Wirtschaft

Warnstreiks der IG Metall

"Wir werden hier nicht lockerlassen"

Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie beharrt die IG Metall auf einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Doch die sollte nach Vorstellung der Arbeitgeber in beide Richtungen gelten.

DPA

Jörg Hofmann

Donnerstag, 11.01.2018   13:12 Uhr

In den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie fordern die Arbeitgeber ein Entgegenkommen der IG Metall. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger zeigte sich in der "Süddeutschen Zeitung" bereit, mit der Gewerkschaft über eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu sprechen. Dann müsse es bei den Arbeitszeiten aber nicht nur nach unten, sondern auch nach oben gehen können. "Wenn Beschäftigte länger arbeiten dürfen, können wir auch darüber reden, wie Einzelne weniger arbeiten können."

Die IG Metall will neben einer kräftigen Lohnsteigerung für die bundesweit fast vier Millionen Beschäftigten der Branche ein Recht auf individuelle Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Wochenstunden durchsetzen. Wer wegen der Pflege von Angehörigen oder der Kinderbetreuung kürzertritt, soll einen monatlichen Ausgleich erhalten.

Dies lehnen die Arbeitgeber strikt ab. Sie führen an, dass bis zu 200.000 zusätzliche Arbeitskräfte nötig würden, sollte in großem Stil von weiteren Arbeitszeitverkürzungen Gebrauch gemacht werden. Zusätzliche Mitarbeiter seien wegen des Fachkräftemangels aber kaum zu finden. "Das, was die IG Metall uns auf den Tisch legt, das gefährdet eben die Arbeitsplätze und ist nicht im Sinne der Menschen", sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf im ARD-"Morgenmagazin".

Animation: Die Forderung nach der 28-Stunden-Woche

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die IG Metall machte vor der am Donnerstag in Baden-Württemberg anstehenden dritten Gesprächsrunde mit den Arbeitgebern klar, dass sie an ihren Forderungen festhält. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann forderte die Gegenseite auf, ihre Vetohaltung aufzugeben und mit der IG Metall auch über einen teilweisen Lohnausgleich für bestimmte Arbeitnehmergruppen zu sprechen. "Wir werden hier nicht lockerlassen, über das Wie können wir reden", sagte Hofmann.

Bei den Löhnen rechnet der Gewerkschaftsboss mit einer "ordentlichen" Erhöhung. Die Gewinne der Unternehmen im vergangenen Jahr hätten genügend Verteilungsspielraum geschaffen, der keine Investitionen verhindern werde. Angesichts eines Dividendenanstiegs für die Aktionäre von zehn bis 15 Prozent im vergangenen Jahr sei die Tarifforderung der Gewerkschaft von sechs Prozent mehr Geld angemessen.

Warnstreiks werden ausgeweitet

Um den Druck für ihre Forderungen zu erhöhen, will die IG Metall die Warnstreiks im Südwesten erneut deutlich ausweiten und rechnet mit einer Rekordbeteiligung. Tausende Metaller bundesweit sind aufgerufen, ihre Arbeit vorübergehend niederzulegen, während in Böblingen bei Stuttgart vom frühen Nachmittag an weiter verhandelt wird.

Hofmann hatte am Mittwoch bereits mit einer weiteren Eskalation gedroht, falls sich die Arbeitgeber bis Ende Januar nicht bewegen sollten. "Dann sehen wir, ob es Sinn macht, weiter zu verhandeln, ob es ganztägige Warnstreiks geben wird oder gleich die Urabstimmung über Flächenstreiks", hatte Hofmann gesagt. Bundesweit arbeiten rund 3,9 Millionen Menschen in der Metall- und Elektroindustrie.

