Wirtschaft

Tarifstreit über Erzieher

Ver.di-Chef Bsirske droht mit Kita-Streiks ab Mitte Oktober

Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen im Kita-Streit wieder verhandeln - doch mit einer raschen Einigung rechnet niemand. Ver.di-Chef Frank Bsirske fordert ein verbessertes Angebot, die Gegenseite zeigt sich wenig kompromissbereit.

DPA

Vertreter der Verhandlungskommission im Kita-Tarifstreit (Archivbild): Neue Gesprächsrunde

Montag, 28.09.2015   10:16 Uhr

Im Tarifstreit über Erzieher drohen erneut Kita-Streiks: Vor Beginn der neuen Verhandlungsrunde halten beide Seiten an ihren Positionen fest. Falls die Arbeitgeber nicht zu Verbesserungen bereit seien, "werden wir - wie angekündigt - die Streiks ab Mitte Oktober wieder aufnehmen", sagte Ver.di-Chef Frank Bsirske.

Zuvor hatten bereits die Kommunen angekündigt, ihr Angebot nicht nachzubessern. "Veränderungen sind allenfalls im Rahmen des Volumens der Schlichtungsempfehlung möglich", sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle. Arbeitgeber und Gewerkschaften kommen an diesem Montag in Hannover zu neuen Verhandlungen zusammen.

Seit Anfang Februar kämpfen Erzieher und Sozialarbeiter um mehr Geld. Doch die Fronten sind verhärtet. Ein Schlichterspruch sollte nach wochenlangem Streik die Einigung bringen. Doch erst sagte die Ver.di-Basis Nein, dann lehnte die Dienstleistungsgewerkschaft den Vorschlag der Schlichter offiziell ab. Insgesamt geht es in dem Konflikt um 240.000 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst.

Mit der Flüchtlingskrise hat sich die Lage noch einmal verändert

Die Schlichter hatten laut VKA Gehaltssteigerungen für die Erzieherinnen von im Schnitt um 3,3 Prozent vorgesehen. Die Monatsgehälter lägen demnach dann zwischen 2623 und 3800 Euro. Schlichter waren im Sommer der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD). Die Gewerkschaften hatten zehn Prozent mehr Gehalt gefordert.

Die Arbeitgeber geben den Gewerkschaften die Schuld an dem ungelösten Tarifkonflikt. Selbst das Schlichtungsergebnis brächte erhebliche Kostenbelastungen für die Kommunen, sagte Böhle. "Die VKA appelliert an die Gewerkschaften, den Tarifkonflikt auf dieser Basis endlich beizulegen und die Eltern und Kinder nicht mit weiteren Streiks zu belasten."

Mit der Flüchtlingskrise hat sich der Hintergrund für die Verhandlungen inzwischen verändert. Der Bedarf an Kita-Plätzen und Personal dürfte stark steigen, der Bund hat Ländern und Kommunen aber auch deutlich mehr Mittel zugesagt. Der Verhandlungsführer des Beamtenbunds dbb, Willi Russ, machte nun deutlich, dass die Arbeitnehmervertreter gerade aufgrund der neuen Lage auch mehr Geld fordern.

"In den vergangenen Tagen und Wochen ist deutlich geworden, dass wir nicht nur mehr Stellen brauchen", sagte Russ. Etwa die Arbeit mit vom Krieg traumatisierten Menschen und die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger mache den Stellenwert der Sozial- und Erziehungsberufen deutlich.

brk/dpa

insgesamt 44 Beiträge
claus.w.grunow 28.09.2015
1. Bzirske
Das ist seine Lebensaufgabe (und der Gewerkschaften), streiken und erzwingen statt verhandeln.
Das ist seine Lebensaufgabe (und der Gewerkschaften), streiken und erzwingen statt verhandeln.
Niederbayer 28.09.2015
2. Außen hui, innen pfui...
Das ist der Bsirske, der den eigenen Angestellten der Verdi einen Tarifvertrag verweigert und sie lediglich mir Betriebsvereinbarungen abspeist. Sobald er mit der Gewerkschaft der Gewerkschaftsangestellten einen ordentlichen [...]
Das ist der Bsirske, der den eigenen Angestellten der Verdi einen Tarifvertrag verweigert und sie lediglich mir Betriebsvereinbarungen abspeist. Sobald er mit der Gewerkschaft der Gewerkschaftsangestellten einen ordentlichen Tarifvertrag für die eigenen Angestellten unterschrieben hat, kann er gerne wieder den Kämpfer für die Unterdrückten geben. Bis dahin ist er eine Lachnummer.
vox veritas 28.09.2015
3.
"Die Monatsgehälter lägen demnach dann zwischen 2623 und 3800 Euro." Wie bitte? Ich habe Personalverantwortung fü ca. 60 Mitarbeiter, aber an den o.g. Bereich komme ich gerade so ran. Wofür streiken die [...]
"Die Monatsgehälter lägen demnach dann zwischen 2623 und 3800 Euro." Wie bitte? Ich habe Personalverantwortung fü ca. 60 Mitarbeiter, aber an den o.g. Bereich komme ich gerade so ran. Wofür streiken die eigentlich?
Inselbewohner 28.09.2015
4. Ein neues Argument
All die traumatisierten Flüchtlingskinder die jetzt in die Kitas kommen(warum eigentlich?) stellen eine neue Herrausforderung für die Erzieher dar. Sind die überhaupt qualifiziert mit psychisch gestörten Kindern umzugehen? [...]
All die traumatisierten Flüchtlingskinder die jetzt in die Kitas kommen(warum eigentlich?) stellen eine neue Herrausforderung für die Erzieher dar. Sind die überhaupt qualifiziert mit psychisch gestörten Kindern umzugehen? Nun, dass genug kohle da ist wird uns ja täglich vorgeführt also gebt den Erzieherinnen auch ein Stück vom großen Kuchen ab. Es ist genug für alle da! Freibier!! Schönen Tag HP
Spiegelleserin57 28.09.2015
5. Tragisch!
Es ist schon tragisch wie das Flüchtlings Problem nun ausgeschlachtet wird. Andere Berufe müssen auch mit Menschen vieler Nationen zusammenarbeiten . So schlecht scheinen die Erzieher wohl nicht zu verdienen wenn die angegeben [...]
Es ist schon tragisch wie das Flüchtlings Problem nun ausgeschlachtet wird. Andere Berufe müssen auch mit Menschen vieler Nationen zusammenarbeiten . So schlecht scheinen die Erzieher wohl nicht zu verdienen wenn die angegeben Zahlen stimmen! Verdi sollte mal die Kirche im Dorf lassen . Andere Berufe z.B Pflege verdienen auch nicht mehr. Es scheint langsam so als wollte Verdi diese Verhandlungen zum Politikum ausarten lassen. Das macht Verdi gar nicht sympathisch und langsam verliert man auch das Verständnis für diesen Aufstand. Viele arbeiten in diesen Berufen nur halbtags. Daher ist der prozentuale Anteil natürlich niedriger, folglich muss man halt mehr arbeiten , ist aber in anderen Berufen auch nichts anders.

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