Wirtschaft

AT&T und Time Warner

US-Regierung blockt Mega-Deal

Es soll einer der größten Deals des Jahres werden: Der US-Kommunikationsriese AT&T plant, mit dem Mediengiganten Time Warner zu fusionieren. Doch die US-Regierung will die milliardenschwere Übernahme mit einer Klage verhindern.

AFP

Randall Stephenson, CEO von AT&T

Dienstag, 21.11.2017   02:45 Uhr

Das US-Justizministerium hat einen Milliarden-Deal zur Fusion des Medienunternehmens Time Warner mit dem Kommunikationsriesen AT&T zunächst verhindert. Das Justizministerium reichte am Montag Klage gegen die beabsichtigte Fusion vor einem Bundesgericht in Washington ein. "Die geplante 108-Milliarden-Dollar Übernahme würde den Wettbewerb deutlich verkleinern und im Ergebnis zu höheren Preisen und weniger Innovation für Millionen Amerikaner führen", hieß es zur Begründung.

AT&T kündigte an, um die geplante Übernahme kämpfen zu wollen. Das Geschäft hätte nach Ministeriumsangaben ein Volumen von 108 Milliarden Dollar haben sollen, das sind umgerechnet etwa 92 Milliarden Euro.

Im vergangenen Oktober hatte AT&T eine Vereinbarung erzielt, den Medienkonzern zu übernehmen (mehr Hintergründe dazu lesen Sie hier). Zu Time Warner gehören unter anderem der Sender HBO, die Filmstudios Warner Bros und der Nachrichtensender CNN. AT&T will sich mit der Übernahme unabhängiger vom Mobilfunkgeschäft machen, wo kleinere Rivalen wie die Telekom-Tochter T-Mobile und Sprint Druck ausüben.

Kritiker werfen der Regierung von Präsident Donald Trump vor, mit dem staatlichen Einschreiten vor allem die Abspaltung des Senders CNN betreiben zu wollen. Trump hatte CNN in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert. Der Präsident wird dort meist in kritischem Licht dargestellt.

Das Justizministerium begründete seinen Einspruch mit negativen Folgen für die US-Verbraucher: Die Kosten für Kabel-Abos würden steigen, die Innovationskraft sinke. Die Behörde befürchtet zudem, dass von Time Warner Chart zeigen produzierte Inhalte im Falle der Fusion nicht mehr von anderen Kabelanbietern verbreitet werden könnten oder dafür immens hohe Gebühren aufgerufen würden. AT&T selbst habe so argumentiert, als andere Fusionen in der Branche angestanden hätten.

AT&T hält diese Argumente nicht für stichhaltig. Das Unternehmen sei zuversichtlich, dass das Gericht die Behauptungen der Regierung zurückweisen und den Kauf erlauben werde, sagte Chefanwalt David McAtee laut einer Mitteilung.

aar/dpa/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
frenchie3 21.11.2017
1. Wenn AT+T nun die eigenen Argumente
reingewürgt bekommt: bitte auch dann durchziehen
reingewürgt bekommt: bitte auch dann durchziehen
hanfiey 21.11.2017
2. sehe gar kein Problem
Die Übernahme ist schwachsinnig teuer, alles andere macht Sinn. Wenn ein Provider einen Medienkonzern übernimmt kann da eigentlich nur positives bei rumkommen, das wäre für beide Seiten von Vorteil. Gerade AT&T ist zu [...]
Die Übernahme ist schwachsinnig teuer, alles andere macht Sinn. Wenn ein Provider einen Medienkonzern übernimmt kann da eigentlich nur positives bei rumkommen, das wäre für beide Seiten von Vorteil. Gerade AT&T ist zu unflexibel und schwerfällig.
wasistlosnix 21.11.2017
3. Klassischer Kapitalismus
Erst so billig wie möglich auf dem Markt anbieten. Dann durch Wachstum und zukäufe Marktbeherrschung erlangen und dann die Preise kräftig erhöhen.
Erst so billig wie möglich auf dem Markt anbieten. Dann durch Wachstum und zukäufe Marktbeherrschung erlangen und dann die Preise kräftig erhöhen.
Hermes75 21.11.2017
4.
Dass Trumps Regierung gerade bei diesem Deal ihren Sinn für den Verbrauchschutz entdeckt ist zumindest ungewöhnlich - vorsichtig ausgedrückt. Nach den bisherigen Erfahrungen ist es tatsächlich wahrscheinlicher, dass es sich um [...]
Dass Trumps Regierung gerade bei diesem Deal ihren Sinn für den Verbrauchschutz entdeckt ist zumindest ungewöhnlich - vorsichtig ausgedrückt. Nach den bisherigen Erfahrungen ist es tatsächlich wahrscheinlicher, dass es sich um eine Strafaktion gegen CNN handelt.
g.eliot 21.11.2017
5.
Trump hatte schon im Wahlkampf verkündet, eine Fusion von Time Warner mit AT&T zu bekämpfen, falls er gewählt wird. Er hat noch in seiner Amtszeit einmal gewettert, dass er es sich gerne vorbehalten würde, einzelnen [...]
Trump hatte schon im Wahlkampf verkündet, eine Fusion von Time Warner mit AT&T zu bekämpfen, falls er gewählt wird. Er hat noch in seiner Amtszeit einmal gewettert, dass er es sich gerne vorbehalten würde, einzelnen Sendern die Lizenz zu entziehen. Da hatte er sich spezifisch über den Sender NBC geärgert. Die Argumente gegen die Fusion sind insofern nicht schlüssig, weil es sich um eine "vertikale" Fusion handele, d.h. die beiden Fusionsparteien würden nicht aus derselben Branche kommen. So würde die Marktmacht eines einzelnen Unternehmens in einer bestimmten Branche gar nicht wachsen. Es wäre daher sehr ungewöhnlich, dass das Justizministerium einschreite. Wie Politico gestern berichtete, könnten Trumps Tweets die Aussichten des Justizministeriums betrüben, die Fusion zu verhindern, sollte nachweisbar sein, dass Trump diese verhindern will, weil ihm der Sender CNN wegen der kritischen Berichtserstattung ein Dorn im Auge ist.

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