dab/dpa

insgesamt 18 Beiträge
geirröd 11.01.2018
1. Passt doch....
...wenn man sich auf die flexible Arbeitszeitspanne - ausgedehnt nach unten und oben - einigen kann, können diejenigen, die länger arbeiten möchten den Ausfall der anderen kompensieren - tip top. Bleibt nur noch die prozentuale [...]
...wenn man sich auf die flexible Arbeitszeitspanne - ausgedehnt nach unten und oben - einigen kann, können diejenigen, die länger arbeiten möchten den Ausfall der anderen kompensieren - tip top. Bleibt nur noch die prozentuale Gehaltsanpassung. Hier mein Tipp: ...wie jedes Mal....nach zähen Verhandlungen einigt man sich auf eine Erhöung von 3,2% im ersten Jahr und für das zweite Jahr nochmals um 0,7%....
zeisig 11.01.2018
2. Einseitige Forderungen.
Flexible Arbeitszeiten, aber bitte nur nach unten. . Und dann natürlich eine kräftige Lohnsteigerung. Alles schön und gut. Was mich ärgert ist die Tatsache, daß hier eine Branche von einer starken Gewerkschaft vertreten [...]
Flexible Arbeitszeiten, aber bitte nur nach unten. . Und dann natürlich eine kräftige Lohnsteigerung. Alles schön und gut. Was mich ärgert ist die Tatsache, daß hier eine Branche von einer starken Gewerkschaft vertreten wird, während die Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland in die Röhre guckt.Hier gehört dringend etwas getan. Ich weiß, Politik soll sich in die Tarifautonomie nicht einmischen, aber ich fordere genau dieses. Es muß aufhören, daß immer nur diejenigen Arbeitnehmer besser gestellt werden, die die bessere Lobbyvertretung haben.
Dr. Kilad 11.01.2018
3. Es geht eben nicht nur um die Arbeitgeber
Auch die AN müssen bestimmen können, wie dcer von Ihnen geschaffene Wert verteilt wird. Es ist ja auch nicht einzusehen, dass eine profitgierige Minderheit das Leben der Mehrheit bedtimmen wollen. Überhaupt wird viel zu wenig [...]
Auch die AN müssen bestimmen können, wie dcer von Ihnen geschaffene Wert verteilt wird. Es ist ja auch nicht einzusehen, dass eine profitgierige Minderheit das Leben der Mehrheit bedtimmen wollen. Überhaupt wird viel zu wenig über Art. 15 GG (Sozialisierung) diskutiert. Zu hoffen bleibt, aber dass die asozialen AG-Verbände endlich mal durch Streik in die Schranken gewiesen werden. Wie das sog. "Tarifeinheitsgesetz" zeigt, ist der Gesetzgeber ja leider völlig einseitig auf die AG-Intressen orientiert.
vomDeich 11.01.2018
4. Arbeitszeit runter
löst nicht das Grundproblem unsere Familienpolitik, es ist mal wieder ein Pflaster....das heute eine anständige Betreuung seiner Familie nur zu schwer zu erfüllen und die Pflege teuer ist, bedeutet schlichtweg ein staatliches [...]
löst nicht das Grundproblem unsere Familienpolitik, es ist mal wieder ein Pflaster....das heute eine anständige Betreuung seiner Familie nur zu schwer zu erfüllen und die Pflege teuer ist, bedeutet schlichtweg ein staatliches versagen. Jetzt werden die ohnehin überfüllten Arbeitszeitkonten weiter gefüllt als Solidaritätsbeitrag für diejenigen, die ihre Arbeitszeit runterfahren - müssen -, ein Wahnsinn. Bisher hieß es "Arbeitszeitkonten stellen gegenwärtig das bedeutendste und am weitesten verbreitete Instrument der Arbeitszeitflexibilisierung dar"...ich bin wahrlich nicht Arbeitgeberfreundlich gesonnen, aber derartige Forderungen der IGM im Zuge des angekommenen Fachkräftemangels.....bei Lohnplus im unteren Bereich....bei einer Zunahme der gesellschaftlichen Spaltung bei den unteren Lohngruppen... Wer hat sich nur dieses Thema als Arbeitskampf "ausgedacht".
tomrobert 11.01.2018
5. Ein anderes System eine andere Republik!
Nicht Institutionen sondern der Einzelne soll gestärkt werden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Löhne fluten lassen, das stärkt den Einzelnen und behält ihm die Entscheidung vor. Das Gesäusel der Gewerkschaft [...]
Nicht Institutionen sondern der Einzelne soll gestärkt werden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Löhne fluten lassen, das stärkt den Einzelnen und behält ihm die Entscheidung vor. Das Gesäusel der Gewerkschaft treibt die Arbeitnehmer immer tiefer in die Abhängigkeit des wirtschaftlich Stärkeren. Die Arbeitgeber können auf der anderen Seite nicht flexibel genug handeln. Die Bundesanstalt mach 5,5 Milliarden Überschüsse. Warum bekommen das nicht die Arbeitslosen um sich wettbewerbsfähig zu machen? Wer sackt das Geld ein? Das geht durch die ganze Republik zu Lasten der Leute!

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