Wirtschaft

Verbraucherpreise in Deutschland

Inflation lässt leicht nach

Weltweit fürchten Anleger und Verbraucher steigende Preise - und damit steigende Zinsen. In Deutschland jedoch ist die Teuerungsrate zu Jahresbeginn leicht gesunken.

imago/ Schöning
Mittwoch, 14.02.2018   10:39 Uhr

In Deutschland hat sich die Inflation zu Jahresbeginn leicht abgeschwächt. Die Verbraucherpreise seien im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,6 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Dezember hatte der Anstieg noch 1,7 Prozent betragen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Verbraucherpreise insgesamt um 0,7 Prozent.

Vor allem der unterdurchschnittliche Anstieg der Energiepreise (plus 0,9 Prozent) dämpfte den Preisauftrieb. Tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahresmonat mussten Verbraucher erneut für Nahrungsmittel (plus 3,1 Prozent). Kaltmieten erhöhten sich um 1,7 Prozent. Höhere Mieten machen sich besonders stark bemerkbar, da private Haushalte einen größeren Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden.

Im Gesamtjahr 2017 war die Inflation mit 1,8 Prozent so hoch ausgefallen wie seit 2012 nicht mehr. Damit lag sie unter der Zielmarke von knapp zwei Prozent, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) als ideal für die Wirtschaft erachtet wird. Die jüngsten Börsenturbulenzen wurden auch darauf zurückgeführt, dass Investoren - vor allem in den USA - eine höhere Inflation und damit steigende Zinsen fürchten. Damit würden Anleihen im Vergleich zu Aktien begünstigt, was auf die Stimmung an der Börse drückt.

Deutsche Wirtschaft wächst zum Jahresende um 0,6 Prozent

Zusammen mit den Inflationszahlen gaben die Statistiker auch die Zahlen zum Wirtschaftswachstum bekannt. Demnach hat der deutsche Aufschwung Ende 2017 etwas an Kraft verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Oktober bis Dezember um 0,6 Prozent zum Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Sommerquartal hatte es noch zu einem Plus von 0,7 Prozent gereicht.

Insgesamt ist das deutsche BIP 2017 um 2,2 Prozent gewachsen. Es ist das stärkste Wachstum seit 2011, als Deutschland sich von den Folgen der globalen Finanzkrise erholte. Europas größte Volkswirtschaft wuchs damit das achte Jahr in Folge. Im Jahr 2016 hatte das BIP um 1,9 Prozent zugelegt.

Führende Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit einer Fortsetzung des Konjunkturbooms und erwarten ein kräftiges Wachstum von deutlich mehr als zwei Prozent.

Nach Einschätzung der Bundesbank ist die gedämpfte Wirtschaftsaktivität im vierten Quartal auch auf zwei Brückentage im Oktober zurückzuführen. "Der in der Grundtendenz starke und breit abgestützte konjunkturelle Aufschwung in Deutschland wird dadurch nicht beeinträchtigt", hieß es im jüngsten Monatsbericht der Notenbank.

Getragen wurde das Wachstum zum Jahresende vor allem vom Außenhandel. Die kräftige Erholung der Weltwirtschaft sorgt für steigende Nachfrage nach Waren "Made in Germany". Deutschlands Exportunternehmen erzielten 2017 das vierte Rekordjahr in Folge.

mmq/dpa/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
Patrik74 14.02.2018
1. Oha
Na dann hat Draghi ja wieder eine Ausrede, den „Systemrelevanten“ noch mehr kostenloses Geld nachzuwerfen - hat ja schon in den letzten Jahren so gut geklappt, um die Inflation anzuheizen...
Na dann hat Draghi ja wieder eine Ausrede, den „Systemrelevanten“ noch mehr kostenloses Geld nachzuwerfen - hat ja schon in den letzten Jahren so gut geklappt, um die Inflation anzuheizen...
dasfred 14.02.2018
2. Leider hat so eine Nachricht für den Einzelnen wenig Aussagekraft
Die Inflation wird ja nun an einem imaginären Warenkorb gemessen. Da gibt es aber die unterschiedlichen Prioritäten und damit für jeden von uns völlige unterschiedliche Auswirkungen. Ich muss jedesmal intensiv in den Text [...]
Die Inflation wird ja nun an einem imaginären Warenkorb gemessen. Da gibt es aber die unterschiedlichen Prioritäten und damit für jeden von uns völlige unterschiedliche Auswirkungen. Ich muss jedesmal intensiv in den Text einsteigen, um zu sehen, wieweit ich selbst von einzelnen Preissteigerungen betroffen bin.
hannesmann 14.02.2018
3.
Bei den Mietsteigerungen z.B. wird zunehmend getrickst um Teile der Bevölkerung ruhig zu halten. In Berlin wurden die gesetzlich geregelten Mieterhöhungen ausgesetzt. Im Gegenzug erhalten die Eigentümer aus dem Haushalt einen [...]
Bei den Mietsteigerungen z.B. wird zunehmend getrickst um Teile der Bevölkerung ruhig zu halten. In Berlin wurden die gesetzlich geregelten Mieterhöhungen ausgesetzt. Im Gegenzug erhalten die Eigentümer aus dem Haushalt einen Ausgleich. So kann man das auch machen, dann sehen die Inflationsraten niedriger aus. Fraglich ist auch, wie die massiven Baukostensteigerungen berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu den Kaufpreisen bestehender Immobilien müssten diese Steigerungen auch berücksichtigt werden.
kfp 14.02.2018
4.
Ist da auch die Preissteigerung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen um ca. 60% enthalten? Erhöhung der Bankgebühren für Standard-Girokonto und Karte um fast 100%? Und wer Dank befristeter Stelle wieder Mal umziehen [...]
Ist da auch die Preissteigerung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen um ca. 60% enthalten? Erhöhung der Bankgebühren für Standard-Girokonto und Karte um fast 100%? Und wer Dank befristeter Stelle wieder Mal umziehen "darf" und dabei dann nicht nur die "normale" Mieterhöhung mitkriegt, sondern die lustigen Aufschläge für Neuverträge mitnehmen muss, hat eh verloren. Aber zum Glück ist ja der Liter Milch nur ein paar Cent teurer geworden...
Ökofred 14.02.2018
5. gesetzlich geregelte Mieterhöhung?
HAben Sie mal eine Quelle dafür? Meinen Sie die "Mietpreisbremse"? Wäre mir neu, dass die ausgesetzt wurde. Bitte um Erläuterung. Die Baukosten sind im Bereich "Wohnen, Brennstoffe " etc abgedeckt, [...]
Zitat von hannesmannBei den Mietsteigerungen z.B. wird zunehmend getrickst um Teile der Bevölkerung ruhig zu halten. In Berlin wurden die gesetzlich geregelten Mieterhöhungen ausgesetzt. Im Gegenzug erhalten die Eigentümer aus dem Haushalt einen Ausgleich. So kann man das auch machen, dann sehen die Inflationsraten niedriger aus. Fraglich ist auch, wie die massiven Baukostensteigerungen berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu den Kaufpreisen bestehender Immobilien müssten diese Steigerungen auch berücksichtigt werden.
HAben Sie mal eine Quelle dafür? Meinen Sie die "Mietpreisbremse"? Wäre mir neu, dass die ausgesetzt wurde. Bitte um Erläuterung. Die Baukosten sind im Bereich "Wohnen, Brennstoffe " etc abgedeckt, der immerhin 30% ausmacht.

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