Wirtschaft

Grundsicherung

Zahl einheimischer Kinder in Hartz IV sinkt

In Deutschland geborene Kinder sind seltener auf Hartz IV angewiesen. Dafür sind mehr zugewanderte Kinder in der Grundsicherung - die neuesten Zahlen der Arbeitsagentur deuten aber auch hier auf eine Trendwende hin.

DPA

Mittagsverpflegung für Kinder aus armen Familien (Archiv)

Donnerstag, 12.04.2018   10:34 Uhr

Es ist ein positiver Trend, wenn auch ein relativ schwacher: Die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind, ist erneut gesunken. Im Dezember 2017 lebten 1,406 Millionen Kinder mit deutscher Staatsbürgerschaft von der Grundsicherung, 81.576 weniger als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang um 5,5 Prozent. Das geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor.

Die BA-Statistik unterscheidet dabei ausschließlich nach der Staatsbürgerschaft. Einen möglichen Migrationshintergrund erfasst die Statistik nicht.

Deutlich gestiegen ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger hingegen bei den Kindern ohne deutsche Staatsbürgerschaft - die meisten davon sind Geflüchtete oder aus dem EU-Ausland zugezogen. Im Dezember 2017 waren es mit 621.357 fast 23 Prozent mehr Kinder als ein Jahr zuvor. Insgesamt ist die Zahl der Kinder in der Grundsicherung also im Jahresvergleich leicht um 1,7 Prozent auf 2,028 Millionen gestiegen.

Auf den ersten Blick sind die Zahlen wenig überraschend - denn sie bestätigen einen Trend, der bereits seit Mitte 2015 anhält: Die Zahl der Kinder in der Grundsicherung wächst ausschließlich durch die Zuwanderung.

Doch bei näherer Betrachtung deuten die Zahlen auf ein Ende dieser Entwicklung hin. Deutlich wird das, wenn man die Zahlen aus dem Dezember 2017 nicht mit denen aus dem Vorjahresmonat, sondern mit denen von Juni 2017 vergleicht. Normalerweise sollte man das nicht tun, weil die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ganz allgemein während eines Jahres regelmäßig schwankt: Im Juni ist sie tendenziell stets höher als im Dezember.

Dieses Muster war im Jahr 2016 allerdings außer Kraft gesetzt: Die Zahl der Kinder im Hartz-IV-System lag damals auch im Dezember höher als im Juni. Inzwischen ist aber wieder das gewohnte Muster erkennbar. Im Dezember 2017 waren insgesamt rund 34.000 Kinder weniger auf Grundsicherung angewiesen als noch im Juni. Zwar stieg die Zahl der zugewanderten Kinder in Hartz IV auch in diesem Zeitraum - aber deutlich schwächer als zuvor. Gleichzeitig nahm die Zahl der einheimischen Kinder stärker ab als in den Vorjahren.

AP

Geflüchtete Kinder in Sumte (im Mai 2016)

Einiges spricht dafür, dass auch die Zahl der zugewanderten Kinder in Hartz IV bald stagnieren oder abnehmen wird. Denn der starke Zuwachs der vergangenen zwei Jahre ging zu einem großen Teil darauf zurück, dass Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung vom Asylbewerberleistungsgesetz ins Hartz-IV-System wechseln. Nach dem starken Rückgang der Flüchtlingszuwanderung vor etwa zwei Jahren schwächt sich nun mit etwas Zeitverzug offenbar auch der Neuzugang ins Hartz-IV-System ab.

Dass weniger einheimische Kinder auf Grundsicherung angewiesen sind, führen die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor allem auf die insgesamt sinkende Zahl der Langzeitarbeitslosen zurück. Gemessen an der seit Jahren außergewöhnlich starken Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt erscheint die Zahl einheimischer Kinder in Hartz IV immer noch hoch und der Rückgang relativ schwach.

Zudem könnte dieser leichter Rückgang zum Teil auch darauf zurückzuführen sein, dass die Große Koalition in den vergangenen beiden Jahren den Kinderzuschlag und das Wohngeld erhöht hat. Beide Sozialleistungen sollen dazu beitragen, dass Familien mit niedrigen Einkommen eben nicht auf Hartz IV angewiesen sind. Nicht immer verlässt ein Kind also die Grundsicherung, weil Vater oder Mutter sich beruflich verbessern konnten.

fdi

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