Wirtschaft

Warnstreiks abgewendet

Bahn und Gewerkschaft EVG einigen sich im Tarifstreit

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn gibt es einen Abschluss. Das haben der Konzern und die Gewerkschaft EVG bestätigt. Die Beschäftigten bekommen in zwei Stufen 6,1 Prozent mehr Geld.

DPA

Hauptbahnhof in München

Samstag, 15.12.2018   11:29 Uhr

Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft EVG haben sich im Tarifkonflikt geeinigt. Es gebe einen Abschluss, bestätigten beide Seiten in Berlin einen Bericht des Bayerischen Rundfunks. Details zu der Vereinbarung wollen die Tarifparteien am Vormittag in Berlin bekanntgeben. Weitere Warnstreiks sind den Tarifparteien zufolge damit abgewendet.

Bahn und EVG einigten sich eigenen Angaben zufolge auf eine Lohnerhöhung von insgesamt 6,1 Prozent in zwei Stufen.Zum 1. Juli 2019 sollen die Löhne um 3,5 Prozent steigen, ein Jahr später noch einmal um 2,6 Prozent. Zudem erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 1000 Euro. Die neuen Tarifverträge gelten rückwirkend vom 1. Oktober 2018 bis zum 28. Februar 2021 - und haben damit eine Laufzeit von 29 Monaten.

Konflikt mit der GDL noch ungelöst

Am Montag hatte die EVG mit einem rund vierstündigen Warnstreik große Teile des Zugverkehrs lahmgelegt. Millionen Berufspendler waren betroffen. Nach dem Ausstand legte die Bahn ein neues Angebot vor. Strittig war, wie hoch die für die rund 160.000 Beschäftigten geforderte Lohnerhöhung ausfällt.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba sprach nach viertägigen Verhandlungen in Berlin von einem "Erfolg auf ganzer Linie". Die EVG habe für die rund 160.000 von ihr vertretenen Beschäftigten in sehr schwierigen Verhandlungen alle 37 Forderungen durchgesetzt. DB-Personalvorstand Martin Seiler sagte: "Der Abschluss ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für unsere Belegschaft und ein großer Schritt in eine noch modernere Tarif- und Arbeitswelt."

Während es mit der EVG nun eine Einigung gibt, sind die Tarifverhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL am Freitag dagegen erneut gescheitert. Seit einem nach dem Bahnstreik 2015 vereinbarten Verfahren kann die GDL selbst jedoch nicht sofort streiken. Anders als die EVG müsste sie demnach erst eine Schlichtung versuchen. Zudem schloss die GDL ihrerseits bereits Arbeitsniederlegungen bis zum Jahresende aus. Zumindest rund um Weihnachten können Streiks den Zugverkehr damit nicht mehr beeinträchtigen.

Wie die GDL hatte auch die EVG 7,5 Prozent mehr Gehalt gefordert - und den Ausbau des 2016 vereinbarten Wahlmodells, bei dem Beschäftigte zwischen Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung und mehr Urlaub wählen können.

Recht auf mehr Urlaub statt mehr Geld verankert

Auch dieses EVG-Wahlmodell wurde weiterentwickelt. Fortan können die Beschäftigten erneut zwischen 2,6 Prozent mehr Geld, sechs Tagen mehr Urlaub oder einer Arbeitszeitverkürzung wählen. Umgesetzt werden soll die Wahlmöglichkeit "mehr Urlaub" zum 1. Januar 2021. Alle, die sich für mehr Urlaub entscheiden, erhalten laut EVG im August 2020 - für die Zeit vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 - eine Einmalzahlung in Höhe von 700 Euro.

Die Ausbildungs- und Studienvergütung wird ebenfalls in zwei Stufen um insgesamt 100 Euro angehoben: Zum 1. Juli 2019 steigt sie um 60 Euro und ein Jahr später um weitere 40 Euro. Hinzu komme eine Einmalzahlung von 460 Euro für die Nachwuchskräfte, so die EVG. Zudem sei die Deutsche Bahn AG verpflichtet worden, Geld zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Zulagensystem bereit zu stellen. Schließlich werde die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge erhöht.

Vor dem EVG-Warnstreik hatte die Bahn ursprünglich eine Einkommenserhöhung in zwei Stufen angeboten: 2,5 Prozent ab März 2019 und weitere 2,6 Prozent ab Januar 2020, dazu eine Einmalzahlung von 500 Euro, bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Die GDL hatte zusätzlich zum Lohnplus eine Laufzeit von 24 Monaten gefordert, die EVG nannte dagegen keine Wunschlaufzeit. Je länger die Laufzeit eines Vertrages ist, desto geringer fällt die effektive Lohnerhöhung auf ein Jahr gesehen aus.

