Wirtschaft

Verträge für Paketboten

Ver.di prangert Lohn-Pläne der Deutschen Post an

"Das werden wir nicht hinnehmen": Die Gewerkschaft Ver.di geht auf Konfrontationskurs mit der Deutschen Post. Das Logistikunternehmen will Paketboten deutlich unter dem Haustarif bezahlen.

DPA

Ver.di-Streik bei der Post (2013): "Taube Ohren"

Mittwoch, 28.01.2015   17:20 Uhr

Düsseldorf - Die Deutsche Post muss sich auf eine harte Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft Ver.di einstellen. Auslöser des Streits sind Pläne des Konzerns, Zusteller in der Brief- und Paketsparte zu niedrigeren Löhnen als bisher einzustellen.

"Die Post erschüttert die Sozialpartnerschaft und hält existierende Verträge nicht ein", sagt die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis: "Das werden wir nicht hinnehmen." Ver.di prüfe, "was wir tarifpolitisch tun werden", und behalte sich auch rechtliche Schritte vor. Streiks sind jedoch nicht zu erwarten, da die Tarifverträge nicht formell aufgekündigt wurden. Bei der Post herrscht damit Friedenspflicht.

Post-Vorstand Jürgen Gerdes hatte in der vergangenen Woche angekündigt, bis 2020 rund 10.000 unbefristete Stellen schaffen zu wollen. Die Zusteller sollen jedoch in 49 neuen Gesellschaften arbeiten - der Haustarifvertrag der Post gilt für sie nicht. Ihre Löhne sollen sich an den Tarifen der Logistikbranche orientieren, die auch der Online-Händler Amazon als Maßstab nimmt. Gerdes hatte beklagt, die Personalkosten der Post seien im Schnitt doppelt so hoch wie die der Wettbewerber.

Ver.di: Post hebelt Tarifvertrag aus

Die Gewerkschaft kritisiert diese Maßnahme: "Es entstehen keine neuen Arbeitsplätze, vielmehr sollen befristet Beschäftigte der Post in die neuen Gesellschaften wechseln", sagt Ver.di-Tarifexperte Stephan Teuscher: Die Arbeit ändere sich für die Beschäftigten nicht, der Lohn sinke aber deutlich.

Ver.di bemängelt zudem, dass die Post mit ihrem Modell einen geltenden Tarifvertrag aushebele: Die Gewerkschaft habe mit dem Konzern bis Ende 2015 Regelungen zum Schutz gegen die Fremdvergabe von Zustellbezirken ausgehandelt. Nur für 990 Bezirke sei ein solches Modell zulässig, die neuen Pläne sähen aber vor, dass deutlich mehr Bezirke nicht mehr von der Stammbelegschaft versorgt würden. Die Post breche damit geltende Verträge. Ein Post-Sprecher bestritt dies: Die Post strebe eine "legitime Verlegung von Tätigkeiten" an.

bka/Reuters

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