Wirtschaft

Nach Inkrafttreten der US-Strafzölle

Peking spricht vom größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte

Seit Mitternacht Washingtoner Zeit gelten Strafzölle auf Waren aus China. Peking hat einen "notwendigen Gegenangriff" angekündigt. Präsident Trump zeigte sich für weitere Maßnahmen bereit.

DPA/ CHINATOPIX

Hafenarbeiter in China

Freitag, 06.07.2018   08:12 Uhr

Die USA haben wie angekündigte Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar eingeführt. Die Zölle traten um Mitternacht US-Ostküstenzeit (6 Uhr MESZ) in Kraft. Das bestätigte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer.

Die neuen US-Zölle betreffen 818 Produkte, darunter Autos, Flugzeugteile und Festplatten. US-Präsident Donald Trump begründet seine Strafzollpolitik mit dem enormen Handelsdefizit seines Landes gegenüber China.

China hatte bereits kurz nach Inkrafttreten der US-Zölle "notwendige Gegenmaßnahmen" angekündigt. Die USA hätten "den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte" eingeleitet, sagte der Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Die Volksrepublik will dem Sprecher zufolge nun die Welthandelsorganisation (WTO) über die Situation informieren.

China will Reformkurs fortsetzen

Die US-Zölle schadeten den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten ernsthaft und sie lösten Tumulte an den Märkten aus, hieß es aus dem Handelsministerium. China werde mit anderen Ländern daran arbeiten, freien Handel zu gewährleisten. Das Land werde seinen Reformkurs fortsetzen und sich weiter öffnen.

Die auf Englisch erscheinende staatliche Zeitung "China Daily" hatte am Morgen berichtet, dass die Gegenzölle auf 545 US-Produkte mit einem Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft getreten seien. Später änderte die Zeitung den Bericht dahingehend, dass China Gegenmaßnahmen ergreifen wolle. In dem Streit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatte China bereits zuvor Vergeltung angekündigt.

US-Präsident Donald Trump hatte der chinesischen Führung angedroht, im Falle von Vergeltungszöllen weitere chinesische Waren im Wert von bis zu 200 Milliarden Dollar mit Handelsschranken zu belegen.

Trump zur Eskalation bereit

Zunächst kämen die Zölle für Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar zum Einsatz, sagte Trump am Donnerstag, wenige Stunden vor dem Inkrafttreten. "Und dann haben wir weitere 16 (Milliarden) in zwei Wochen", sagte er weiter. Damit soll geistiger Diebstahl seitens Chinas abgestraft werden. "Und dann sind wir, wie bekannt ist, auf weitere 200 Milliarden eingestellt, und nach den 200 Milliarden sind wir auf 300 Milliarden eingestellt." Die Maßnahmen beträfen ausschließlich China.

Volkswirte befürchten, dass sich der Konflikt zwischen China und den USA bald zu einem handfesten Handelskrieg auswachsen könne. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die betroffenen Handelsvolumina derzeit noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte. Allerdings werden Effekte durch die Verunsicherung der Märkte und eine mögliche Eskalationsspirale befürchtet.

Trump zieht gegen die mit einem Defizit von mehr als 800 Milliarden US-Dollar belastete Handelsbilanz seines Landes an mehreren Fronten zu Felde. Er belegte auch die Nachbarn Kanada und Mexiko sowie Verbündete wie die Länder der Europäischen Union mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium. Auch von dort sind bereits Vergeltungszölle in Kraft gesetzt worden.

Kritik an Trump aus dem Inland

An der Haltung der US-Regierung gibt es auch im Inland massive Kritik. Teile von Trumps eigener republikanischer Partei sehen in den Zöllen versteckte Steuern. Kritiker glauben, dass ein Teil von Trumps bei Unternehmern gefeierter Steuerreform dadurch neutralisiert werden könne.

In den von Vergeltungszöllen betroffenen US-Branchen herrscht Aufregung. Dies gilt insbesondere für die Bauern. China, Kanada und Mexiko verlangen etwa künftig erhöhte Zölle auf Schweinefleischprodukte, die EU hat Whiskey mit Vergeltungszöllen belegt.

Handelsjuristisch wird die Politik Trumps problematisch gesehen. Mehrere Länder und auch die Europäische Union haben bereits Klage bei der WTO eingereicht. Trump droht seinerseits mit einem Austritt aus der WTO oder gar mit deren Zerschlagung.

