Wirtschaft

Ermittlung der US-Justiz

Huawei-Finanzchefin festgenommen - China schickt wütende Protestnote

Die USA werfen ihr Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vor, gegen den Konzern laufen Spionage-Ermittlungen: Mit der Festnahme von Finanzchefin Meng in Kanada erreicht der Kampf gegen Huawei einen neuen Höhepunkt.

Foto: AP
Donnerstag, 06.12.2018   11:27 Uhr

Mit der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada ist zwischen den USA und China ein neuer Konflikt entbrannt. Die USA drängen auf die Auslieferung der Topmanagerin Meng Wanzhou, wie ein Sprecher des kanadischen Justizministeriums am Mittwoch bestätigte. Für Freitag sei jedoch zunächst eine Kautionsanhörung angesetzt worden.

Laut der kanadischen Zeitung "The Globe and Mail", die zuerst über die bereits am 1. Dezember erfolgte Verhaftung berichtet hatte, sucht die US-Justiz Meng wegen Sanktionsverstößen. Einem Insider zufolge werde die Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei beschuldigt, das US-Handelsembargo gegen Iran verletzt zu haben.

China, das gerade erst im Handelsstreit mit den USA einen "Waffenstillstand" vereinbart hatte, reagierte am Donnerstag mit scharfem Protest gegen beide Länder auf die Festnahme. Die chinesische Seite habe die "USA und Kanada aufgefordert, das Fehlverhalten sofort zu korrigieren und die persönliche Freiheit von Frau Meng Wanzhou wiederherzustellen", teilte die chinesische Botschaft in Kanada mit. Man werde "alle Maßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen der chinesischen Bürgerin entschlossen zu schützen".

Wegen des Vorwurfs von Sanktionsverstößen hatte Washington zuvor schon den chinesischen Netzwerk-Ausrüster ZTE bestraft, der dadurch einen schweren wirtschaftlichen Rückschlag hinnehmen musste. Die Sanktionen gegen den chinesischen Konzern wurden im Juli aufgehoben, nachdem US-Präsident Donald Trump persönlich interveniert und das Unternehmen eine Milliardenstrafe gezahlt hatte.

Huawei bestätigte die Verhaftung von Meng am Donnerstag in einem Statement. Dem Konzern sei kein Fehlverhalten seiner Managerin bekannt und er habe auch nur wenige Informationen darüber erhalten, was ihr vorgeworfen werde. Huawei halte sich an alle Gesetze und Regulierungen, inklusive Exportkontrollen und Sanktionen der Vereinten Nationen sowie der USA und der EU.

In den USA kursieren schon länger Medienberichte, wonach Justizbehörden gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster ermitteln. Danach hegen die Fahnder gegen den Konzern den Verdacht auf Spionage, deshalb kann Huawei dort geschäftlich auch nur stark eingeschränkt agieren. Das "Wall Street Journal" schrieb bereits im April, dass wegen der Iran-Geschäfte von Huawei eine strafrechtliche Untersuchung laufe.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten am Wochenende beim G20-Gipfel in Buenos Aires eine Eskalation in ihrem erbitterten Handelskrieg vorerst abgewendet. Die USA versprachen, ihre zusätzlichen Zölle auf chinesische Einfuhren vorerst nicht wie geplant zu erhöhen oder auszuweiten. Im Gegenzug sicherte China zu, seine Importe aus den USA zu erhöhen, um das Handelsungleichgewicht zu verringern.

mik/dpa-AFX

insgesamt 14 Beiträge
chrimirk 06.12.2018
1. Hoffentlich bleiben die Chinesen hart!
Die USA wollen die Welt zu deren Dominium machen! Das dürfen wir allesamt nicht nur nicht zulassen, sondern müssen unverzüglich Gegenschritte unternehmen, sorgfältig aufeinander abgestimmt. Sollte sich durch diesen [...]
Die USA wollen die Welt zu deren Dominium machen! Das dürfen wir allesamt nicht nur nicht zulassen, sondern müssen unverzüglich Gegenschritte unternehmen, sorgfältig aufeinander abgestimmt. Sollte sich durch diesen Präsidenten die ehemalige ekelhafte Anti-USA-Propaganda der UdSSR als doch -wenigstens in Teilen- zutreffend zeigen? Das wäre sehr schade, ich denke an die vielen US-Bürger, die so ganz anders sind als der jetzige Präsident. Einer dieser großen US-Männer wurde gestern dort feierlich verabschiedet.
mborevi 06.12.2018
2. Spielen sich die USA zum Richter ...
... auf und erklären ihre Gesetze zu weltweit gültigen? Es ist Zeit, diesen Unfug abzustellen. Ich werde das Meine beitragen: Nur noch chinesische Handys, keine von US-Firmen mehr. Es sind sowieso die Besseren.
... auf und erklären ihre Gesetze zu weltweit gültigen? Es ist Zeit, diesen Unfug abzustellen. Ich werde das Meine beitragen: Nur noch chinesische Handys, keine von US-Firmen mehr. Es sind sowieso die Besseren.
Pinin 06.12.2018
3. Die USA wollen ...
... ganz einfach nicht dulden dass ein anderes land ihnen die Technologie-Herrschaft streitig macht. Aber auch schon Obama bestand auf dem "USA-Exceptionalismus"
... ganz einfach nicht dulden dass ein anderes land ihnen die Technologie-Herrschaft streitig macht. Aber auch schon Obama bestand auf dem "USA-Exceptionalismus"
cs01 06.12.2018
4.
Solange man in den USA Geschäfte machen will, muss man sich eben an deren Gesetze halten. Aber man muss ja nicht in den USA Geschäfte machen. Ganz einfach. Huawei hat die Wahl. Aber wenn mich die Gewinne dort locken, muss [...]
Zitat von mborevi... auf und erklären ihre Gesetze zu weltweit gültigen? Es ist Zeit, diesen Unfug abzustellen. Ich werde das Meine beitragen: Nur noch chinesische Handys, keine von US-Firmen mehr. Es sind sowieso die Besseren.
Solange man in den USA Geschäfte machen will, muss man sich eben an deren Gesetze halten. Aber man muss ja nicht in den USA Geschäfte machen. Ganz einfach. Huawei hat die Wahl. Aber wenn mich die Gewinne dort locken, muss ich eben nach deren Regeln spielen.
hans.gans3000 06.12.2018
5. Normalerweise drücken die Chinesen "höflich" ihren Unmut aus.
Wenn man die jetzt so wütend gemacht hat, so dass sie nicht mehr "höflich" den Unmut ausdrückt und nun heftigst aggressiv protestieren. Dann ist das ab jetzt gefährlich! VW wurde ja auch von den Amis geschwächt, [...]
Wenn man die jetzt so wütend gemacht hat, so dass sie nicht mehr "höflich" den Unmut ausdrückt und nun heftigst aggressiv protestieren. Dann ist das ab jetzt gefährlich! VW wurde ja auch von den Amis geschwächt, zwar berechtigt aber andere die auch gemogelt wurden nicht so belangt wie VW.

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