Wirtschaft

Grundsteuer

Baujahr der Häuser soll doch keine Rolle spielen

Die Berechnung der Grundsteuer muss reformiert werden, sie verstößt gegen das Grundgesetz. Nun sind die Experten von Bund und Ländern nach SPIEGEL-Informationen einer Einigung näher gekommen.

AFP

Finanzminister Scholz

Freitag, 25.01.2019   17:11 Uhr

Zwischen Bund und Ländern zeichnet sich nach Informationen des SPIEGEL ein Kompromiss bei der Reform der Grundsteuer ab. Bei einem Treffen der Steuerabteilungsleiter aus den Finanzministerien von Bund und Ländern Anfang der Woche habe es deutliche Fortschritte gegeben, hieß es aus Verhandlungskreisen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Demnach soll das von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) favorisierte Modell, das den Wert einer Immobilie anhand von fünf Messzahlen ermittelt, um die beiden Komponenten bereinigt werden, bei denen es die meisten Komplikationen geben kann. Nettokaltmiete und Baujahr sollen demnach keine Rolle mehr spielen.

Bestimmungsgrößen für den Wert einer Immobilie wären dann:

Die Reform wird notwendig, weil das Bundesverfassungsgericht die bisherige Erhebung der Grundsteuer für grundgesetzwidrig hält. Sie richtet sich nach den Immobilienwerten von 1935 im Osten der Republik und von 1964 im Westen.

Die Grundsteuer ist die Haupteinnahmequelle der Kommunen und hat ein jährliches Aufkommen von 14 Milliarden Euro. Scholz verfolgte bislang eine Variante, die vor allem am Wert einer Immobilie ansetzt, die Länder wollten sich vor allem an der Fläche orientieren.

