Wirtschaft

Gewerkschaft Ver.di

Bsirske verteidigt Nein zu Kita-Schlichterspruch

Die Basis hat den Schlichterspruch im Kita-Konflikt abgelehnt - ein schwerer Schlag für Ver.di-Chef Frank Bsirske. Dennoch verteidigt er jetzt das Nein der Gewerkschaftsmitglieder.

DPA

Kita-Streik in München (Archivbild): "Das macht uns traurig"

Montag, 10.08.2015   17:41 Uhr

Die Arbeitgeber zeigen sich hart. Weitere Zugeständnisse, die über den Schlichterspruch im Tarifstreit für Erzieher und Sozialarbeiter hinausgehen, wollen sie nicht machen - und kritisieren daher die neuen Streikdrohungen der Gewerkschaft Ver.di. Doch deren Chef Frank Bsirske hat die Ankündigung nun verteidigt.

Der Schlichterspruch reiche für die überfällige Aufwertung der Arbeit von Erziehern und Sozialarbeitern nicht aus, sagte Bsirske zur Begründung. Die Empfehlung der Schlichter, die zwischen 2 und 4,5 Prozent mehr Geld vorsah, war bei den Gewerkschaftsmitgliedern durchgefallen.

Knapp 70 Prozent der betroffenen Ver.di-Mitglieder hatten zuvor in einer Befragung den Schlichterspruch im Tarifkonflikt der kommunalen Kitas von Ende Juni abgelehnt. Die Gewerkschaften hatten eine Aufwertung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durch bessere Eingruppierungen gefordert - im Schnitt ein Plus von etwa zehn Prozent.

Bsirske räumte ein, dass die Gewerkschaftsvertreter bei den Schlichtungsgesprächen der Empfehlung mit großer Mehrheit zugestimmt hatten. "Wir haben das Ergebnis für abschlussfähiger gehalten, als es das dann tatsächlich war", sagte er. Für die nächsten Verhandlungen an diesem Donnerstag hatte Bsirske ein verbessertes Angebot der Arbeitgeber gefordert. Das lehnten die Arbeitgeber ab.

Das Machtwort der Basis, die den Schlichterspruch im Tarifkonflikt an den kommunalen Kitas abgeschmettert hat, ist ein schwerer Schlag für den Gewerkschaftsführer. Offensichtlich hatte sich Bsirske verschätzt, als er den Spruch der Schlichter Georg Milbradt (CDU/Ex-Ministerpräsident in Sachsen) und Herbert Schmalstieg (SPD/Ex-Oberbürgermeister in Hannover) für insgesamt akzeptabel hielt. Jetzt wird er vermutlich umso unnachgiebiger auftreten, denn im September will Bsirske wiedergewählt werden.

