Wirtschaft

Wirtschaftsumbau in USA

Profiteure des Trump-Booms

Die US-Börsen eilen von Rekord zu Rekord. Grund sind die vollmundig angekündigten Pläne des US-Präsidenten zum Umbau der Wirtschaft. Die größten Profiteure sind Konzerne, die Donald Trump besonders nahe stehen. Ein Überblick.

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Caterpillar in Peoria, Illinois

Von
Freitag, 03.03.2017   20:46 Uhr

Bausektor

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Bagger von Caterpillar

Wenn sich Aktienfondsmanager in diesen Tagen in Meetings treffen, reden sie über Beton, Stahl und Baumaschinen. Powerpoint-Präsentationen zeigen Börsencharts mit steil steigende Kurven.

Jahrelang waren Aktien aus der schmutzigen Old Economy unbeliebt, doch seit Donald Trumps Wahlsieg sind sie wieder begehrt. Fondsmanager legen sich Aktien von Baumaschinenherstellern, Ingenieursdienstleistern und Stromnetzkonzernen ins Depot. Ihre Hoffnung: Die Aktien werden dank Donalds Trumps Politik in den kommenden Jahren durch die Decke gehen.

Denn Trump hat mehrfach angekündigt, ein massives Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen. "Wir werden neue Straßen und Autobahnen und Brücken und Flughäfen und Tunnel und Bahnstrecken quer durch unser wunderbares Land bauen", sagte der US-Präsident in seiner Siegesrede nach der Wahl.

Diese Worte versteht jeder. Trump will die klassische Industrie wieder stark machen, Jobs in der Schwerindustrie schaffen. Als er per Dekret anordnete, den Bau zwei umstrittener Pipeline-Projekte wieder aufzunehmen, sagte er immer wieder: "Das sind viele gute Industriearbeitsplätze."

Trump weiß, dass der Investitionsbedarf in den USA riesig ist. Viele Straßen, Deiche, Kanäle und Energienetze sind in schlechtem Zustand. Deshalb kündigte er Investitionen von bis zu eine Billion Dollar in den kommenden zehn Jahren an.

Seitdem schießen die Aktienkurse großer Baukonzerne in die Höhe (siehe Charts). Und viele Strategen an der Wall Street glauben, dass die Zeit dieser Aktien gerade erst gekommen ist - sie sind in Goldgräberstimmung.

Ein besonders deutliches Beispiel dafür ist das Unternehmen Caterpillar. Der Aktienkurs des Baumaschinen-Herstellers schoss unmittelbar nach Trumps Wahlsieg in die Höhe und kann sich seitdem auf dem hohen Niveau halten. Caterpillars Bagger, Kettenlader und Dozer werden für die geplanten Vorhaben von Trump dringend gebraucht - auch für den angekündigten und sehr umstrittenen Bau einer Grenzmauer zu Mexiko.

Banken

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Goldman-Sachs-Logo an der Wall Street

Keine Branche profitiert so sehr von Trumps Wahlsieg wie die Finanzindustrie. Allein die Papiere der US-Investmentbank Goldman Sachs haben zwischenzeitlich um fast 40 Prozent zugelegt. Auch die Aktienkurse der Großbanken JP Morgan und Wells Fargo stiegen stark.

Insgesamt haben die Aktien des US-Finanzsektors seit Trumps Wahlsieg am 8. November 2016 rund 33 Prozent an Wert gewonnen - fast dreimal so viel wie der Börsenindex S&P, der die Aktienkurse der 500 größten US-Unternehmen abbildet.

"Die Finanzindustrie gewinnt derzeit auf allen Ebenen", sagt Till Budelmann, Fondsmanager bei der Berenberg Bank, der seit Jahren in amerikanische Unternehmen investiert. "Banken etwa profitieren von der Senkung der Unternehmensssteuern, der Deregulierung und den möglicherweise anziehenden Zinsen. Der Finanzbranche stehen gute Zeiten bevor."

Eigentlich hatten Banken seit der Finanzkrise einen schweren Stand, viele ließen die Finger von Finanzaktien, weil sie als unsicher galten. Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Anteilsscheine von Banken und Versicherungen, die günstig bewertet sind, gehören wieder zu den Top-Sellern an der Börse.

Da verwundert es nicht, dass sich Donald Trump gerne mit den Boys von der Wall Street umgibt. Sein Finanzminister, sein Wirtschaftsberater und sein Chefstratege arbeiteten zuvor für die US-Investmentbank Goldman Sachs. Nun arbeiten sie daran, möglichst viele bei der Finanzindustrie unbeliebte Gesetze zu entschärfen.

Gary Cohn etwa, der ehemalige Goldman-Sachs-Banker und Trumps jetziger Wirtschaftsberater, beaufsichtigt die Entschärfung des Dodd-Frank-Gesetzes. Das mehr als 800 Seiten umfassende und nach zwei Kongressabgeordneten benannte Gesetz soll eigentlich verhindern, dass es noch einmal zu einer Finanzkrise wie im Jahr 2007 kommen kann.

