Wirtschaft

Revanche

Peking setzt Strafzölle auf US-Produkte in Kraft

Die Reaktion hat nicht lange auf sich warten lassen: Nach dem Inkrafttreten von US-Zöllen auf chinesische Waren hat Peking mit Gegenmaßnahmen reagiert. US-Präsident Trump hatte bereits mit weiteren Zöllen gedroht.

AFP

US-Produkte in einem Pekinger Supermarkt

Freitag, 06.07.2018   11:38 Uhr

Die Regierung in Peking hat nur wenige Stunden nach dem Inkrafttreten von US-Strafzöllen auf Waren aus China Gegenzölle verhängt. "Die chinesischen Maßnahmen sind mit sofortiger Wirkung in Kraft", teilte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking mit. Er nannte allerdings keine Einzelheiten zu bestimmten US-Produkten, die nun zusätzlich mit Zöllen belegt sind, oder zum Wert dieser Waren.

Die US-Zölle betreffen insgesamt 818 chinesische Produkte vor allem aus dem High-Tech-Bereich, darunter Autos, Flugzeugteile und Festplatten. Ihr Wert beträgt 34 Milliarden Dollar. China hatte angekündigt, Gegenzölle im selben Wert zu verhängen.

Die Führung in Peking kritisierte die Einführung massiver Strafzölle seitens der USA scharf: Washington beginne damit den "größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte". Der Außenamtssprecher bekräftigte, dies sei "das Letzte, was wir uns wünschen". In einem Handelskrieg gewinne niemand.

Die Volksrepublik hat nach dem Inkrafttreten Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingereicht. Das berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das Handelsministerium.

China will Reformkurs fortsetzen

Demnach schadeten US-Zölle den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten ernsthaft und sie lösten Tumulte an den Märkten aus. China werde mit anderen Ländern daran arbeiten, freien Handel zu gewährleisten. Das Land werde seinen Reformkurs fortsetzen und sich weiter öffnen.

US-Präsident Donald Trump begründet seine Strafzollpolitik mit dem enormen US-Handelsdefizit gegenüber China, das er als Ausdruck einer unfairen Handelsbeziehung betrachtet. Er hatte der chinesischen Führung angedroht, im Falle von Vergeltungszöllen weitere chinesische Waren im Wert von bis zu 200 Milliarden Dollar mit Handelsschranken zu belegen.

Trump zur Eskalation bereit

Zunächst kämen die Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar zum Einsatz, sagte Trump am Donnerstag, wenige Stunden vor dem Inkrafttreten. "Und dann haben wir weitere 16 (Milliarden) in zwei Wochen", sagte er weiter. Damit soll geistiger Diebstahl seitens Chinas abgestraft werden. "Und dann sind wir, wie bekannt ist, auf weitere 200 Milliarden eingestellt, und nach den 200 Milliarden sind wir auf 300 Milliarden eingestellt." Die Maßnahmen beträfen ausschließlich China.

Volkswirte befürchten, dass sich der Konflikt zwischen China und den USA bald zu einem handfesten Handelskrieg auswachsen könne. Der Internationale Währungsfonds sieht die betroffenen Handelsvolumina derzeit noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte. Allerdings werden Effekte durch die Verunsicherung der Märkte und eine mögliche Eskalationsspirale befürchtet.

Trump zieht gegen die mit einem Defizit von mehr als 800 Milliarden US-Dollar belastete Handelsbilanz seines Landes an mehreren Fronten zu Felde. Er belegte auch die Nachbarn Kanada und Mexiko sowie Verbündete wie die Länder der Europäischen Union mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium. Auch von dort sind bereits Vergeltungszölle in Kraft gesetzt worden.

Kritik an Trump aus dem Inland

An der Haltung der US-Regierung gibt es auch im Inland massive Kritik. Teile von Trumps eigener republikanischer Partei sehen in den Zöllen versteckte Steuern. Kritiker glauben, dass ein Teil von Trumps bei Unternehmern gefeierter Steuerreform dadurch neutralisiert werden könne.

In den von Vergeltungszöllen betroffenen US-Branchen herrscht Aufregung. Dies gilt insbesondere für die Bauern. China, Kanada und Mexiko verlangen etwa künftig erhöhte Zölle auf Schweinefleischprodukte, die EU hat Whiskey mit Vergeltungszöllen belegt.

Mehrere Länder und auch die Europäische Union haben bereits Klage bei der WTO eingereicht. Trump droht seinerseits mit einem Austritt aus der WTO oder gar mit deren Zerschlagung.

