glauben ja sie könnten sich den großen Wirtschaftsblöcken anbieten und das als gleichwertiger Partner. Aber ich glaube langsam wird ihnen klar [...]
Nur in der Gemeinschaft ist man stärker, das ist eine Binsenweisheit.Aber die UK glauben ja sie könnten sich den großen Wirtschaftsblöcken anbieten und das als gleichwertiger Partner. Aber ich glaube langsam wird ihnen klar das sie nur Statisten im Weltzirkus sind. Tut mir leid, aber England wird die Osterinsel in Europa. Schön an zusehen aber Side Zeit der Blüte ist vorbei.
Post-postfaktisch 21.02.2019
5. Es gibt keine Mehrheit für einen NO DEAL
Selten hat eine Formulierung den Irrsinn britischen Taktierens besser auf den Punkt gebracht. Wie jemand der einen Pub verlässt, dem Wirt offenbart, dass er nicht gewillt sei zu zahlen, jedwede Ratenzahlung als unzumutbar ablehnt [...]
Selten hat eine Formulierung den Irrsinn britischen Taktierens besser auf den Punkt gebracht. Wie jemand der einen Pub verlässt, dem Wirt offenbart, dass er nicht gewillt sei zu zahlen, jedwede Ratenzahlung als unzumutbar ablehnt und dem Holen der Polizei auf keinen Fall zustimmt. Ab und zu garniert mit der Bemerkung, der Wirt möge sich doch endlich mal was einfallen lassen.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP