Wirtschaft

Erdgas im Mittelmeer

Türkei behindert italienisches Bohrschiff

Die Republik Zypern möchte im Mittelmeer Erdgas fördern und gerät damit in Konflikte mit der Türkei. Ankara soll sechs Kriegsschiffe losgeschickt haben, um die Erschließung der riesigen Vorkommen zu stören.

DPA

Ölbohrplattform vor Zypern (Archivbild)

Samstag, 10.02.2018   17:41 Uhr

Die Suche nach Erdgas unter dem Meeresboden südlich von Zypern hat zu neuen Spannungen zwischen der Republik Zypern und der Türkei geführt. Wie der zyprische Außenminister Ioannis Kasoulides am Samstag mitteilte, sollen sechs türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energiekonzern ENI gemietetes Bohrschiff daran gehindert haben, ein Forschungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen.

Man habe bereits die italienische Regierung und die EU über den Zwischenfall informiert, sagte Kasoulides. Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die Republik Zypern, deren Regierung den Südteil lenkt, ist seit 2004 EU-Mitglied.

Ankara erkennt diese Republik nicht an und lehnt die Suche nach Erdgas ab, solange die Zypernfrage nicht gelöst ist. Die Gespräche dazu waren im Juli 2017 nach mehreren Verhandlungen gescheitert. Südlich der zyprischen Küste sollen gigantische Erdgasfelder liegen.

Das italienische Energieunternehmen ENI und die Regierung in Nikosia hatten am Donnerstag Erfolge bei der Suche nach Erdgas gemeldet. Unter dem Meeresboden rund 60 Seemeilen südlich der zyprischen Hafenstadt Paphos seien Vorkommen "exzellenter Qualität" entdeckt worden, hatte der zyprische Energieminister Giorgos Lakkotrypis erklärt.

lov/dpa

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