Wirtschaft

Steigende Lebenserwartung

19,6 Jahre im Schnitt - Deutsche bekommen immer länger Rente

Die Menschen in Deutschland werden immer älter und erhalten immer länger Rente. Die Rentenkassen geraten dadurch unter Druck. Der CDU-Wirtschaftsrat fordert deshalb, dass die Bürger länger arbeiten als jetzt.

DPA

Rentner auf einer Parkbank

Donnerstag, 07.12.2017   10:07 Uhr

De Lebenserwartung der Deutschen steigt seit Jahrzehnten an. Das wirkt sich auch auf die Renten aus: Innerhalb der vergangenen 20 Jahre stieg die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs um 3,6 auf 19,6 Jahre, wie Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen. Das durchschnittliche Alter, bis zu dem die Rente gezahlt wird, lag im vergangenen Jahr bei 79,5 Jahren. Männer haben ihre Rente im Schnitt bis 77,1 Jahre, Frauen bis 81,8 Jahre erhalten.

Seit 1960 hat sich die Bezugszeit sogar fast verdoppelt: Damals bekamen die Menschen im Schnitt noch 9,9 Jahre Rente. "Die Rentnerinnen und Rentner profitieren erheblich von den längeren Rentenlaufzeiten", sagte Annelie Buntenbach vom Deutschen Rentenversicherung bei der Vorstellung der Zahlen. Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte habe sich die Rentenleistung deshalb insgesamt deutlich erhöht.

Dass immer länger Renten gezahlt werden, hat auch Auswirkungen auf die aktuelle Rentenreformdebatte. In den kommenden Jahren gehen nämlich immer mehr ältere Arbeitnehmer aus den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen in den Ruhestand. Die Rentenkasse dürfte so immer mehr unter Druck geraten.

"Wir müssen den Leuten jetzt die Wahrheit sagen"

Der CDU-Wirtschaftsrat hat deshalb die Union aufgerufen, in einer möglichen neuen Großen Koalition die Bürger auf eine längere Lebensarbeitszeit einzustimmen. "Wir müssen den Leuten jetzt die Wahrheit sagen", sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger der "Rheinischen Post". "Die Menschen müssen länger arbeiten als jetzt, sonst wird es nicht gehen." Wirtschaftspolitiker der Union hatten immer wieder gefordert, dass die Menschen bei längerem Rentenbezug und weniger Beitragszahlern künftig auch über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten müssten.

Die Menschen würden immer älter, aber der Rentenbeitrag könne nicht erhöht und das Renteneintrittsalter, das in den nächsten Jahren auf 67 Jahre ansteigen wird, nicht gesenkt werden, sagte Steiger. "Das würde alle überfordern." Im Jahr 2021 müssten mehr als hundert Milliarden Euro an Steuermitteln für die Rente aufgebracht werden. Daher seien eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und das freiwillige längere Arbeiten nötig.

Die SPD hingegen will das Rentenniveau sichern und perspektivisch anheben. Eine neue Solidarrente soll Geringverdiener zudem besser vor einem Abrutschen in Altersarmut schützen.