Finanzminister Steven Mnuchin bereitet indes gerade die große Steuerreform vor, die Unternehmen stark entlasten soll.

Auch Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, versteht sich gut mit Trump. Als der Präsident Anfang Februar ins Weiße Haus zum Essen geladen hatte, um über die Zukunft der Finanzbranche zu besprechen, sagte er: "Niemand kann mir so viel über Dodd-Frank erzählen wie Jamie."

Künftig, so scheint es, machen in Washington die Banker die Gesetze.

Rüstungsindustrie

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Ein F-35B-Kampfjet von Lockheed

Auch Rüstungskonzerne gehören derzeit zu den Gewinnern an der Börse. Denn die neue US-Regierung plant, den Verteidigungsetat massiv zu erhöhen: Die Ausgaben sollen um knapp zehn Prozent, etwa 54 Milliarden Dollar, zunehmen. Das sieht nach Angaben des Weißen Hauses ein Budgetentwurf vor. Präsident Donald Trump sprach von einer "historischen Steigerung". Er fügte hinzu: "Wir müssen wieder Kriege gewinnen."

Trump hat bereits Boeing besucht. Der Konzern ist nach Lockheed Martin der zweitgrößte Lieferant des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Und Trump hat für Boeing einen Großauftrag ins Spiel gebracht. Es könnte sich um den F-18-Super-Hornet-Kampfjets handeln, heißt es aus Branchenkreisen. Der Kampfjet F-35 von Lockheed ist Trump zu teuer, das sagte er mehrfach.

insgesamt 54 Beiträge
kmgeo 03.03.2017
1. Karneval ist vorbei
Gab es nicht mal einen Karnevalshit "Wer soll das bezahlen?"? Klar, die Aktienkurse gehen durch die Decke, aber wer soll die ganzen Vorhaben denn bezahlen? Durch die Steuer auf Importe? Eher gewinnt ein Milchmädchen den [...]
Gab es nicht mal einen Karnevalshit "Wer soll das bezahlen?"? Klar, die Aktienkurse gehen durch die Decke, aber wer soll die ganzen Vorhaben denn bezahlen? Durch die Steuer auf Importe? Eher gewinnt ein Milchmädchen den Nobelpreis........
james.n 03.03.2017
2. Profiteure des Trump-Booms ...
... sind auch, gleichwohl in dem Beitrag nicht erwähnt, auch deutsche Konzerne. Ähnlich den Branchen, wie denen in den USA. So hat sich die Deutsche Bank-Aktie erfreulicherweise (für die vielen Kleinanleger) wieder berappelt. [...]
... sind auch, gleichwohl in dem Beitrag nicht erwähnt, auch deutsche Konzerne. Ähnlich den Branchen, wie denen in den USA. So hat sich die Deutsche Bank-Aktie erfreulicherweise (für die vielen Kleinanleger) wieder berappelt. Ebenso VW. Auch wenn der (linke) Mainstream hierzulande rs nicht wahrhaben will, auch wir profitieren von Trump. Und damit auch viele Kleinanleger, die für ihr Alter vorsorgen.
karljosef 03.03.2017
3. Und nicht nur ich sondern vor allem seine Wähler dachten doch wohl,
dass zunächst sie selbst, also die ärmeren Amis, die Nutznießer von der Politik von Trump würden.... SCHERZ OFF
dass zunächst sie selbst, also die ärmeren Amis, die Nutznießer von der Politik von Trump würden.... SCHERZ OFF
marius_london 03.03.2017
4. Typisch USA!
...genau deswegen mag ich die Amis nicht: erhoehen die Militaerausgaben und lockern die Gesetze die die Finanzinsdustrie staerker kontrollieren sollen und gleichzeitig schaffen die die Gesundheitsversicherung fuer aermere Buerger [...]
...genau deswegen mag ich die Amis nicht: erhoehen die Militaerausgaben und lockern die Gesetze die die Finanzinsdustrie staerker kontrollieren sollen und gleichzeitig schaffen die die Gesundheitsversicherung fuer aermere Buerger ab und machen aus dem Umweltministerium einen Witz - und die meisten Amis finden das noch super!!
papelbon 03.03.2017
5.
Steigende Aktienkurse sind doch etwas wunderschönes. Warum kann man sich nicht einfach für die Aktienbesitzer mitfreu? Der Mut, sein Geld in Unternehmen zu investieren und nicht auf der Bank verschimmeln zu lassen muß doch auch [...]
Steigende Aktienkurse sind doch etwas wunderschönes. Warum kann man sich nicht einfach für die Aktienbesitzer mitfreu? Der Mut, sein Geld in Unternehmen zu investieren und nicht auf der Bank verschimmeln zu lassen muß doch auch irgendwie belohnt werden. Danke Donald.
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