Wirtschaft

Drohende Altersarmut

Fast jede zweite Rente liegt unter 800 Euro

Wer in Deutschland in den Ruhestand geht, der droht nach Angaben der Linken künftig immer öfter, in Armut abzurutschen. 48 Prozent der Rentner bekommen schon jetzt weniger als 800 Euro im Monat.

DPA

Rentner-Ehepaar (Archivbild)

Donnerstag, 12.07.2018   08:50 Uhr

Fast jede zweite Altersrente in Deutschland liegt einem Medienbericht zufolge unter 800 Euro im Monat. Dies berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion.

Rund 8,6 Millionen Rentner erhielten Ende 2016 demnach eine Rente von weniger als 800 Euro monatlich - ein Anteil von 48 Prozent.

Das Ministerium betonte, dass die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter liefere. Grund dafür sei, dass weitere Einkommen nicht berücksichtigt würden - etwa die anderer Haushaltsmitglieder.

Die Zahlen beziehen sich dem Bericht zufolge auf Renten nach Sozialversicherungsbeiträgen, jedoch vor Abzug von Steuern. Daten für 2017 lagen demnach noch nicht vor.

Video: Flucht vor der Altersarmut - Neue Heimat Bulgarien

Foto: SPIEGEL TV

Die Linke äußert sich beunruhigt. "Die Zahlen zeigen, dass schon heute ein großer Teil gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhält", sagte Rentenexpertin Sabine Zimmermann.

Aktuell ist die Altersgruppe der Über-65-Jährigen allerdings noch unterdurchschnittlich von Armut betroffen. Das gilt insbesondere, wenn man als Maßstab heranzieht, wie hoch der Anteil derjenigen ist, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind.

Die Grundsicherung ist von der Höhe her mit Hartz IV vergleichbar und deckt nur das Existenzminimum ab. 2015 lag dieser Anteil bei den Über-65-Jährigen bei 3,0 Prozent - während die Quote der Hartz-IV-Bezieher bei den Unter-65-Jährigen mit 9,3 Prozent mehr als dreimal so hoch war.

ssu/dpa-AFX

insgesamt 215 Beiträge
zora81 12.07.2018
1. Traurig
Es ist natürlich schrecklich für diejenigen, die ihr Leben lang gearbeitet haben. Eine weitere Gruppe der zukünftigen Rentner, die von der Altersarmut betroffen sind, ist meine Elterngeneration. Viele Freunde meiner Eltern [...]
Es ist natürlich schrecklich für diejenigen, die ihr Leben lang gearbeitet haben. Eine weitere Gruppe der zukünftigen Rentner, die von der Altersarmut betroffen sind, ist meine Elterngeneration. Viele Freunde meiner Eltern waren selbstständig und haben nicht oder nur wenig eingezahlt oder haben Bafög-Schulden, aufgrund derer sie nicht mehr in Vollzeit gearbeitet haben, um sich vor einer Rückzahlung zu drücken. Geheiratet wurde nicht, weshalb auch keine Aussicht auf Versorgungsausgleich bzw. Witwen/Witwerrenten besteht, was die Renten der noch älteren Generationen ja zumindest noch teilweise abpuffert. Da ich so viele kenne, die nie oder kaum in die Rentenkassen eingezahlt haben, bin ich für eine Verpflichtung eines jeden Bürgers zur Einzahlung eines Rentenbeitrags! Bei der Verpflichtung zur Krankenkasse haben auch alle gestöhnt und letztendlich klappt es doch jetzt und ist völlig selbstverständlich geworden. Es kann nicht sein, dass Selbstständige und Beamte, die jahrelang nichts einzahlen dann im Alter von der Allgemeinheit finanziert werden müssen.
spiegel-bn 12.07.2018
2. "Rente" ist nicht gleich "Rentner"
In Deutschland werden alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung 25,7 Millionen Renten ausbezahlt. Es gibt aber "nur" 17,5 Millionen Rentenempfänger. Viele Rentner erhalten also mehr als eine Rente. Das heißt [...]
In Deutschland werden alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung 25,7 Millionen Renten ausbezahlt. Es gibt aber "nur" 17,5 Millionen Rentenempfänger. Viele Rentner erhalten also mehr als eine Rente. Das heißt aus der Höhe einer einzelnen Rente kann man nicht darauf schließen, wiviel ein Rentner wirklich an Rente(n) bekommt. Das es bei vielen trotzdem nicht reicht, will ich ja garnicht bezweifeln, aber die Zahlen sollten wenigstens richtig dargestellt werden!
Zottelbär 12.07.2018
3. Fragwürdige Statistik
Die anderen Einkommen müssen unbedingt berücksichtigt werden. Erhalten z. B. Beamte, die früher einige Jahre als Angestellte in die Rentenversicherung eingezahlt haben, eine kleine Rente, deren Betrag übrigens grundsätzlich [...]
Die anderen Einkommen müssen unbedingt berücksichtigt werden. Erhalten z. B. Beamte, die früher einige Jahre als Angestellte in die Rentenversicherung eingezahlt haben, eine kleine Rente, deren Betrag übrigens grundsätzlich von der Pension abgezogen wird, um eine „Überversorgung“ zu verhindern, verfälscht dies die Statistik natürlich völlig.
Tharsonius 12.07.2018
4. Is Klar.....
Zitat:"Das Ministerium betonte, dass die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter liefere. Grund dafür sei, dass weitere Einkommen nicht berücksichtigt würden - etwa [...]
Zitat:"Das Ministerium betonte, dass die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter liefere. Grund dafür sei, dass weitere Einkommen nicht berücksichtigt würden - etwa die anderer Haushaltsmitglieder." Vor allem weil so viele Rentner noch mehr als ihren Ehepartner/Lebensgefährten haben und sicherlich dann bei den Nachkommen wohnen. *ironie-off*
fredotorpedo 12.07.2018
5. sehr schief dargestellt
Die Koppelung von "Rente unter 800€" und "Altersarmut" ist sehr verfälschend. In den sehr vielen Fällen war es früher, bzw. in zu Beginn meiner Arbeitszeit so, dass der Mann arbeitete und die Frau sich um [...]
Die Koppelung von "Rente unter 800€" und "Altersarmut" ist sehr verfälschend. In den sehr vielen Fällen war es früher, bzw. in zu Beginn meiner Arbeitszeit so, dass der Mann arbeitete und die Frau sich um die Kinder kümmerte. Logisch, dass alle diese Frauen jetzt oft eine Rente unter 800€ erhalten. Nicht logisch ist die Folgerung, dass ihnen die Altersarmut droht. In meinem Fall erhält meine Frau eine Rente unter 400€, unser Haushaltseinkommenist aber deutlich höher. Ich würde uns eher als wohlhabend und ncht als arm bezeichnen. Auch für den Fall, dass ich vor meiner Frau sterbe, wird es ihr noch sehr gut gehen. Und ich denke, das ist in vielen anderen Fällen auch so. Wenn man also vernünftig über dieses Thema berichtet, dann sollte man auch differenzieren und jeweils die gesamte Einkommenssituation berücksichtigen. Es gibt auch viele Rentner, die haben eine niedrige Rente aber zusätzliches Einkommen aus Erbschaften. Auch die könnte man raus rechnen.

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Die Säulen des Sozialsystems

Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.

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