Derzeit blockieren die USA die Neubesetzung von Stellen im Schiedsgericht der WTO. Sie argumentieren, bei der Besetzung der Richterstellen seien bisher nicht ausreichend US-Interessen gewürdigt worden.

brt/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
zia-zaruba 06.07.2018
1.
"The show must go on".... bis der Letzte Vorhang fällt
"The show must go on".... bis der Letzte Vorhang fällt
lars.manhof 06.07.2018
2. Klimaschützer Trump
Statt die einzelnen Ungleichgewichte, die sich in Jahrzehnten 'eingeschlichen' haben zu beseitigen, geht Trump mit der Abrissbirne vor. Wenigstens 2 gute Dinge sind dabei: Er schadet Amerika ziemlich sicher mehr, als China. Und [...]
Statt die einzelnen Ungleichgewichte, die sich in Jahrzehnten 'eingeschlichen' haben zu beseitigen, geht Trump mit der Abrissbirne vor. Wenigstens 2 gute Dinge sind dabei: Er schadet Amerika ziemlich sicher mehr, als China. Und dieses unselige Transportieren von nahezu allen Waren quer über die Erde wird vermindert. Das ist die Hauptursache für unser Klimaproblem.
sikasuu 06.07.2018
3. Bischen Kurzsichtig:-) Soja aus den U-SA in die EU zu exportieren....
... um dann Schweine- & Hühnerreste (Füße & Köpfe usw) nach China & Afrika zu verkaufen, da hast du wirklich recht. . Auch über Konsumgüter, z.B. Textiiien usw. kann man Streiten, aber bei [...]
Zitat von lars.manhofStatt die einzelnen Ungleichgewichte, die sich in Jahrzehnten 'eingeschlichen' haben zu beseitigen, geht Trump mit der Abrissbirne vor. Wenigstens 2 gute Dinge sind dabei: Er schadet Amerika ziemlich sicher mehr, als China. Und dieses unselige Transportieren von nahezu allen Waren quer über die Erde wird vermindert. Das ist die Hauptursache für unser Klimaproblem.
... um dann Schweine- & Hühnerreste (Füße & Köpfe usw) nach China & Afrika zu verkaufen, da hast du wirklich recht. . Auch über Konsumgüter, z.B. Textiiien usw. kann man Streiten, aber bei "hochwertigen" Konsum-& Investitionsgütern ist das kontraproduktiv! . Es gibt Bereiche da überwiegt der "Scaleneffekt" bzw. Wissen&Spezialisierung bei WEITEM die, auch ökologischen Kosten des Transports. . Von anderen Vorteilen & Inovationen will ich gar nicht erst anfangen. . Wenn die die "Transportschäden" weg bekommen willst, verhindere nicht den "Handel" sondern mach den "Transport" ökologischer. . Und Arbeitsplatzverschiebung kann man mit Angleichung der Sozialstandards/ bzw die Vergleichbar machen & das als Importkriterium voraussetzt... auch massiv abmildern. . MMn. ist so was nicht einseitig mit Zöllen übers Knie zu brechen, sondern setzt langwierige multilaterale Verhandlungen voraus. Vergl Klimaschutz usw. . Doch für solche Gedanken ist "America first! der TrumpF im oval office! wohl nicht zu gewinnen (höfliche Version für Spon!)
archi47 06.07.2018
4. diese Form des Wirtschaftens weltweit
ist Folge der globalen Oligopol- und Monopolwirtschaft. Die Alternative dazu wäre eine Globalisierung, die auch weiche Faktoren einpreist, die nicht sofort preiswirksam werden. Als da sind: Natur- und Umweltverbrauch, [...]
ist Folge der globalen Oligopol- und Monopolwirtschaft. Die Alternative dazu wäre eine Globalisierung, die auch weiche Faktoren einpreist, die nicht sofort preiswirksam werden. Als da sind: Natur- und Umweltverbrauch, Ressourcenverbrauch, Lohn- und Sozialdumping, usw. . Die später dann aus allgemeinen Steuermittelen aufzubringenden "Reperaturkosten", soweit überhaupt möglich, wären in einer ordentlicher Marktwirtschaft eigentlich von Anfang an als Preisbestandteile einzukalkulieren. So fallen sie ganz am Ende als nahezu unendlich große Grenzkosten an, wenn es um Artensterben, Versauern der Ozeane und Vernichtung von uns oder Arten generell geht. Ein dem gerecht werdendes Welthandelssystem hätte also eine korrekte Wertrechnung, oder zumindest eine Systemsteuerung, die die Wirtschaftsteilnehmer zwingt, das von Anfang an alles einzupreisen. Davon sind wir leider noch weit entfert. Auch wenn ein intellektuell minderbemittelter US-Präsident aus seinen nationalen Reflexen heraus einen an sich nützlichen Beitrag leistet, der aber in seinem Land umso mehr Schaden anrichten wird. Die richtige Systemsteuerung würde zu einer zukunftsicheren Kreislaufwirtschaft führen, die subsidiär geschieht und jeden unnützen Aufwand vermeidet. Außerdem würde der Zugewinn/Mehrwert so gerecht zu verteilen sein, dass jeder Teilnehmer seinen der Wertrechnung entsprechenden Beitrag erhält und Aneignungsorgien unterbleiben. So ginge Volkswirtschaft richtig - aber es fehlt leider schon an geeigneten Einsichten in Forschung und Lehre und daraus folgend an Lehrstühlen, die das mehrheitsfähig machen würden...

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