bos/dpa

insgesamt 84 Beiträge
klaus64 10.08.2015
1. Gewerkschaft fordert Preiserhöhungen für Kitas
Bei Streiks müssen sich doch ganz allgemein die beiden Seiten immer fragen: 1. Wie viel Geld ist in der Kasse ? 2. Wem kann ich etwas wegnehmen, um die die Forderungen zu erfüllen ? 3. Wer zahlt sonst die erhöhten [...]
Bei Streiks müssen sich doch ganz allgemein die beiden Seiten immer fragen: 1. Wie viel Geld ist in der Kasse ? 2. Wem kann ich etwas wegnehmen, um die die Forderungen zu erfüllen ? 3. Wer zahlt sonst die erhöhten Preise für die Kita ? Die Eltern der Kinder ?
hei-nun 10.08.2015
2. Kita Hybris
Wer oder was treibt die Kita-Beschäftigen an ? Sind es die völlig unrealistischen 10%, die irgend jemand mal in der Raum geworfen hatte ? Oder sind die Beschäftigten wirklich der Meinung, etwas Bessers zu sein ? Besser als [...]
Wer oder was treibt die Kita-Beschäftigen an ? Sind es die völlig unrealistischen 10%, die irgend jemand mal in der Raum geworfen hatte ? Oder sind die Beschäftigten wirklich der Meinung, etwas Bessers zu sein ? Besser als Krankenschwestern, Pflegekräfte, Feuerwehr-Leute oder Streetworker ? Wie kommen sie darauf ? Nur weil mal jemand gesagt hat, sie betreuen unser Bestes, unsere Kinder ? Es hat sich herumgesprochen, dass spezielle Berufsgruppen ruhig uns Bürger erpressen dürfen und sollen - irgendjemand findet das sogar noch gut. Wenn jetzt Streit und Streik trotz Schlichterspruch doch weitergeht, dann gleicht das leider einer Hybris durch die Kita-Beschäftigten, die dadurch Opfer ihrer eigenen "Kämpfer" geworden sind. Denn verstehen kann das kaum noch jemand !
zindl 10.08.2015
3. Mehr Belastung der Eltern...
Wir zahlen ab Aug: 504€ U2 + 63€ Ü2 + 20€ Essen! Mehr können wir nicht aufbringen!
Wir zahlen ab Aug: 504€ U2 + 63€ Ü2 + 20€ Essen! Mehr können wir nicht aufbringen!
andreaspin 10.08.2015
4.
Ich glaube es geht wieder los - fast 10% Entgelterhöhung seit 2011 durch die normalen Tarifverträge im Öffentlichen Dienst und jetzt nochmal zwischen 2 und fast 5% mehr außerhalb der normalen Tariferhöhungen - das ist nicht [...]
Ich glaube es geht wieder los - fast 10% Entgelterhöhung seit 2011 durch die normalen Tarifverträge im Öffentlichen Dienst und jetzt nochmal zwischen 2 und fast 5% mehr außerhalb der normalen Tariferhöhungen - das ist nicht genug? Ich frage mich ernsthaft wo die Verdi Mitglieder leben - welcher normale Angestellte hat solche Erhöhungen innerhalb von 4 Jahren? Ganz von den Urlaubstagen, den Überstundenregelungen, dem Kündigungsschutz, etc. abgesehen? Nehmt Euch zusammen Leute, ihr trefft mit Euren Aktionen nicht die Entscheider, nicht die Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst, nicht die Besserverdiener, ihr trefft die, die es eh nicht einfach haben, wo beide Eltern zur Arbeit gehen, wo das Kind von einer allein erziehenden Mutti mit 2 Jobs betreut wird, wo die Großeltern zu weit weg sind um helfen zu können, die jeden Monat hart dafür schuften um die Betreungskosten aufzubringen - Ihr trefft die Leute, die sich trotzdem dafür entschieden haben Kinder zu bekommen, trotz knapper Kassen, trotz Problemen im Job, trotz der Schwierigkeiten für Muttis wieder in den Job zurück zu kommen. Ihr spielt bei weiteren Streiks mit der Existenz vieler Familien. Urlaubstage und Geduld der Arbeitgeber sind größtenteils aufgebraucht. Reißt Euch zusammen. Das Leben ist kein Wunschkonzert, ihr habt auch Verantwortung gegenüber den Eltern und den Kindern die Ihr betreut. Und am Ende bleibt es eh an den Eltern hängen, die höhere Kitakosten aufbringen müssen. Meine Geduld und die solidarischen Gedanken mit den Erzieherinnen aus dem ersten Streik sind auch weg. Wenn wir Eltern diesmal protestieren, dann vor und in den Verdi Zentralen!
Forist2 10.08.2015
5. Richtig, mindestens 10% !
Da können sich andere Berufsgruppen eine Scheibe von abschneiden. Wenn das Gehaltsdumping in Deutschland so weiter geht, erholen sich unsere Nachbarländer niemals und wir alle gleiten in die Deflation ab.
Da können sich andere Berufsgruppen eine Scheibe von abschneiden. Wenn das Gehaltsdumping in Deutschland so weiter geht, erholen sich unsere Nachbarländer niemals und wir alle gleiten in die Deflation ab.

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