hej/dpa/AFP

insgesamt 173 Beiträge
chrismuc2011 07.12.2017
1.
Dann sollte die Regierung endlich mal aufhören die Lüge vom Fachkraftmangel zu beenden, aufhören die Unternehmen darin zu unterstützen Billigkräfte ( auch durch Zuzug), Leiharbeiter einzustellen und Maßnahmen zu treffen, [...]
Dann sollte die Regierung endlich mal aufhören die Lüge vom Fachkraftmangel zu beenden, aufhören die Unternehmen darin zu unterstützen Billigkräfte ( auch durch Zuzug), Leiharbeiter einzustellen und Maßnahmen zu treffen, damit Unternehmen aufhören mittlerweile 45 Jährige zu entlassen, weil sie ihnen zu teuer geworden sind. Sinnvoll wäre eine Quote, die jedes Unternehmen dazu anhält ältere Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen oder gar ältere Arbeitnehmer einzustellen. Nachdem es für Alles und Jedes mittlerweile eine Quote gibt, warum nicht auch hier. Dem Standort Deutschland würde die Erfahrung dieser Fachkräfte sicher nicht schaden, wie man ja auch an BER, Stuttgart21, AirbusM400 und anderen Nachrichten sehen kann.
schnarchn 07.12.2017
2.
Jaja, älter werden wir zwar immer. Aber wie viele sind denn über die 67 hinaus noch wirklich fit genug, um weiterarbeiten zu können? Wer sein Leben lang hart körperlich gearbeitet hat wird ohnehin schon mit 67 seine Probleme [...]
Jaja, älter werden wir zwar immer. Aber wie viele sind denn über die 67 hinaus noch wirklich fit genug, um weiterarbeiten zu können? Wer sein Leben lang hart körperlich gearbeitet hat wird ohnehin schon mit 67 seine Probleme haben. Aber auch der zwar körperlich deutlich einfacherer Bürojob sorgt, natürlich je nach Aufgaben-/Verantwortungsgebiet, aufgrund der stetig steigenden Anforderungen und der Beschleunigung von Prozessen dazu, dass hier viele irgendwann einfach psychisch am Ende sind. Aber hey, schöner Effekt. Wenn dadurch bedingt viele verfrüht mit niedrigeren Bezügen in Rente gehen müssen, entlastet das die Kassen gleich nochmal. Ich freu mich schon richtig darauf alt zu werden!
magic88wand 07.12.2017
3. Warum überhaupt noch Rentenversicherung?
Die Generationen nach den Babyboomern werden mehrheitlich eine Rente bekommen, die nicht wesentlich über der Grundsicherung liegen wird. Insofern wird die gesetzliche Rentenversicherung immer entbehrlicher.
Die Generationen nach den Babyboomern werden mehrheitlich eine Rente bekommen, die nicht wesentlich über der Grundsicherung liegen wird. Insofern wird die gesetzliche Rentenversicherung immer entbehrlicher.
Tiefflieger 07.12.2017
4. Warum
wird die Rente immer noch an Lebens- und nicht an Arbeitsjahren festgemacht? Wenn jemand 45 Jahre gearbeitet hat, hat er sich seine Rente verdient. Wer jedoch erst spät anfängt, der soll auch entsprechend länger [...]
wird die Rente immer noch an Lebens- und nicht an Arbeitsjahren festgemacht? Wenn jemand 45 Jahre gearbeitet hat, hat er sich seine Rente verdient. Wer jedoch erst spät anfängt, der soll auch entsprechend länger Erwerbstätig sein. So kann der Handwerker, der mit 15 seine Ausbildung beginnt, mit 60 in seine verdiente Rente gehen, und der Akademiker der erst mit 30 seine Berufliche Laufbahn beginnt eben erst mit 75. Somit wäre das Renteneintrittsalter flexibilisiert, und die Menschen werden nicht gezwungen von der Arbeit auf die Bahre zu springen. Der Ausspruch "Sozialverträgliches Ableben" eines bekannten deutschen Politikers fällt mir dazu wieder ein.
severus1985 07.12.2017
5. Eine unbequeme Wahrheit
Viele Arbeitnehmer wollen es nicht einsehen, aber eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit ist unumgänglich. Entweder das, oder die alten verpflichten sich schriftlich, mit 80 von der Brücke zu springen. Und nein, ich habe auch [...]
Viele Arbeitnehmer wollen es nicht einsehen, aber eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit ist unumgänglich. Entweder das, oder die alten verpflichten sich schriftlich, mit 80 von der Brücke zu springen. Und nein, ich habe auch keinen Bock, bis 70 zu arbeiten, aber hier hat die CDU (dich ich noch nie gewählt habe) einfach Recht, während die SPD Freibier verteilt und sich später fragt, wer die Zeche bezahlt.

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Die Säulen des Sozialsystems

Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.

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