Wirtschaft

Elektro-Strategie

BMW übernimmt Mehrheit an chinesischem Joint Venture

In China bahnt sich ein Zeitenwechsel an. Mit BMW übernimmt erstmals ein Autokonzern aus dem Ausland die Federführung in einem Joint Venture.

DPA

BMW-Werk in Shenyang

Donnerstag, 11.10.2018   08:47 Uhr

BMW wird als erster ausländischer Autohersteller die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen in China übernehmen. BMW werde seinen Anteil am Joint Venture mit Brilliance China Automotive von 50 auf 75 Prozent erhöhen, kündigte das Unternehmen am Donnerstag an. Der Kaufpreis für den zusätzlichen 25-Prozent-Anteil betrage 3,6 Milliarden Euro. Die zuständigen Behörden müssen noch zustimmen.

Gleichzeitig verlängerten beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit bis ins Jahr 2040, wie BMW weiter mitteilte. Ziel sei, die Produktionskapazitäten an den bestehenden Standorten in Shenyang auszubauen.

Bislang dürfen ausländische Autohersteller in China nur einen Anteil von höchstens 50 Prozent an Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern halten. Die Regierung kündigte im April aber an, diesen Zwang schrittweise aufzuheben. Hersteller von Elektrowagen sind bereits in diesem Jahr von der Auflage befreit, bis 2020 soll der Zwang für Nutzfahrzeughersteller fallen, bis 2022 für Hersteller konventioneller Pkw.

BMW teilte am Donnerstag mit, die Übernahme der Mehrheit am Gemeinschaftsunternehmen mit Brilliance solle 2022 erfolgen, also in dem Jahr, in dem die Joint-Venture-Pflicht für die Automobilproduktion in China ausläuft.

China erhofft sich nach eigenen Angaben von der Liberalisierung einen größeren Austausch von Kapital, Technologie und Personal zwischen chinesischen und ausländischen Firmen. Die Marktöffnung gilt auch als Signal einer Liberalisierung. Im Zentrum der Aktivitäten steht der Ausbau der Elektromobilität. Besonderer Kaufanreiz ist die bevorzugte Zulassung von E-Autos in großen Metropolen. Nummernschilder für Benzinautos werden verlost oder müssen teuer ersteigert werden. Käufer müssen oft jahrelang warten, während Elektrofahrzeuge eher zugelassen werden. Auch gibt es Fahrverbote an bestimmten Tagen, die für E-Autos nicht gelten.

China ist der größte Automarkt der Welt. 2017 wurden dort 28,9 Millionen Fahrzeuge verkauft. Für deutsche Hersteller ist der Markt enorm wichtig: Jedes fünfte Auto, das in China zugelassen wird, trägt ein deutsches Markenzeichen. Der Marktanteil ausländischer Marken insgesamt betrug im ersten Quartal 2018 rund 55 Prozent.

BMW hat 2017 in China rund 560.000 Autos ausgeliefert. Der Absatz stieg in den ersten acht Monaten des Jahres um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Autobauer richtet sich künftig verstärkt auf die steigende Nachfrage nach E-Autos in China ein. Sechs Modelle werden heute schon elektrifiziert angeboten. In Dadong läuft ab 2020 der vollelektrische BMWiX3 vom Band. Er wird ausschließlich in China gebaut und soll auch exportiert werden.

mik/AFP

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