Derzeit blockieren die USA die Neubesetzung von Stellen im Schiedsgericht der WTO. Sie argumentieren, bei der Besetzung der Richterstellen seien bisher nicht ausreichend US-Interessen gewürdigt worden.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 121 Beiträge
frankfurtbeat 06.07.2018
1. lassen ...
lassen wir uns überraschen was China als Vergeltung ausbrütet und umsetzt. Jahrelang haben die USA ihre Produktion in Billiglohnländer verlegt - dafür waren die ausgebeutetn Menschen gut. Etwas weniger seltene Erden, Zölle [...]
lassen wir uns überraschen was China als Vergeltung ausbrütet und umsetzt. Jahrelang haben die USA ihre Produktion in Billiglohnländer verlegt - dafür waren die ausgebeutetn Menschen gut. Etwas weniger seltene Erden, Zölle auf die Ausfuhr von Apple-Produkten (zahlt eh nicht korrekt Steuern) Zölle auf wichtige andere Bauteile oder einfach nicht ausführen könnte ein Problem darstellen. Sicherlich sind die Gepflogenheiten in China alles andere als fair gegenüber investierenden Unternehmen - das kann man über entsprechende Maßnahmen im eigenen Land regeln - es bleibt spannend aber ich denke es geht letztendlich zu Lasten der USA.
Reinhold Schramm 06.07.2018
2. Fakten über die chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen
Es ist wichtig, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie eng die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und den USA miteinander verwoben sind. Dies würde dabei helfen, abzuschätzen, welchen Schaden ein Handelskrieg für [...]
Es ist wichtig, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie eng die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und den USA miteinander verwoben sind. Dies würde dabei helfen, abzuschätzen, welchen Schaden ein Handelskrieg für die Menschen in den beiden Ländern bedeuten würde. Schlüsselfakten und Zahlen über die wirtschaftlichen Verbindungen: Im Jahr 2017 ist der bilaterale Handel in einem Jahresvergleich um 15,2 Prozent gewachsen. Chinas Exporte in die Vereinigten Staaten sind um 14,5 Prozent gewachsen. Sie werden übertroffen durch eine Ausweitung der Importe von 17,3 Prozent von den letzteren. China ist der größte Handelspartner der Vereinigten Staaten. Das bilaterale Handelsvolumen ist im Jahr 2017 auf 583,7 Milliarden US-Dollar angestiegen. China empfängt 26 Prozent der aus den USA exportierten Flugzeuge von Boeing, 56 Prozent der Sojabohnen, 16 Prozent der Automobile, 15 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und 15 Prozent der integrierten Schaltkreise. Ungefähr 40 Prozent des Handelsüberschusses werden de facto von US-Unternehmen in China erwirtschaftet. Im Jahr 2017 haben die US- Exporte nach China ungefähr eine Million Jobs für die Vereinigten Staaten geschaffen. Statistiken des US-Büros für wirtschaftliche Analysen zeigen, dass der Gesamtumsatz von US-Firmen in China im Jahr 2015 rund 372 Milliarden US-Dollar betrug. Das umfasst 223 Milliarden US-Dollar von ihren Tochtergesellschaften in China und 150 Milliarden US-Dollar durch Exporte von Amerika nach China. Während des akademischen Jahrs 2017-2018 waren insgesamt 350.755 chinesische Studenten an US-Institutionen für höhere Bildung eingeschrieben. Vgl. CIIC Beijing, 6.7.2018.
equigen 06.07.2018
3. Wer weiß, vielleicht das Ende des Dollars als Leitwärung
Wenn Trump dafür sorgt, dass die Welt um ihn herum - ohne USA - Handel treibt wird der Dollar an Wichtigkeit und Wert verlieren. Was wird dann wichtiger? Der Euro? Oder der chinesische RMB?
Wenn Trump dafür sorgt, dass die Welt um ihn herum - ohne USA - Handel treibt wird der Dollar an Wichtigkeit und Wert verlieren. Was wird dann wichtiger? Der Euro? Oder der chinesische RMB?
biesi61 06.07.2018
4. Wer andern eine Grube gräbt ...
Letztlich wird der Schaden, den die US-amerikanische Wirtschaft erleidet, viel größer sein als die Schäden Chinas. Eine dumme und falsche Politik, die das Ende der Trump-Herrschaft einleiten wird.
Letztlich wird der Schaden, den die US-amerikanische Wirtschaft erleidet, viel größer sein als die Schäden Chinas. Eine dumme und falsche Politik, die das Ende der Trump-Herrschaft einleiten wird.
stadtmusikant123 06.07.2018
5. Strategie gesucht
Bevor jemand die chinesische Handelspolitik milde betrachtet, wäre es ratsam zu eruieren, wie viele Branchen und Arbeitsplätze schon fast komplett in Richtung China abgewandert ist. Sicher eine Folge der Globalisierung und [...]
Bevor jemand die chinesische Handelspolitik milde betrachtet, wäre es ratsam zu eruieren, wie viele Branchen und Arbeitsplätze schon fast komplett in Richtung China abgewandert ist. Sicher eine Folge der Globalisierung und natürlich der strategischen Industrie- und Handelspolitik der Chinesen geschuldet. In China dann nur die Möglichkeit der Minderheitsbeteiligungen und erwiesener maßen Technologieklau. Wenn der Westen im Ganzen in ein paar Jahren nicht "nackig" dastehen will, sollte man da langsam , wie US-Trump, mal gegensteuern. Auf die Multis, die das natürlich alles ganz toll finden, sollte man lieber kritischer gegenüberstehen.

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