Das verbesserte Angebot der Bahn am Mittwoch für beide Gewerkschaften sah laut GDL-Chef Claus Weselsky in der ersten Stufe ein Lohnplus von 3,2 Prozent vor - jedoch bei einer Laufzeit von 34 Monaten.

wal/apr/dpa/Reuters

insgesamt 26 Beiträge
Wolfgang Porcher 15.12.2018
1. und die Bahnreisenden tragen das als Sünder aus.
was natürlich die logische Folge ist. Steigen die Kosten muss sich der Ertrag erhöhen. So werden die Reisenden demnaechst mindestens 5-10% mehr bezahlen . denn der Streikausfall muss ja auch refinanziert werden. ich [...]
was natürlich die logische Folge ist. Steigen die Kosten muss sich der Ertrag erhöhen. So werden die Reisenden demnaechst mindestens 5-10% mehr bezahlen . denn der Streikausfall muss ja auch refinanziert werden. ich beobachte diese Spirale seit den 70er Jahren mit Vorreiter IG Metall. 4% Lohnerhöhung wurde erstreikt fast jährlich . alles wurde teurer das nahm die IG Metall zum Anlass wieder mehr zu erstreiken. usw. Und alle anderen Sparten zogen mit. Das Ende vom Liede, die grossen Metallfirmen zogen nach Holland. Und man ging an aus Russland und Polen einzukaufen. Die Metallmalocher zahlen nun statt 40pfennig für das Bier = 20 cent nun 2,00? im Restaurant statt 80 Pfennige nun 4,50 ?. Fazit: Dummheit kennt keine Grenzen.
freeclimber 15.12.2018
2. Erfolg?!
Wie kann man sich erdreisten dieses Ergebnis als Erfolg zu verkaufen? Die Einkommensteigerung liegt unter 3% pro Jahr (Laufzeit 29 Monate)! Durch die steigenden Spitzensteuersätze wird ein grosser Teil des Einkommenszuwachses [...]
Wie kann man sich erdreisten dieses Ergebnis als Erfolg zu verkaufen? Die Einkommensteigerung liegt unter 3% pro Jahr (Laufzeit 29 Monate)! Durch die steigenden Spitzensteuersätze wird ein grosser Teil des Einkommenszuwachses wegbesteuert. Damit liegt der Nettozuwachs bei den Meisten vermutlich unter der Inflationsrate. Gleichzeitig steigt die Miete zweistellig! Da werden die Mitarbeiter von ihrer eigenen Vertretung veräppelt!
pirx64 15.12.2018
3.
Ich zitiere aus ihrem posting nochmal "Durch die steigenden Spitzensteuersätze ...". Also Spitzensteuersätze, also alles Spitzenverdiener, die noch mehr verdienen sollen?
Zitat von freeclimberWie kann man sich erdreisten dieses Ergebnis als Erfolg zu verkaufen? Die Einkommensteigerung liegt unter 3% pro Jahr (Laufzeit 29 Monate)! Durch die steigenden Spitzensteuersätze wird ein grosser Teil des Einkommenszuwachses wegbesteuert. Damit liegt der Nettozuwachs bei den Meisten vermutlich unter der Inflationsrate. Gleichzeitig steigt die Miete zweistellig! Da werden die Mitarbeiter von ihrer eigenen Vertretung veräppelt!
Ich zitiere aus ihrem posting nochmal "Durch die steigenden Spitzensteuersätze ...". Also Spitzensteuersätze, also alles Spitzenverdiener, die noch mehr verdienen sollen?
freeclimber 15.12.2018
4. Erst mal nachdenken
Lieber pirx64: Man schaue in eine Steuertabelle und sehe sich an, wie die Steuersätze auf die letzten 1000 Euro zu versteuerndes Einkommen sich entwickeln (=Spitzensteuersatz) und zwar auch bereits bei solchen steuerbaren [...]
Zitat von pirx64Ich zitiere aus ihrem posting nochmal "Durch die steigenden Spitzensteuersätze ...". Also Spitzensteuersätze, also alles Spitzenverdiener, die noch mehr verdienen sollen?
Lieber pirx64: Man schaue in eine Steuertabelle und sehe sich an, wie die Steuersätze auf die letzten 1000 Euro zu versteuerndes Einkommen sich entwickeln (=Spitzensteuersatz) und zwar auch bereits bei solchen steuerbaren Jahres-Einkommen von 35000 bis 40000 bei Ledigen und 70000 bis 80000 bei Verheirateten. Wohl eher keine Grossverdiener oder.? Nach dieser einfachen Fortbildungsmassnahme versteht man dann auch meinen Beitrag.
ethan_esrah 15.12.2018
5. Erst mal nachlesen
Man würde Ihren Beitrag vielleicht dann besser verstehen, wenn Sie den richtigen Begriff verwenden würden. Sie sagen "Spitzensteuersatz" und meinen "Grenzsteuersatz". Das sind zwei verschiedene Dinge.
Zitat von freeclimberLieber pirx64: Man schaue in eine Steuertabelle und sehe sich an, wie die Steuersätze auf die letzten 1000 Euro zu versteuerndes Einkommen sich entwickeln (=Spitzensteuersatz) und zwar auch bereits bei solchen steuerbaren Jahres-Einkommen von 35000 bis 40000 bei Ledigen und 70000 bis 80000 bei Verheirateten. Wohl eher keine Grossverdiener oder.? Nach dieser einfachen Fortbildungsmassnahme versteht man dann auch meinen Beitrag.
Man würde Ihren Beitrag vielleicht dann besser verstehen, wenn Sie den richtigen Begriff verwenden würden. Sie sagen "Spitzensteuersatz" und meinen "Grenzsteuersatz". Das sind zwei verschiedene Dinge.

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