Wirtschaft

Ehemaliger Euro-Gegner

Italienischer Minister Savona nennt Euro "unverzichtbar"

Er galt bisher als strikter Eurogegner, nun hat Paolo Savona ein Bekenntnis zur Gemeinschaftswährung abgelegt. Er halte den Euro für "unverzichtbar", sagte der italienische Europaminister - und lobte sogar Deutschland.

AFP

Paolo Savona

Mittwoch, 13.06.2018   14:28 Uhr

Italiens umstrittener neuer Europa-Minister Paolo Savona hat eine Kehrtwende mit Blick auf den Euro hingelegt. Der 81-jährige ehemalige Professor für Wirtschaftswissenschaften bezeichnete die europäische Gemeinschaftswährung als "unverzichtbar". Die Währungsunion müsse mit Reformen perfektioniert werden. Savona hatte den Euro einst einen "historischen Fehler" genannt. Umfragen zufolge will die Mehrheit der Italiener die Gemeinschaftswährung behalten.

Als Universitätsprofessor hatte sich Savona für einen "Plan B" zum Austritt Italiens aus der Eurozone starkgemacht. Ursprünglich sollte er sogar zum Wirtschaftsminister berufen werden. Das hatte Italiens Präsident Sergio Mattarella zu einem Veto bewogen. Savona wurde in der neuen italienischen Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega nun Minister für Europäische Angelegenheiten.

Savona, der über Erfahrungen im Finanzsektor, in der Wissenschaft aber auch als Minister verfügt, hat die Finanzmärkte wiederholt mit euroskeptischen Ansichten verschreckt. In seinem jüngsten Buch schrieb er, Deutschland versuche, nach dem militärischen Scheitern im Zweiten Weltkrieg Europa jetzt wirtschaftlich zu dominieren.

Savona kritisiert EZB

Nun sagte Savona, er habe sich niemals für einen Austritt seines Landes aus der Währungsgemeinschaft ausgesprochen. Zudem lobte er Deutschland - es sei ein großartiges Land, kulturell, wirtschaftlich und politisch.

Zugleich nahm er die Europäische Zentralbank (EZB) ins Visier: Die Regeln der EZB müssten verändert werden, um die Währungsunion zu verbessern, verlangte Savona. Die EZB müsse eine größere Kontrolle über die Devisenpolitik erhalten.

Anleger reagieren erleichtert auf das Bekenntnis des italienischen Ministers zum Euro. Die Renditen bei italienischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sanken von 2,87 auf 2,77 Prozent. Der Leitindex der Mailänder Börse stieg gegen den europäischen Trend um 0,5 Prozent.

Von anderen Regierungsmitgliedern wären solche Aussagen wenig überraschend, von Savona dagegen bemerkenswert, sagte Commerzbank-Anlagestratege Christoph Rieger. "Vielleicht haben sie erkannt, dass sie mehr von der EU bekommen, wenn sie sich zumindest an ein paar Grundprinzipien halten", sagte der Analyst mit Blick auf die italienische Regierung. Ohne eine strikte Haushaltsdisziplin müsse diese allerdings langfristig mit steigenden Anleiherenditen und höheren Finanzierungskosten rechnen.

mmq/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
skeptiker97 13.06.2018
1. Logisch!
Mit Euro kann man leichter die eigenen Schulden anderen aufbürden.
Mit Euro kann man leichter die eigenen Schulden anderen aufbürden.
genugistgenug 13.06.2018
2. Natürlich wird Dummenland gelobt
irgendeiner muss ja irgendwann die Rechnung für alle übernehmen. Außerdem macht man solche gravierenden Änderungen gut geplant über Nacht und zuvor werden die anderen eingeseift so lange es geht.
irgendeiner muss ja irgendwann die Rechnung für alle übernehmen. Außerdem macht man solche gravierenden Änderungen gut geplant über Nacht und zuvor werden die anderen eingeseift so lange es geht.
Stefnix 13.06.2018
3. In Rekordzeit...
...vom Saulus zum Paulus - Respekt! :-D
...vom Saulus zum Paulus - Respekt! :-D
coyote13 13.06.2018
4. Trau - Schau - Wem . . .
. . . kaum hat Sr. Savona politische Verantwortung knickt er ein: Auf einmal ist alles genau 180 Grad anders herum. Also war alles vorher nur politische Hetze a la Trump um Stimmen zu fangen. Wie niederträchtig und primitiv. [...]
. . . kaum hat Sr. Savona politische Verantwortung knickt er ein: Auf einmal ist alles genau 180 Grad anders herum. Also war alles vorher nur politische Hetze a la Trump um Stimmen zu fangen. Wie niederträchtig und primitiv. Politiker sind wirklich (*&^%$#
frankfurtbeat 13.06.2018
5. bella italia ...
bella italia ist wirtschaftlich abgehängt und wird sich schwer tun, die Schulden zurück zu zahlen. Daher wohl der plötzliche Schwenk von Insolvini :-) äh ich meinte Savona damit man mit dem fetten Minus nicht alleine gelassen [...]
bella italia ist wirtschaftlich abgehängt und wird sich schwer tun, die Schulden zurück zu zahlen. Daher wohl der plötzliche Schwenk von Insolvini :-) äh ich meinte Savona damit man mit dem fetten Minus nicht alleine gelassen wird und man sich damit den Stöpsel aus der Badewanne zieht ... an bella italia wird die Währungsunion zugrunde gehen.

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