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rei/aju/ase

insgesamt 77 Beiträge
sozialismusfürreiche 25.01.2019
1. Finde es witzig ...
Als ich mein Haus 2011 erworben hatte, hatte ich eine recht hohe Rechnung zur Grundsteuer erhalten. Die Berechnung fand ich nicht in Ordnung. Daraufhin habe ich den Bodenrichtwert herangezogen, bzw. weil der Gutachterausschuss [...]
Als ich mein Haus 2011 erworben hatte, hatte ich eine recht hohe Rechnung zur Grundsteuer erhalten. Die Berechnung fand ich nicht in Ordnung. Daraufhin habe ich den Bodenrichtwert herangezogen, bzw. weil der Gutachterausschuss keinen hatte, habe ich die Verkaufspreise verschiedener Portale und Immobilienvermittler herangezogen und das der Gemeinde dargestellt. Daraufhin sagte ich dass maximal der Wert X anzunehmen sei und der Betrag Y als Grundsteuer berechtigt wäre. Die Gemeinde hat sich damals darauf eingelassen. Ich zahle also 1/3 weniger als ursprünglich gefordert. Ich bin mal gespannt, wie sich die Änderungen bei mir niederschlagen.
klichti 25.01.2019
2. Laßt die Politik nur machen, als Expertin für alles macht sie's richti
Als die Vermögensteuer für verfassungswidrig erklärt wurde, hat der Gesetzgeber sie in die Unanwendbarkeit laufen lassen. Betrifft ja nur ein paar wenige Reiche, und es wäre ja soooo mühselig gewesen, die Anregungen des [...]
Als die Vermögensteuer für verfassungswidrig erklärt wurde, hat der Gesetzgeber sie in die Unanwendbarkeit laufen lassen. Betrifft ja nur ein paar wenige Reiche, und es wäre ja soooo mühselig gewesen, die Anregungen des Bundesverfassungsgerichts aufzugreifen und ein wenig grundsätzlich über Steuern nachzudenken. Am Ende wäre ja womöglich noch was für die Gewerbekapitalsteuer und eben die Grundsteuer herausgekommen. War wohl alles zu mühsam, da hätte man sich ja kundig machen müssen. :-( Warum also nicht denselben Weg gehen bei der Grundsteuer? Hängen doch sowieso nur die Kommunen dran! Ach so, das ist deren Haupteinnahmequelle. Die würden Zeter und Mordio schreien und einem dann in die Bundes- und Landestöpfe greifen. Neh, die läßt man besser so weitgehend wie möglich abgekoppelt von den echten Geldtöpfen. 14 Mrd.? Das ist zwar mehr als damals bei der Vermögensteuer, aber so im Vergleich ... ca. 40 Mrd. veranlagte ESt, über 260 Mrd. Lohnsteuer (also diejenige Einkommensteuer, für die die Steuerpflichtigen keine Steuererklärung abgeben, weil es ein ekliger Aufwand für Portogeld ist), irgendwas in derselben Größenordnung für die Umsatzsteuer, da ist es wirklich ein sehr ärgerlicher Umstand, daß man da doch tätig werden muß bei der Grundsteuer. Jetzt will der liebe Herr Scholz und wollen anscheinend alle anderen, die so gut über die Betroffenen bestimmen können, also die Grundsteuer unabhängig vom Wert machen (hihi). Jedenfalls vom Wert der Häuser, die sie besteuern. Wie genial ist das denn? Da haben sie vom Start weg Klagen wegen der Ungleichbehandlung im Kreuz, die sie doch durch die Steuergesetz-Änderung erst beseitigen wollen! Wenn da keine pfuschigen Nachbesserungen schon in den ersten Jahren dieser reformierten Steuer kommen sollen, dann gibt es nur eins: Nehmt die Grundsteuer auf die Grundstücke, aber laßt den "Aufwuchs" aus der Besteuerungsgrundlage heraus. Es heißt ja auch nicht Grundstücks- und Häusersteuer, es heißt Grundsteuer. Warum das auch nicht? Weil gerade diejenigen mit den repräsentativen Grundstücken (z.B. Banken in Mainhattan) dann jede, aber auch wirklich jede Menge Steuern sparen, das wäre also auch wieder nur eine Subvention der Reichen. Echt dumm, das. Quintessenz: Ihr werdet nicht ums Nachdenken herumkommen und TROTZDEM Pfusch abliefern, liebe Legislative. Schade, daß Ihr kein Diktat der Kompetenz hattet in den letzten 30 Jahren, sondern ein Diktat von "ich schreie lauter, also habe ich recht". Wieso regen wir uns eigentlich über Donald Trump auf? Effektiv war es seit Kohl genauso bei uns.
volucer 25.01.2019
3. wer hat uns verraten?
die sozialdemokraten. eine wunderbare spezies, die vorgibt, für die interessen der arbeiter zu stehen, wohnungsnot bekämpfen zu wollen und für mehr "gerechtichkeit" zu stehen. mit einer wertabhängingen steuer [...]
die sozialdemokraten. eine wunderbare spezies, die vorgibt, für die interessen der arbeiter zu stehen, wohnungsnot bekämpfen zu wollen und für mehr "gerechtichkeit" zu stehen. mit einer wertabhängingen steuer werden normale menschen in großstädten extrem belastet. wenn eine normale wohnung in münchen oder freiburg schon 500.000? wert ist, wird sich der normale mieter/eigentümer freuen, da er jetzt deutlich mehr steuern zahlen darf. die einzige komponente, nach der besteuert werden sollte, ist die wohnungsgröße. zusätzlich wird ein ganzer wasserkopf an immobilienbewertern entstehen, denn die ganzen immos müssen ja bewertet werden. da ist eine ganze branche für die nächsten 5-10 jahre ausgelastet. ob scholz wohl an so einer gesellschaft beteiligt ist? anders kann ich mir seinen wunsch nach einem wertabhängigem modell nicht erklären
nic 25.01.2019
4.
Am Bodenrichtwert ist doch Unsinn oder wird da jährlich neu nachgeschaut und angepasst? Die momentanen Immobilienpreise dürften sich nicht mehr allzu lange halten. Als Mieter hat man doch sowieso weder Einfluss noch Nutzen von [...]
Am Bodenrichtwert ist doch Unsinn oder wird da jährlich neu nachgeschaut und angepasst? Die momentanen Immobilienpreise dürften sich nicht mehr allzu lange halten. Als Mieter hat man doch sowieso weder Einfluss noch Nutzen von einem hohen Immoblienwert. Als Besitzer bringt ein ideologischer Wert auch kaum was, solange man nicht verkauft. Wenn die Steuer sinkt, kann mir die Art der Berechnung letztendlich egal sein.
tobias_volle 25.01.2019
5. Ach wie geil.....
Jetzt soll das Baujahr eines Hauses keinen Einfluss mehr auf den Wert einer Immobilie haben? Wie grotesk und weltfremd ist das denn? Wenn das so bleibt, dann hat das Bundesverfassungsgericht gleich wieder das nächste Gesetz zum [...]
Jetzt soll das Baujahr eines Hauses keinen Einfluss mehr auf den Wert einer Immobilie haben? Wie grotesk und weltfremd ist das denn? Wenn das so bleibt, dann hat das Bundesverfassungsgericht gleich wieder das nächste Gesetz zum kassieren.

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